Zwei harte Corona-Jahre liegen hinter der Tourismusgemeinschaft (TG) Gehrenberg-Bodensee und dennoch lässt sich Geschäftsführerin Sylvia Westermann den Optimismus für 2022 nicht nehmen. „Ich bin trotz alledem positiv gestimmt fürs nächste Jahr“, sagt sie: „Es wird auch dann um Anpassungen gehen müssen und dass wir uns im Sommer wieder erholen und dann schauen, wie wir das Winterhalbjahr gestalten können.“ Die Pandemie hat auch dem Tourismus in Markdorf, Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen, den Verbandsgemeinden der TG, gravierende Einbrüche beschert. Die Gastgeber konnten ihre Ferienwohnungen nicht vermieten, einzig die Campingplätze hätten über die Sommermonate hinweg das Ergebnis übers Jahr gesehen noch freundlicher gestaltet.

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Das Budget musste 2020 und 2021 reduziert werden

Beim Budget sei 2020 und 2021 schon gegengesteuert worden, angesichts der aufgrund von Corona zu erwartenden Ausfälle: Um 30 000 Euro sei das Jahresbudget reduziert worden, von 310 000 Euro vor der Krise auf nun 280 000 Euro. Dieses Budget wird der TG auch für 2022 zur Verfügung stehen. Insgesamt, so Westermann, hätten sich die finanziellen Einbrüche noch halbwegs in Grenzen gehalten. 2019, im Jahr vor Corona, wurde ein Fehlbetrag von rund 17 500 Euro verbucht, laut Westermann vor allem wegen des großen Apfelfestes. 2020 belief sich das Minus auch wegen Einsparungen auf rund 9000 Euro. Auf größere Feste hatte die TG im vergangenen und auch in diesem Jahr verzichtet.

Teils mehr als 80 Prozent weniger Ankünfte als vor Corona

Obwohl selbst unter starkem Druck sei die TG 2020 und 2021 den Gastgebern entgegengekommen und habe die Mitgliedsbeiträge halbiert. „Das war ein Zeichen von uns an unsere Mitglieder, weil die ja sehr lange geschlossen haben mussten“, sagt Westermann. Beim Blick auf die Ankünfte und Übernachtungen wird das deutlich: Gegenüber 2019 hatten in allen vier Gemeinden die Ankünfte um zehn Prozent (Oberteuringen) bis 40 Prozent (Deggenhausertal) abgenommen.

Beliebt bei Gästen wie Einheimischen: Die Wanderwege rund um den Gehrenberg bieten 250 Kilometer gesunde Entspannung – inklusive toller Ausblicke. Dazu zählen auch die drei Premiumwanderwege der Tourismusgemeinschaft.
Beliebt bei Gästen wie Einheimischen: Die Wanderwege rund um den Gehrenberg bieten 250 Kilometer gesunde Entspannung – inklusive toller Ausblicke. Dazu zählen auch die drei Premiumwanderwege der Tourismusgemeinschaft. | Bild: Claudia Wörner

Beim Vergleich der Zeiträume Januar bis Juni 2019 und Januar bis Juni 2021 fällt die Differenz noch größer aus: In Bermatingen und dem Deggenhausertal hatten die Ankünfte um über 85 Prozent abgenommen, in Markdorf um über 70 Prozent und in Oberteuringen immerhin noch um mehr als 50 Prozent. Das schlägt natürlich ins Kontor. Immerhin habe sich dafür aber die Verweildauer bei den Übernachtungen verlängert, was den Rückgang bei den Ankünften ein wenig aufgefangen habe, berichtet Westermann.

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Ansturm auf die Kataloge: Von 1000 Versendungen zu 5000

Abgesehen vom Rückgang bei den Ankünften: Wie wirkt sich die Pandemiesituation noch aus? Die TG-Chefin hat dafür ein interessantes Beispiel. Die Portokosten seien zum Beispiel immens gestiegen. Denn die Nachfrage nach Katalogen hat während Corona heftig angezogen. „Vor der Pandemie haben wir an die 1000 Kataloge im Jahr verschickt, in 2020/21 waren es dann 5000, das ist für uns eine gigantische Menge“, führt Westermann aus.

Sylvia Westermann, Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee: „Bei den Internetzugriffen konnten wir uns in den beiden Pandemiejahren wirklich gut steigern.“
Sylvia Westermann, Geschäftsführerin der Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee: „Bei den Internetzugriffen konnten wir uns in den beiden Pandemiejahren wirklich gut steigern.“ | Bild: Tourismusgemeinschaft Gehrenberg-Bodensee e.V.

Coronazeit ist Zuhausezeit, die Menschen surfen im Internet. Auch das habe man gespürt, als positive Auswirkung während der Lockdowns. Schon 2020, aber vor allem in diesem Jahr sei die Zahl der Internetzugriffe vor den Urlaubsmonaten nochmals stark angestiegen. „Da konnten wir uns wirklich gut steigern“, freut sich Westermann. Das gestiegene Online-Interesse will man nun bei der TG nutzen. Umgesetzt ist bereits ein komplett neues Buchungssystem für die Gastgeber, die Mitglied bei der TG sind. Und eingeführt werden soll ein Online-Ticketsystem für Führungen und Aktionen, mit Anmeldemöglichkeiten für Geimpfte und Genesene.

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Aktuell gibt es auf gehrenberg-bodensee.de ein digitales Adventsgewinnspiel und auch eine Spendenaktion für den Tourismusverband im von der Überflutungskatastrophe heimgesuchten Ahrtal. Die Aktion selbst findet jedoch nicht virtuell, sondern real statt: An den Markdorfer Markttagen, jeden Donnerstag, werden die Mitarbeiterinnen der Tourist-Info am Rathausplatz ihre Fenster öffnen und den Marktgängern Punsch anbieten.

Picknickkonzerte, eine Weintafel: Die Pläne für 2022

Real, also mit Aktionen und Angeboten vor Ort, will die TG auch 2022 unterwegs sein. So soll die Apfelradelrunde auf Ittendorf und eventuell auch Ahausen ausgeweitet werden und zusätzlich zum Angebot der Premiumwanderwege plane sie auch einen Marathonwanderweg rund um den Gehrenberg, sagt Westermann.

Das Weinbaugebiet zwischen Bermatingen und Markdorf ist vor allem im Herbst ein Blickfang. Das Thema Wein möchte TG-Geschäftsführerin Sylvia Westermann auch stärker in den Fokus rücken.
Das Weinbaugebiet zwischen Bermatingen und Markdorf ist vor allem im Herbst ein Blickfang. Das Thema Wein möchte TG-Geschäftsführerin Sylvia Westermann auch stärker in den Fokus rücken. | Bild: Sonja Ruess

Geht es nach ihr, sollen sich die Menschen – Einheimische wie Urlauber – in den warmen Monaten im nächsten Jahr auch wieder treffen können, immer natürlich unter Vorbehalt der jeweils geltenden Corona-Regeln. Statt der Markdorfer Sommerkonzerte würde sie gerne in allen vier Orten „Picknickkonzerte“ anbieten, sofern es die Finanzlage erlaubt. Die „ganz große Eventidee“ für 2022 sei jedoch eine mehrere hundert Meter lange Wein- und Apfeltafel in den Weinbergen zwischen Bermatingen und Markdorf, angedacht für den Frühherbst und mit Musik, Wein und Vesperplatten. Ob‘s so kommt? Daumen drücken lautet die Maxime. Aber wie gesagt: „Ich bin positiv gestimmt“, gibt Sylvia Westermann einen trotz Corona optimistischen Ausblick auf 2022.