Aufatmen beim Schwäbischen Albverein: Die befürchtete Auflösung der Ortsgruppe Markdorf konnte bei der Hauptversammlung abgewendet werden. Mit Günter Swiadek fand sich ein neuer Vorsitzender, der Stellvertreter-Posten wurde mit Georg Enderle besetzt.

Günter Swiadek kommt aus Überlingen, ist 63 Jahre und Wanderführer. „Gäbe es den Verein nicht mehr, wäre ich nicht mehr Wanderführer“, scherzte er bei seiner Vorstellung. Ihm sei aber generell an der Weiterführung gelegen. Georg Enderle aus Friedrichshafen ist 64 Jahre alt. Ihm habe es geschmeichelt, als „junge Nachwuchskraft“ geworben zu werden, witzelte auch er; eigentlich wollte er nur gemütlich vor sich hinlaufen. Hoffnung auf weitere Beständigkeit im Vorstand machte die Aussage der neuen Schriftführerin Tanja Rulands: „Ich habe Respekt vor dem Amt des Vorsitzenden. Deswegen taste ich mich langsam mit dem Schriftführerposten ran. In den nächsten Jahren kann es noch mehr werden.“

Der ehemalige Vorsitzende Rolf Gertitschke und sein Stellvertreter Theo Kausch hatten bei der Versammlung 2021 die Ämter nur noch für ein Jahr übernommen, da sich niemand gefunden hatte, der in ihre Fußstapfen treten wollte. Die Kandidatenfrage war auch in der einzigen Live-Sitzung Thema. Coronabedingt gab es nur wenige Veranstaltungen.

Altersstruktur bereitet Sorge

Abgenommen haben die Mitgliederzahlen. Waren es 2021 noch 286, beläuft sich die aktuelle Zahl auf 273. Im Jahr 2018 waren es noch 304. Sorge bereitet der Ortsgruppe die Altersstruktur: 106 Personen, rund 40 Prozent der Mitglieder, sind über 75 Jahre alt. In der Altersgruppe 71 bis 75 Jahre sind 45 Mitglieder, in der Gruppe der 67 bis 70-Jährigen wurden 30 registriert. „Zwei Drittel unserer Mitglieder sind also Rentner“, stellte Gertitschke fest. Die Familiengruppe umfasst 14 Familien mit 55 Personen mit 31 Kindern und Jugendlichen; allerdings sind 20 bereits über 18 Jahre. Corona-Auflagen hatten die Aktivitäten der Familiengruppe abgewürgt, so Rolf Gertitschke.

Ein Grund für die Altersstruktur mag darin liegen, dass man bis ins hohe Alter wandern und sich damit fit halten kann. Das zeigte die Ehrung der fleißigsten drei Mitglieder: Mit 72 Wanderungen eroberte sich Lisa Jelitte das Siegertreppchen, der Karl Beck mit 59 Wanderungen folgte, den dritten Platz belegte Peter Zöller mit 45 Wanderungen.

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Dass der Schwäbische Albverein auch zu kulturellen und sportlichen Veranstaltungen einlädt und sich um die Natur kümmert, machte Theo Kausch, Fachwart Wandern, deutlich. Die Bilanz 2021 fiel coronabedingt allerdings schlecht aus: Von 48 geplanten Aktivitäten fanden nur 18 statt, zwei Wanderführer traten zurück, einer werde es tun, womit zehn verblieben. Sein Ausblick lässt jedoch hoffen: Im laufenden Jahr sind 51 Termine festgeklopft, 22 Halbtags- und 25 Tageswanderungen, zwei Radtouren, eine zehntägige Wanderwoche und eine Radwanderwoche, eventuell noch eine Schneetour.

Acht Wegewarte hatten die 184,7 Kilometer Wegenetz in 56 Begehungen und mit einem Aufwand von 169,5 Stunden betreut. Es reicht bis Heiligenberg, Birnau, Immenstaad. Sie haben Schilder erneuert, die Wege begehbar und sicher gemacht, berichtete Rudolf Schmidt, Fachwart für Wege- und Naturschutz. Für einen unbetreuten Weg habe er einen Mann aus Immenstaad als Wegpate im Blick. Drei ehrenamtliche Kräfte kümmerten sich um den Natur- und Umweltschutz, ein weiterer wichtiger Bestandteil der Vereins-Pflichten. Sie beobachten wertvolle Landschaftsabschnitte, dokumentieren und sorgen für Aufklärung. In 13 Einsätzen und 21 Stunden schauten sie nach geschützten Pflanzen wie Orchideen und Märzenbecher, legten sie frei, reinigten Nistkästen. Etliche Ehrenämter seien noch vakant, appellierte er, sich einzubringen.

Mountainbike-Gruppe legt los

Richtig was los war in der Mountainbike-Gruppe, die für den Gehro-Trail zuständig ist. Trotz Corona – oder gerade deswegen – hatte sie einen tollen Zulauf, wie Fachwart Ansgar Oker berichtete.

Der erste Trailbau-Tag mit rund 40 Helfern war ein großer Erfolg; Schäden und Abnutzungen wurden beseitigt. Das SWR-Fernsehen hatte den Gehro-Trail in einem kleinen Film in Szene gesetzt und im Namen des Schwäbischen Albvereins vorgestellt. Er ist in der Mediathek der ARD unter „Expeditionen in die Heimat/Frühlingserwachen am Bodensee“ ab Minute 16.55 zu sehen. Die zweite Instandsetzung mit Entschärfung der Anfängerstrecke war am 30. April, unterstützt von der Stadt.

Aktuell ist die Planung für die Umfahrung Leimbach. Die Strecke soll oberhalb von Leimbach Richtung Steibensteg führen. Die Schwierigkeit hier: Auf 100 Meter Wald kommen rund zehn Besitzer; Stadtförster Jörn Burger spricht mit allen. Der Trail soll um einen Kilometer verlängert werden, um die Frequentierung von Leimbach zu reduzieren und die Parksituation dort zu entschärfen, obwohl die Parkplätze dort öffentlich sind. In Steibensteg gebe es jedoch mehr kostenlosen Platz zum Parken.

„Die Stadt ist sehr entgegenkommend und unterstützt uns“, so Ansgar Oker; ein Budget sei eingeplant. Die Zustimmung der Waldbesitzer vorausgesetzt, wollen die Mountainbiker einen Fachberater für den Trail.

Die Angebote werden verglichen, im Frühjahr 2023 soll ein Knopf drauf gemacht werden. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Trail dadurch attraktiver und professioneller wird und die Leute auf dem Weg bleiben, was ja auch Ziel des Trails ist“, so Ansgar Oker mit Blick auf andere Waldnutzer. 2023 wollen die Biker auch Fahrtechniktrainings anbieten.

Zwei Mitglieder geehrt

Franz Rimmele, Vorsitzender Bodenseegau, erläuterte bei der Versammlung Aufgaben und Angebote des Hauptvereins, der Türme und Wanderheime betreut und instand hält und Referenten beauftragt, die beispielsweise durchs Biosphärengebiet führen. In Abwesenheit ehrte er Gertrud Allgeier für 60 Jahre Mitgliedschaft und für 25 Jahre Edeltraud Stecher und Friedrich Stolze.