Was macht eigentlich ein Bademeister? An einem Montagmittag führt mich diese Frage ins Aquastaad. Kurz nach 12 Uhr werde ich von Ralf Kaiser bereits im Eingangsbereich erwartet. Seit zehn Jahren ist der 45-Jährige im Immenstaader Familienbad als Bademeister angestellt – wobei Kaiser diesen Begriff nicht unbedingt passend findet. "Im Volksmund wird mein Beruf so genannt", weiß er. "Mir aber ist die Bezeichnung Schwimmmeister lieber." Offiziell heißt sein Beruf seit einiger Zeit "Fachangestellter für Bäderbetriebe".

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Nun aber genug Theorie, ich möchte schließlich einen Einblick in den praktischen Alltag eines Fachangestellten für Bäderbetriebe bekommen. Nachdem ich in meine Badehose geschlüpft bin, lerne ich den 18-jährigen Stefan Schweinbenz kennen. Er macht im Aquastaad seine Ausbildung. "Es gibt auf jeden Fall einen Fachkräftemangel. Als ich mich dafür entschieden habe, waren meine Freunde erstaunt. Sie wussten gar nicht, dass es eine Ausbildung dafür gibt", berichtet er.

Stefan Schweinbenz (links) ist 18 Jahre alt und macht im Aquastaad eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Ralf Kaiser (rechts) ist sein Chef.
Stefan Schweinbenz (links) ist 18 Jahre alt und macht im Aquastaad eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Ralf Kaiser (rechts) ist sein Chef. | Bild: Singler, Julian

Arbeitsbeginn vor Badebetrieb

Ralf Kaiser erklärt, dass er in der Regel eineinhalb bis zwei Stunden vor der Öffnung ins Aquastaad kommt. Bevor die Gäste das kühle Nass genießen können, sind noch einige Dinge zu erledigen. So werden beispielsweise täglich Werte wie der Strom- und Wasserverbrauch abgelesen. Während der Betriebsleiter des Bades von seinem Tagesablauf erzählt, desinfiziert Azubi Stefan Schweinbenz die Liegestühle und den Boden. Zuvor hat ein automatisches Bodensauggerät – wie in jeder Nacht – die Bodenflächen gereinigt und dabei zum Beispiel Haare entfernt. "Wichtig ist, immer mit offenen Augen durch das Bad zu gehen", sagt Ralf Kaiser.

Hygiene in einem Schwimmbad ist wichtig. Stefan Schweinbenz räumt das Bodensauggerät auf, das die Gehflächen im Aquastaad jede Nacht von Haaren und Schmutz befreit.
Hygiene in einem Schwimmbad ist wichtig. Stefan Schweinbenz räumt das Bodensauggerät auf, das die Gehflächen im Aquastaad jede Nacht von Haaren und Schmutz befreit. | Bild: Singler, Julian

Dass ein Bademeister auch technische und chemische Kenntnisse haben muss, zeigt ein Abstecher zu einer Anlage für die sogenannte Filterrückspülung. "Hier müssen wir immer wieder Kontrollmessungen vornehmen und sicherstellen, dass die Wasserqualität oben gehalten wird", erklärt Kaiser. Das Wasser, das letztendlich in den Becken landet, hat ein Chlorgehalt von 0,3 bis 0,6 Milligramm pro Liter. "Mit dem Chlor werden Bakterien und Keime abgehalten, die nicht von Filteranlagen aus dem Wasser entfernt werden können. Durch die Filterrückspülung wird das Wasser also gereinigt", sagt der 45-Jährige. Für jedes Becken habe das Aquastaad eine eigene Anlage.

