Der Spitalfonds Markdorf hat wieder einen neuen Geschäftsführer: Heinrich Lang übernimmt die Leitung befristet auf zwei Jahre ab 15. August. Der Gemeinderat hat Lang in der jüngsten Sitzung mit überwältigender Mehrheit und ohne Gegenstimme gewählt.

Der 60-Jährige, der in Herrenberg lebt, war zuletzt Leiter Geschäftsfeld Altenhilfe der Bruderhaus-Diakonie in Reutlingen und kam durch das Interesse der Diakonie am Altenpflegeheim St. Franziskus, in Kontakt mit Markdorf.

"Mir kam schnell der Gedanke, dass die Leitung eine interessante Weiterentwicklung für meine Person sein könnte", so der gelernte Altenpfleger. Vor seiner Tätigkeit bei der Bruderhaus-Diakonie hat er viele Jahre im Interimsmanagement in Pflegeheimen gearbeitet. "Markdorf hat einen großen Reiz bei mir ausgelöst und nach weiteren Gesprächen war für mich klar, dass ich das machen möchte", erklärt Lang.

Ungewöhnliche Lösung

Für Markdorf sei Heinrich Lang eine ungewöhnliche, aber glückhafte Lösung, sagte Bürgermeister Georg Riedmann, nachdem die Führungsfrage im Juni vertagt worden war. Dem Personal, Bewohnern und deren Angehörigen des Pflegeheimes sei es ein großes Anliegen gewesen, einen Chef zu haben, der das Gesicht des Hauses sei und dieses nach außen souverän präsentiere.

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Um aber keine vorschnelle Entscheidung zu treffen, habe man sich auf ein zunächst befristetes Arbeitsverhältnis geeinigt, um in Zwischenschritten in eine stabile Zukunft gehen zu können.

Personalsituation als Schwerpunkt

"Hingehen, zuhören, aufnehmen, wahrnehmen", beschreibt Heinrich Lang seine ersten Schritten. Nun gelte es, die Situation zu erfassen und die Mitarbeiter in die Lösungsansätze und -strategien einzubeziehen. Schwerpunkte seien die Personalsituation und die Durchleuchtung der Kostensituation.

"Ziel muss sein, nur mit eigenen Mitarbeitern zu arbeiten", sagt Lang, der dem Haus Potenzial für zukunftsorientierte Betreuungsmöglichkeiten bescheinigt.

Zukunft des Hauses ist offen

Ob diese Zukunft weiterhin in den Händen der Stadt liegt, die Bruderhaus-Diakonie, die ihre Bereitschaft über eine Betriebsübernahme signalisiert hat, als Träger auftritt oder eine ganz andere Partnerschaft in Frage kommt, ist derzeit noch völlig offen.

Diskussion im Gemeinderat

Es soll aber eine Zusammenarbeit mit der Diakonie entstehen und Kooperationsmöglichkeiten erarbeitet werden. Vielen Stadträten war es wichtig, weiterhin Synergien mit andern regionalen Partnern zu überprüfen und beauftragte die Verwaltung damit. Am Ende werden zwei Möglichkeiten übrig bleiben: Weiterführung in eigener städtischer Trägerschaft oder Betriebsübernahme.

Bei der Diskussion in der Gemeinderatssitzung wurde deutlich, dass es noch viele offene Fragen gibt. So wollte Arnold Holstein (FW) wissen, wieviel Mitarbeiter man noch benötige. Darauf antwortete Heinrich Lang, dass man sich den Bedarf genau anschauen und gegegebenfalls nachbessern müsse.

Susanne Deiters Wälischmiller (UWG) sagte, dass gerade die Fremdkräfte ein Grund dafür seien, warum der Spitalfonds finanziell so schlecht dastehe. Dietmar Bitzenhofer (FW) interessierte sich für ein Schlagwort von Lang. "Es gibt immer eine Lösung, man muss sie nur finden", zitierte Heinrich Lang den russischen Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn.

Erstellung eines "Altenkonzeptes"

Simon Pfluger und Kerstin Mock (beide CDU) wünschten sich eine Alternative zur Bruderhaus-Diakonie. "Wir haben generell wenig Pflegeplätze und wir sollten ein Altenkonzept erstellen, um ausreichend Kapazitäten zu schaffen", schlug Pfluger vor. "Das Haus muss am Standort Markdorf gesichert sein", betonte Mock. Auch Susanne Sträßle (CDU) vermisste mehrere Unternehmen. Man hätte jetzt Zeit, "um die Fühler auszustrecken und Gespräche zu führen".

