Um 15 Uhr beginnt die Sammelaktion vor dem alten Raiffeisengebäude. Wenige Minuten später fährt schon der erste Wagen nach Markdorf, beladen mit Kisten voller Decken, Nudeln und Medikamenten. Ununterbrochen bringen Menschen Kartons und Taschen mit Hilfsgütern für die Ukraine. Die zahlreichen Helfer kommen kaum hinterher. „Vielen Dank, stellen Sie das einfach hier ab“, sagt Organisatorin Emma Henne zu einer Spenderin und schleppt dabei einen Karton zum nächsten wartenden Auto.

Immenstaader unterstützen Hilfsaktion von Rainer Zanker und Mariya Babina

Vor wenigen Tagen sei die Idee für „Immenstaad sammelt“ entstanden, erzählt Emma Henne: „Seit dem 24. Februar habe ich immer gesagt, wir müssen etwas machen, um zu helfen.“ Sie sei auf die Hilfsaktion der Markdorfer Rainer Zanker und Mariya Babina aufmerksam geworden. Die beiden organisieren über eine ukrainische Spedition Hilfstransporte nach Kiew.

Emma Henne, Lehrerin an der Bodensee-Schule und Frau des Bürgermeisters, ist eine der Organisatorinnen.
Emma Henne, Lehrerin an der Bodensee-Schule und Frau des Bürgermeisters, ist eine der Organisatorinnen. | Bild: Corinna Raupach

Mit Gemeinderätin Lisa Müller habe sie entschieden, diese zu unterstützen. „Die wissen, was gebraucht wird“, erklärt Müller. Über die Webseite der Gemeinde Immenstaad und über soziale Medien gewannen sie weitere Ehrenamtliche und veröffentlichten den Termin für die Sammelaktion. „Die Hilfsbereitschaft ist enorm, es ist unglaublich, was hier los ist“, sagt Henne.

Auch Gemeinderätin Lisa Müller hilft und organisiert mit.
Auch Gemeinderätin Lisa Müller hilft und organisiert mit. | Bild: Corinna Raupach

Lisa Müller holt drei Schlafsäcke aus einem Karton. „Die sind ganz neu, die hat jemand extra gekauft“, sagt sie. Schlafsäcke bringt auch Christiane von Rauchhaupt: „Mein Mann und ich zelten nicht mehr und dort kann sie vielleicht jemand brauchen.“

Christiane von Rauchhaupt übergibt Schlafsäcke an Emma Henne.
Christiane von Rauchhaupt übergibt Schlafsäcke an Emma Henne. | Bild: Corinna Raupach

Benjamin Bosch hat seinen Sohn an der Hand und große Packungen Windeln auf dem Arm. „Wir wissen selbst, wie schnell Windeln Mangelware werden. Die Kleinsten leiden immer am stärksten, egal wo“, sagt er. Der siebenjährige Maximilian hat Bilder von Kindern gesehen, denen es nicht gut geht. Er bringt seine Sandförmchen: „Vielleicht wollen die Kinder damit spielen, es ist gut für Kinder, wenn sie Spielzeug haben.“

„Irgendetwas muss man in dieser Situation tun“

Statt einer Sachspende steckt Inge Wagenmann einen Schein in den mit einem blau-gelben Herzen versehenen Karton für Geldspenden. „Die Tatsache, dass es Krieg ganz in unsere Nähe gibt, erschüttert mich“, sagt sie. „Irgendetwas muss man ja in dieser Situation tun, man kann nicht nur Däumchen drehen.“ Bis zum Abend kommen 3270 Euro in dem Karton zusammen.

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Auch Firmen beteiligen sich an der Sammelaktion: Supermärkte haben palettenweise Lebensmittel abgegeben, Handwerker stellen Transportfahrzeuge zur Verfügung. Zwei junge Frauen bringen fertig gepackte und beschriftete Kartons. „Wurst-/Fischkonserven“, „Decken“ oder „Jacken Damen“ steht darauf. „Das kommt von der Firma Dauwalter. Die Mitarbeiter haben gesammelt und wir haben heute noch eingekauft“, sagt Vera Pfeifer. Ihre Kollegin Yvonne Kraus ergänzt: „Die Bilder von dort sind schrecklich und uns geht es so gut.“

Am alten Raiffeisengebäude sammeln Ehrenamtliche Sach- und Geldspenden für die Ukraine.
Am alten Raiffeisengebäude sammeln Ehrenamtliche Sach- und Geldspenden für die Ukraine. | Bild: Corinna Raupach

Zahlreiche Freiwillige sortieren die eingehenden Spenden, packen sie in Kartons und beschriften sie: Konserven, Tee, Hygieneartikel, Kerzen. „In Markdorf kommen dreisprachige Aufkleber drauf, in Deutsch, Ukrainisch und Russisch“, sagt Emma Henne. Im Kleinbus des Bauhofs steht Bernd Hummernbrum, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Immenstaad, und stapelt Kiste auf Kiste. „Im Sport kommen Menschen aller Nationalitäten gut miteinander aus. Ich frage mich, warum können die anderen das nicht auch“, sagt er. Jürgen Schindler lädt Kartons in einen Transporter: „Ich will meinen kleinen Teil beitragen, um zu helfen.“

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Von Mitarbeit bis Wohnraum: Hilfe wird auch in den kommenden Wochen gefragt sein

Emma Henne und Lisa Müller rechnen damit, dass in den kommenden Wochen weitere Hilfe von Ehrenamtlichen gebraucht wird, auch vor Ort. Am Nachmittag werden sie immer wieder angesprochen: „Wie kann ich helfen, ich spreche russisch“, fragt eine blonde Frau. Ein junger Mann sagt, er könne sich vorstellen, privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Eine Helferin schlägt vor, eine Kleiderkammer einzurichten mit Spenden, die jetzt nicht gebraucht werden. Henne verweist auf die neu eingerichtete E-Mail-Adresse der Gemeinde. Unter ukrainehilfe@immenstaad.de werden Angebote für Wohnraum, Dolmetschen, Sachspenden oder ehrenamtliche Mitarbeit gesammelt.