Die Hauptübung der Hagnauer Feuerwehr fand dieses Mal an einem in mehrfacher Hinsicht besonderen Ort statt: Die Halle des Gwandhauses wird nicht nur häufig für Großveranstaltungen genutzt und ist deshalb ein lohnendes Übungsobjekt, sondern das Gebäude liegt auch in unmittelbarer Nachbarschaft der Feuerwehr. Um eine halbwegs „normale“ Anfahrt zu haben, drehte das Einsatzfahrzeug deshalb zuerst eine „Ehrenrunde“ durchs Dorf, ehe es mit Martinshorn und Blaulicht am Einsatzort eintraf.

Annahme: Dekorationsmaterial in Brand geraten

Die Ausgangslage stellte sich so dar: Bei Aufbauarbeiten für eine größere Veranstaltung am Abend hat sich in Kisten gelagertes Dekorationsmaterial entzündet und die Halle stark verraucht. Einige Personen konnten sich selbst retten. Wie viele noch in der Halle sind, ist unklar.

Das große Löschfahrzeug HLF ist zuerst vor Ort und soll den Eingangsbereich zur Halle des Gwandhauses löschen. Laut Übungsszenario hat sich Dekorationsmaterial entzündet.
Das große Löschfahrzeug HLF ist zuerst vor Ort und soll den Eingangsbereich zur Halle des Gwandhauses löschen. Laut Übungsszenario hat sich Dekorationsmaterial entzündet. | Bild: Uwe Petersen

Da der Brand laut Übungsannahme im Bereich der Rettungstreppe im Süden liegt, können mögliche Opfer erst sicher gerettet werden, nachdem das Feuer gelöscht ist. Mehrere Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten gehen den Angriff über die Nottreppe im Süden an. Ein Gerät zum Absaugen des Rauches soll die Situation schnell verbessern.

Während ein Teil der Feuerwehrleute die Schläuche auslegt, haben andere bereits ihre Atemschutzgeräte angelegt.
Während ein Teil der Feuerwehrleute die Schläuche auslegt, haben andere bereits ihre Atemschutzgeräte angelegt. | Bild: Uwe Petersen
Vorsichtig geht der erste „Retter“ über die südliche Feuertreppe in die verrauchte Halle.
Vorsichtig geht der erste „Retter“ über die südliche Feuertreppe in die verrauchte Halle. | Bild: Uwe Petersen

Parallel dazu versucht die aus Meersburg gekommene Besatzung der Drehleiter, Personen durch ein Hallenfenster zu retten. Anschließend wird auch die Drehleiter zu Löscharbeiten eingesetzt. Dazu wird der nahe Bodensee als Wasserspeicher genutzt.

Mit einem Schlauch wird Seewasser aus dem Osthafen zur Drehleiter aus Meersburg gepumpt.
Mit einem Schlauch wird Seewasser aus dem Osthafen zur Drehleiter aus Meersburg gepumpt. | Bild: Uwe Petersen

Mit einer Pumpe wird Wasser aus dem Osthafen bis zum kleinen Einsatzfahrzeug LF 8 gefördert, das zwischen Rathaus und Gwandhaus postiert ist. Dieses pumpt das Wasser weiter bis zur Drehleiter, von der dann die Halle von oben her besprüht wird.

Das alte Löschfahrzeug LF8 versorgt die Meersburger Drehleiter bei der Übung mit dem Wasser aus dem Bodensee.
Das alte Löschfahrzeug LF8 versorgt die Meersburger Drehleiter bei der Übung mit dem Wasser aus dem Bodensee. | Bild: Uwe Petersen
Die Drehleiter aus Meersburg wird sowohl zur Personenrettung als auch zum Löschen eingesetzt.
Die Drehleiter aus Meersburg wird sowohl zur Personenrettung als auch zum Löschen eingesetzt. | Bild: Uwe Petersen
Hoch über dem Dach des Gwandhauses verschafft sich der „Mann auf der Leiter“ erst einmal einen Überblick, ehe er mit Löschen beginnt.
Hoch über dem Dach des Gwandhauses verschafft sich der „Mann auf der Leiter“ erst einmal einen Überblick, ehe er mit Löschen beginnt. | Bild: Uwe Petersen
Diesmal ist es vor allem ein Spektakel für die Zuschauer. Im Ernstfall würde über das Dach nur gelöscht, wenn es bereits offen ist.
Diesmal ist es vor allem ein Spektakel für die Zuschauer. Im Ernstfall würde über das Dach nur gelöscht, wenn es bereits offen ist. | Bild: Uwe Petersen

Die drei geretteten Personen werden mittlerweile von den Einsatzgruppen des Roten Kreuzes betreut, die ebenfalls aus Meersburg gekommen sind. Nach gut einer Stunde ist der Einsatz beendet, alle Personen gerettet, der Brand gelöscht.