Ralf Kaiser überprüft eine Filterrückspülungsanlage. Für Arbeitsabläufe wie diesen muss der 45-Jährige sowohl über technisches, als auch chemisches Wissen verfügen. Das zeigt, wie vielseitig sein Berufsfeld ist.
Ralf Kaiser überprüft eine Filterrückspülungsanlage. Für Arbeitsabläufe wie diesen muss der 45-Jährige sowohl über technisches, als auch chemisches Wissen verfügen. Das zeigt, wie vielseitig sein Berufsfeld ist. | Bild: Singler, Julian

Aufgaben sind vielfältig

Besonders beeindruckend ist der Gang, der unter den Schwimmbecken entlang führt. "Kopf einziehen", ruft Ralf Kaiser beim Herabsteigen der Treppen. Hier ist die ganze Technik verbaut, mit der die Feinheiten des jeweiligen Schwimmbeckens eingestellt werden. Der Rundgang durch das Bad zeigt, wie vielseitig die Arbeit als Bademeister ist. Ralf Kaiser: "Das ist das Schöne. Man ist gleichzeitig Lebensretter, Seelsorger, Hausmeister, Chemiker und Techniker. Außerdem müssen wir über Themen wie Recht, Verwaltung, Haftung, Anatomie und erste Hilfe Bescheid wissen."

Blick in den unterirdischen Bereich des Aquastaads. An dieser Stelle ist ziemlich genau unter dem kleinen Kinderbecken die Technik dafür verbaut.
Blick in den unterirdischen Bereich des Aquastaads. An dieser Stelle ist ziemlich genau unter dem kleinen Kinderbecken die Technik dafür verbaut. | Bild: Singler, Julian

Wenn, wie an diesem Montag gegen 14 Uhr, die ersten Gäste ins Aquastaad kommen, beginnt für Ralf Kaiser und seinen Azubi Stefan Schweinbenz die "stupideste, aber dennoch wichtigste Arbeit", so der Betriebsleiter: Die Männer schauen den Gästen beim Schwimmen zu. "Man muss die Konzentration immer hochhalten und im Ernstfall einschreiten können", erklärt Kaiser.

Falls ich selbst einmal Zeuge einer Notsituation werde, weiß ich seit meinem Besuch, was zu tun ist. Gemeinsam mit Stefan Schweinbenz, der gelernter Rettungsschwimmer ist, spiele ich kurz vor der Öffnung des Bades ein Szenario durch, bei dem ich aus dem Wasser gerettet werden muss. "Wichtig ist, dass derjenige, der in Not ist, immer von hinten angeschwommen wird", erklärt Ralf Kaiser vom Beckenrand aus. Mit bestimmten Grifftechniken wird der zu Rettende auf dem schnellsten Weg "an Land" gebracht. Hier werden seine Vitalfunktionen, also lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung und Herzschlag, geprüft.

SÜDKURIER-Volontär Julian Singler wird von Azubi Stefan Schweinbenz (weißes Shirt) aus dem Wasser "gerettet".
SÜDKURIER-Volontär Julian Singler wird von Azubi Stefan Schweinbenz (weißes Shirt) aus dem Wasser "gerettet". | Bild: Kaiser, Ralf

Es kann um Menschenleben gehen

Bevor ich das Aquastaad verlasse und mein Schnupperpraktikum beendet ist, erklärt Ralf Kaiser noch einiges über Anforderungen in seinem Beruf. "Man muss bereit dazu sein, wochenends zu arbeiten. Außerdem muss ein Bademeister Pflichtbewusstsein besitzen, schließlich kann es um Menschenleben gehen und man hat die Verantwortung für zig Badegäste."

Wie so viele Schwimmbäder sucht auch das Aquastaad in Immenstaad händeringend nach Personal. "Demnächst scheidet mein Stellvertreter aus und wir haben ab Mai zweieinhalb offene Stellen", sagt Ralf Kaiser auf dem Weg zu den Parkplätzen. "Ich denke, dass der Mix aus Arbeitszeit und Vergütung am Fachkräftemangel Schuld ist. Für die Verantwortung, die wir haben, sollte der Beruf besser honoriert werden", meint er. Weil es zukünftig wohl immer weniger Auszubildende geben wird, müssten seiner Meinung nach Alternativen gefunden werden. Eine könne über Quereinsteiger wie Rettungsschwimmer führen.

Voller Eindrücke – vor allem aber mit dem Wissen, dass ein Bademeister eigentlich "Fachangestellter für Bäderbetriebe" ist – fahre ich mit dem Auto zurück in die Redaktion.