Des Weiteren forderte die Fraktionsvorsitzende ein "intensives Controlling" und eine enge Berichterstattung. "Wir waren damals von den Zahlen sehr überrascht", sagte Uwe Achilles (SPD), den interessierte, wie sich Heinrich Lang ein Berichtswesen vorstellen könne. "Da gibt es klare Modelle; man muss sich nur entscheiden", antwortete Heinrich Lang. Sein Ziel in zwei Jahren: eine stabile Situation und eine klare entspannte Perspektive für die Zukunft.

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Vom Rekordverlust über die Interimslösung zur Planung für die Zukunft

Der Entscheidung, die Geschäftführung für zwei Jahre an Hermann Lang zu geben, geht eine längere Geschichte voraus.

Die Ausgangslage: Seit Jahresbeginn befindet sich die bisherige Spitalverwalterin Kathrin Mutschler im Krankenstand. Im März 2018 wurde bekannt, dass der Haushalt des Spitalfonds ein Defizit in Höhe von rund 500 000 Euro erwirtschaftet haben soll. Um zu klären, wie es zu diesem Verlust kommen konnte, wurde mit Thomas Wieler ein zeitlich befristeter Interimsgeschäftsführer mit Tagessätzen eingestellt. Aufgabe des selbständigen Unternehmersberaters war es, die Vergangenheit aufzuarbeiten, die Verluste zu analysieren und eine erste strategische Planung für die Zukunft vorzulegen. "Die Frage war, wie wir aus dieser krisenhaften Situation herauskommen, das Haus aber nicht leichtsinnig aus den Händen geben", erklärt Bürgermeister Georg Riedmann.

Interessenten für Betriebsübernahme: Durch Thomas Wieler entstand der Kontakt zu verschiedenen Interessenten, die sich vorstellen konnten, die Trägerschaft des Spitalfonds und damit des Altenpflegeheims St. Franziskus zu übernehmen. Problematisch stellte sich die Bettengröße da, die mit 40 Plätzen eigentlich zu klein für einen wirtschaftlich gesunden Betrieb ist. Einen Bauplatz für eine Erweiterung kann die Stadt Markdorf nicht bieten. Auch die Mitgliedschaft in der Zusatzversorgungskasse schreckte den ein oder anderen Interessanten ab. Dieser hätte ebenfalls Mitglied in der Kasse sein müssen, sonst wäre bei einer Übernahme eine Ablösesumme in Millionenhöhe fällig gewesen.

Analyse: In einer nicht öffentlichen Sitzung des Gemeinderates Ende Juni hatten sich zwei Bewerber, die SWB Wohnstift Betriebsgesellschaft Bühl und die Bruderhaus-Diakonie mit Sitz in Reutlingen, vorgestellt. Die Entscheidung wurde zurückgestellt, da keiner der Bewerber zu hundert Prozent überzeugen konnte. Auch hatte die Analyse Wielers ergeben, dass die Aussicht bestünde, den Betrieb in städtischer Hand weiterzuführen. Er geht in seinem aktuellen Analysebericht von einem Betriebsverlust für 2017 in Höhe von 300 000 Euro für alle Geschäftsbereiche aus. Warum von einem Defizit von einer halben Millionen Euro die Rede war, kann der Betriebswirt nicht erklären.

Große Freude, große Hilfe

  • Clarissa Weißenberger, St.Franziskus-Pflegedienstleiterin, freut sich über die Entscheidung. Heinrich Lang kenne die Gesamtbreite der unterschiedlichen Anforderungen im Pflegebereich und habe als Krankenpfleger den Beruf von der Pike auf gelernt. "Wir freuen uns auf ihn. Aber wir möchten uns auch bei Thomas Wieler bedanken, der in den vergangenen Monaten eine große Hilfe war", so Clarissa Weißenberger. Die Zusammenarbeit sei sehr gut gewesen und man habe alles ansprechen können. Allerdings habe der tageweise Einsatz in der Situation nicht ausgereicht und daher sei man über die neue Lösung sehr froh.
  • Thomas Wieler, Interimsgeschäftsführer, ist seine Zeit in Markdorf sehr "unvoreingenommen und offen angegangen", wie er nach der Gemeinderatssitzung erzählt. Aufgabe von Heinrich Lang wird es in seinen Augen sein, Struktur in die Buchhaltung zu bringen und neben den Fremdpflegekräften noch weitere Baustellen wie beispielsweise die Küche "fair und gezielt" anzugehen. Hier seien seit Jahren die Preise nicht erhöht worden. Zum 1. September wird es einen neuen Küchenleiter geben. "Ich wünsche dem Pflegeheim, dass das Krisengerede zu einem Ende kommt", so Wieler. Das sei die wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Leute hier wieder Fuß fassen und man Mitarbeiter finden und halten kann.

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