Die Ausbreitung des Corona-Virus wirkt sich auch auf die Unternehmen in der Region aus: Nahezu alle Firmen haben diesbezüglich Maßnahmen getroffen, um ihre Mitarbeiter zu informieren und zu schützen. In den Betrieben ist es aktuell das Thema Nummer eins: Angefangen beim Umgang mit Dienstreisen über Kontakte zur Kunden bis zur Ausarbeitung von Krisenplänen im Falle von Produktions- oder Lieferausfällen bleibt kein Thema ausgespart.

Kendrion: Breite Produktpalette hilft

Bei Kendrion sei der Umgang mit dem Thema Coronavirus sehr standortabhängig, sagt Manfred Schlett, Geschäftsführer der Kendrion Markdorf GmbH, im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Am Standort Markdorf sei man konzernweit gesehen noch in der positiveren Lage, ein „sehr diversifiziertes Produktportfolio“ zu haben, sagt Schlett. Das heißt: Weil in Markdorf mit vielen verschiedenen Produkten gearbeitet wird, träfe der Ausfall von Lieferketten oder Zulieferungen in einem Produktsegment nicht gleich den gesamten Standort.

Manfred Schlett, Geschäftsführer Kendrion Markdorf GmbH: „Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig, dass wir sehr verantwortungsvoll mit dem Thema Corona umgehen.“
Manfred Schlett, Geschäftsführer Kendrion Markdorf GmbH: „Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig, dass wir sehr verantwortungsvoll mit dem Thema Corona umgehen.“ | Bild: Helmar Grupp

Vorbereiten für den Ernstfall

Dennoch bereite man sich in Markdorf gründlich auch auf den Ernstfall vor, der dann die temporäre Schließung von Abteilungen, das Herunterfahren des Betriebes oder auch Kurzarbeit bedeuten könnte. „Das sind wir auch unseren Mitarbeitern natürlich schuldig, dass wir sehr verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen“, sagt Schlett. Auch bei Kendrion gibt es grundsätzlich keine Dienstreisen in Risikogebiete mehr. Stattdessen werde auf Skype oder andere Videokommunikationstechniken ausgewichen. Im Unternehmen gibt es die Regelung, dass Mitarbeiter, die aus dem Urlaub in Risikogebieten zurückkommen oder die Grippesymptome haben, vorsorglich zum Arzt gehen sollen. In Markdorf beschäftigt Kendrion rund 150 Mitarbeiter.

Für die Aktion „Der SÜDKURIER öffnet Türen“ durften Leser im Vorjahr an einer Führung bei Kendrion teilnehmen. Marco Weimer (vorne) zeigte Einblicke in die Fertigung des Automotive-Zulieferers.
Für die Aktion „Der SÜDKURIER öffnet Türen“ durften Leser im Vorjahr an einer Führung bei Kendrion teilnehmen. Marco Weimer (vorne) zeigte Einblicke in die Fertigung des Automotive-Zulieferers. | Bild: Helga Stützenberger

Risiko: Lieferketten sind vernetzt

Verharmlosen möchte aber auch Schlett die aktuelle Lage bei Kendrion in Markdorf nicht. „Wir haben ein erhöhtes Risiko und rechnen auch in Markdorf in einigen Projekten mit Lieferproblemen“, sagt er. Dabei gehe es vor allem auch um Probleme von Zulieferfirmen. Wenn die dicht machen, fehlt in Markdorf der Nachschub an Teilen, was wiederum die eigene Produktion gefährde. Zu den Hauptkunden von Kendrion Markdorf zählen zum Beispiel die Bus-Hersteller. Dort gebe es aber häufig wiederum einheitliche Lieferketten sowohl der Kunden als auch von Kendrion. „Die Lieferketten sind sehr häufig miteinander vernetzt“, erläutert Schlett.

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Branche in schwieriger Lage

Problematisch sei, dass sich die gesamte Automotive-Branche in einer sehr schwierigen Situation befinde. Werde die Corona-Gefahr gravierender, berge dies tatsächlich das Risiko, dass die Branche in ernsthafte Schieflage gerate, so Schlett. Es sei „eine Tendenz für eine rezessive Phase“ zu beobachten, nennt er es.

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Continental: Reisen stark eingeschränkt

„Seit Ausbruch des Coronavirus in der Provinz Hubei gilt unser Hauptaugenmerk der Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie der Aufrechterhaltung unserer Lieferfähigkeit“, teilt auf Anfrage eine Sprecherin des Automotive-Zulieferers Continental mit. Die Continental AG (Hannover) betreibt in Markdorf den Conti-Temic-Standort in den Riedwiesen. Der Konzern habe Geschäftsreisen von und nach China sowie Südkorea und in Teile Italiens eingeschränkt und unterstütze betroffene Standorte, etwa mit der Lieferung von geeigneter persönlicher Schutzausrüstung für die Mitarbeiter, heißt es. Stand jetzt seien in der Continental-Belegschaft konzernübergreifend keine Fälle von Corona-Erkrankungen bekannt.

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Sorge um die Lieferfähigkeit

Der Konzern prüfe außerdem fortlaufend seine Lieferfähigkeit und stehe in engem Austausch mit Zulieferern und Kunden, um potenzielle Einschränkungen der Lieferkette so gering wie möglich zu halten. Von eventuell auftretenden Liefer- oder Produktionsschwierigkeiten wäre der Standort Markdorf aber voraussichtlich nicht betroffen, so die Sprecherin, da Conti Temic kein Produktions-, sondern ein reiner Entwicklungsstandort sei.

Die J. Wagner GmbH ist mit rund 400 Mitarbeitern nach der Weber Automotive GmbH der zweitgrößte Arbeitgeber in Markdorf.
Die J. Wagner GmbH ist mit rund 400 Mitarbeitern nach der Weber Automotive GmbH der zweitgrößte Arbeitgeber in Markdorf. | Bild: Michael Geyer

J. Wagner: Infos für die Mitarbeiter

Dienstreisen in Risikogebiete sind auch bei der J. Wagner GmbH, dem Kernunternehmen der Wagner Group und Markdorfs größtem Arbeitgeber, bereits seit Ende Februar hausintern untersagt (wir berichteten gestern). Die Belegschaft werde fortlaufend und ausführlich über die aktuelle Entwicklung informiert, sagt Sprecherin Tanja-Christina Musik. Für die Mitarbeiter gebe es eine Liste der Personalabteilung mit Handreichungen über das richtige Verhalten und mit den wichtigsten Antworten zu Fragen rund um das Virus SARS-CoV-2, den Corona-Erreger.