Markdorf – Neidisch dürfte Markdorfs Stadtkämmerer Michael Lissner dieser Tage nach Westen blicken: Im Nachbarort Salem, an seiner früheren Wirkungsstätte, ist es Kämmerin Julia Kneisel offenbar gelungen, einen Haushaltsentwurf 2021 vorzustellen, dessen Ergebnishaushalt einen Überschuss von 483 000 Euro aufweist. Davon träumt man in Markdorf.

Ursprünglich lag das Defizit noch bei 5,5 Millionen Euro

Lissner präsentierte den Stadträten schwieriger verdauliche Zahlen. Trotz immenser Einsparungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf, der noch ein Defizit von 5,5 Millionen Euro ausgewiesen hatte, wird der Markdorfer Haushalt 2021 vermutlich mit einem Minus von 1,6 Millionen abschließen.

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Schwarze Zahlen erst wieder ab 2024

Auch in den Folgejahren werden schwarze Zahlen wohl ein Wunschtraum bleiben. Für 2022 wird ein Minus von 1,25 Mio., für 2023 ein Minus von 1,45 Mio. prognostiziert. Erst 2024, so Lissner, dürfte erstmals wieder ein Plus (geschätzt 400 000 Euro) erzielt und damit auch ein genehmigungsfähiger Haushalt präsentiert werden. Vermutlich werden trotz alledem aber auch die Haushalte bis 2024 genehmigt werden, dank einer Art Corona-Sonderregelung, für die sich derzeit der Städtetag noch stark macht.

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Zurückhaltend: Gewerbesteueransatz bei 7,5 Millionen Euro

Welche Probleme hat Markdorf, die Salem oder auch Kressbronn, wo der Haushalt 2021 ebenfalls ein Plus erwirtschaften soll, nicht haben? Vor allem seien es die hohen Abschreibungen, die man in den kommenden Jahren vornehmen müsse, sagte Lissner im Gemeinderat. Das Minus sei auch bei einer prognostizierten konjunkturellen Erholung und wieder höheren Gewerbesteuereinnahmen nicht aufzufangen. Bei letzterer plant man in der Kämmerei betont zurückhaltend: 7,5 Millionen Euro setzt Lissner für die Gewerbesteuereinnahmen im nächsten Jahr an. Sollte sich die lokale Wirtschaft rascher von den Auswirkungen der Pandemie mit Kurzarbeit und Produktionsstopps erholen, seien aber auch mehr drin.

Stadtkämmerer Michael Lissner: „In jeder Krise steckt auch eine Chance“
Stadtkämmerer Michael Lissner: „In jeder Krise steckt auch eine Chance“ | Bild: Ganter, Toni

Verwaltungskosten wurden nochmals gekürzt

„In jeder Krise steckt auch eine Chance“, kommentierte Lissner den Kraftakt am Ende eines „mit Herausforderungen gespickten Jahres“, wie es Bürgermeister Georg Riedmann formulierte. Die Chance beziehe sich auf ein weiteres Abspecken der internen Verwaltungskosten: An die Personalkosten sei nochmals drangegangen worden, frei werdende Stellen sollen bis auf weiteres nicht oder später als üblich wiederbesetzt werden und einzelnen Ämtern wurden die Budgets pauschal gekürzt.

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Die gute Nachricht: Keine Steuererhöhungen im nächsten Jahr

Verzichten werde die Stadt trotz des Spardiktates hingegen auf Steuererhöhungen, versicherte Lissner. „Das wäre in diesem Moment auch das falsche Signal“, sagte er. Anders sieht es bei den Gebühren aus: Die bleiben zwar 2021 unverändert, müssten dann aber im Wasser- und Abwasserbereich 2022/23 deutlich erhöht werden. Dieses Signal jetzt schon an die Öffentlichkeit zu richten, sei ihm sehr wichtig, sagte Lissner. Wegen der jüngsten großen Investitionen im Wasser- und Abwasserbereich und weil auch die laufenden Kosten stark ansteigen, sei dies unumgänglich.

Rund 6,2 Millionen Euro soll die Sanierung des Rathauses kosten. Hohe Investitionen, aber auch hohe laufende Kosten belasten den Haushalt der Stadt 2021 und in den kommenden Jahren.
Rund 6,2 Millionen Euro soll die Sanierung des Rathauses kosten. Hohe Investitionen, aber auch hohe laufende Kosten belasten den Haushalt der Stadt 2021 und in den kommenden Jahren. | Bild: Ganter, Toni

Lissner: Konsolidierung bleibt eine Daueraufgabe

Oberstes Ziel bei allem sei, den Ergebnishaushalt „wieder in den Griff zu bekommen“. Die Konsolidierung der Haushalte bleibe „eine Daueraufgabe“, mahnte Lissner. Damit verband er auch einen dringlichen Appell an die Fraktionen: Sollten sie in den kommenden Beratungsrunden Anträge stellen, die mit erneuten Kosten verbunden seien, dann diese „bitte auch mit einem machbaren Deckungsvorschlag versehen“, betonte der Kämmerer: „Sonst wird‘s wieder schwierig werden.“

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