Kommandant kann auf 15 Aktive zurückgreifen

Entsprechend positiv fiel die Nachbesprechung aus, die ohne Brandmeister vom Kreis auskommen musste, da zur gleichen Zeit Übungen in anderen Gemeinden stattfanden. Kommandant Paul Böttcher, der den Einsatz leitete, konnte auf 15 Aktive aus Hagnau zurückgreifen. Er schilderte noch einmal kurz das Szenario und bat seinen Kollegen Rudi Koslowski aus Uhldingen-Mühlhofen, seine Eindrücke wiederzugeben.

Kamerad: „Von der Taktik und dem Aufbau her hat das gepasst“

Der zeigte sich beeindruckt. „Von der Taktik und dem Aufbau her hat das gepasst. Die Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz hat wunderbar geklappt. Paul war sehr ruhig und souverän: Davon können wir noch lernen. Macht so weiter, ich bin begeistert.“ Auch Andre Maier vom Roten Kreuz lobte die gute Zusammenarbeit. „Für uns war sehr gewinnbringend, dass es ein kleineres Szenario war, so wie die meisten realen Einsätze sind.“

Bürgermeister hat Sorge um Mannschaftsstärke

Bürgermeister Volker Frede lobte den Einsatz, blickte aber voller Sorge auf die Mannschaftsstärke: „Ich hoffe, dass unsere Werbeaktionen klarmachen, wie wichtig es ist, eine Feuerwehr zu haben, und wie selbstverständlich es scheint, wenn man den Notruf betätigt und dann die Feuerwehr kommt.“

Aufstellung: Wichtig für den Einsatzleiter, um die Mannschaftsstärke festzustellen.
Aufstellung: Wichtig für den Einsatzleiter, um die Mannschaftsstärke festzustellen. | Bild: Uwe Petersen

Aktionen gegen Personalnot bei der Hagnauer Feuerwehr

Wie fast alle Feuerwehren im Bodenseekreis hat auch Hagnaus Feuerwehr Personalnot. Immer mehr Aktive scheiden aus Altersgründen aus und wechseln in die Altenwehr. Es fehlt an Nachwuchs, sowohl bei den Erwachsenen als auch bei der Jugendfeuerwehr, die vor Jahren einmal stark war, aber inzwischen nahezu inexistent ist. Nach vielen erfolglosen Versuchen in der Vergangenheit gehen Feuerwehr und Gemeinde jetzt in einer gemeinsamen Aktion auf die Suche nach Aktiven. Ein erster Schritt war eine Briefaktion: 500 Hagnauer Bürgerinnen, Bürger und Kinder im feuerwehrgeeigneten Alter wurden angeschrieben und auf die Situation aufmerksam gemacht. Der Erfolg zeigte sich zumindest bei der Übung noch nicht: Es waren ungefähr so viele Zuschauer da wie sonst auch. Und die Erfahrungen aus Uhldingen-Mühlhofen machen wenig Mut: Auf über 1700 Briefe meldete sich dort genau einer. In einem zweiten Schritt wollen Ende Juni Kleingruppen aus Feuerwehrleuten und Gemeinderäten in Hagnau von Tür zu Tür gehen und ganz persönlich für eine aktive Mithilfe werben. Eine nicht funktionierende Feuerwehr macht nicht nur aus jedem Brandfall eine Katastrophe, sondern sie fehlt auch bei Hochwasser, bei Verkehrsunfällen und vielen weiteren Gefahren. Im Idealfall finden sich einige Erwachsene und eine Gruppe von Jugendlichen. Darauf hoffen Feuerwehr und Gemeinde.