Tafelspitz: allzu spitzfindig darf man es nicht betrachten, wenn es darum geht, wo der Name herkommt. Offenbar nicht aus dem Sprachgebrauch der Anatomie. Wo die Lage des gemeinten Fleischstückes zumindest bei Paarhufern den Bereich bezeichnet, an dem sich Oberschenkel- und Kruppenmuskel treffen, wo das Schwanzstück – etwa des Rindes – spitz ausläuft. Spitz, das könnte also durchaus sein. Aber woher dann die Tafel?

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Ute Rehm, Verkäuferin am Marktstand der Metzgerei Eisele aus Ostrach, findet keine Zeit zum Räsonnieren, schon gar nicht über Spitzfindigkeiten der Namensherkunftsbetrachtung. Sie muss ihre Kundschaft bedienen. Doch sie mag Tafelspitz, das besonders leckere Rindfleisch, das es gerade als Sonderangebot gibt, am allerliebsten in der Suppe. „Sicher, in Meerrettichsoße und zubereitet ist es auch sehr lecker“, räumt Ute Rehm ein. Dann liegt der Tafelspitz am Ende in Scheiben geschnitten auf dem Teller. Trotzdem: Ihr sage halt Tafelspitz in der Brühe zu, „mit viel Gemüse“.

Rezept für Tafelspitz-Suppe

Doch zurück zum Wort: Tafelspitz bezeichnete das hintere Ende der Festtafel am österreichischen Kaiserhof. Wo stets zuallerletzt aufgetragen wurde, kann man nachlesen. Die dort Dinierenden waren daher längst nicht satt, wenn der Kaiser die Tafel aufhob, nachdem er seine Leibspeise genossen hatte: gesottenes Rindfleisch, jedoch von der besten Partie des Hinterschlegels kunstvoll abgelöst. Noch hungrig gingen die Tafelspitz-Gäste zum Imbiss in die Wiener Gastronomie, wo es dann ein in Brühe gekochtes Rinder-Schwanzstück gab – als Huldigung an seine Majestät, den Kaiser.