Noch immer ist es ruhig in der Stadt. Ginge nicht gerade der Wochenmarkt zu Ende, wäre es an diesem Freitagmittag wohl noch viel ruhiger. Hinter manchem der Schaufenster, hinter denen es Mitte März dunkel geworden war, ist aber wieder Leben auszumachen. Bei Leder Meid etwa. Die Geschäftsinhaber Marita und Matthias Witan bestücken Auslagen neu. „Der Onlineshop hat uns sozusagen nicht ganz verschwinden lassen“, sagt Marita Witan. Auch Instagram sei ein wichtiger Kanal. Nun freue sie sich aber, wieder zu öffnen. Welche Vorgaben genau dann eingehalten werden müssen? Am Freitagmittag ist das noch offen.

Checkliste für Geschäfte soll am Wochenende vorliegen

„Das Wirtschaftsministerium des Landes hat angekündigt, bis zum Wochenende hierfür eine Checkliste für die Geschäfte zu erstellen“, teilte Thomas Goldschmidt bereits am Donnerstagabend auf SÜDKURIER-Anfrage mit. Stellenweise, so vermutet der Stadtmarketingchef, dürfte es zu kurzfristig für eine Öffnung direkt am Montag sein. „Wir sind wieder für Sie da“, soll jedenfalls auf Plakaten zu lesen sein, die das Stadtmarketing verteilen will. An welchen Geschäften sie hängen werden, soll ab Montag auf der Webseite des Stadtforums unter www.stadtforum-friedrichshafen.de ersichtlich sein. „Wir gehen davon aus, dass von den Geschäften mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche im Laufe der Woche alle aufmachen, denen es möglich ist, die dann geforderten Hygiene-Vorschriften umzusetzen“, sagt Thomas Goldschmidt.

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Zuspruch von Kunden tut Händlern gut

Nun ist es natürlich nicht grundsätzlich so, dass die Geschäfte zuletzt nicht für ihre Kunden dagewesen wären. Aber: „Auch wenn viele mit großem Engagement und Leidenschaft schnell zum Beispiel Lieferdienste eingerichtet haben: Das kompensiert nur zu einem kleinen Teil die Umsatzverluste“, sagt Thomas Goldschmidt. „Wer die niedrigen Margen im Handel kennt, der weiß, wie schwer es ist das aufzufangen. Und die Gastronomie hat es noch härter getroffen.“ Dass umgekehrt aber auch Kunden für Händler und Gastronomen da sein wollen, zeigt sich schon allein am Interesse, das die Aktivitäten Letzterer im Internet erfahren. „Die vielen Mut machenden Kommentare vonseiten der Kunden haben den Händlern gutgetan“, meint Goldschmidt. Auch die Aktivitäten des Stadtmarketings, virtuelle Schaufensterbummel auf Instagram etwa, hätten große Resonanz erfahren. Einen guten Start habe auch ein Gutscheinportal (www.gutscheine-fn.de) hingelegt.

Infotelefon, Beschluss und Übersicht

Über viel Zuspruch freute sich auch Brigitte Neidhardt. Ihren Teeladen durfte sie mit Einschränkungen schon früh wieder öffnen. „Aber in der Stadt ist ja nichts mehr los“, beschreibt sie. Wenige Schritte weiter sind bei „Louise“ Sandra Weiss und Mitarbeiterin Jutta Mainer bei den Vorbereitungen für die Wiederöffnung. Unter anderem Spuckschutz und Desinfektionsmittel hat Sandra Weiss vorsorglich organisiert. Welche Vorkehrungen sie noch treffen muss, um ihre beiden Läden wieder öffnen zu dürfen? „So schnell, wie geschlossen werden musste, vergeht jetzt die Zeit, bis wieder geöffnet werden darf“, sagt sie achselzuckend. Auch sie wartet noch auf die Checkliste. Die vergangenen Wochen seien wirtschaftlich gesehen schwierig gewesen, hätten aber auch ein wenig Entschleunigung mit sich gebracht. Die Überschneidungen zwischen Instagram-Nutzern und ihrer Kundschaft halten sich nach Einschätzung von Sandra Weiss in Grenzen. Dennoch: „Die Stammkunden sind uns treu geblieben, wir haben in den vergangenen Wochen vieles verschickt.“

Sandra Weiss (links) und Jutta Mainer freuen sich, „Louise“-Kunden bald wieder vor Ort begrüßen zu können.
Sandra Weiss (links) und Jutta Mainer freuen sich, „Louise“-Kunden bald wieder vor Ort begrüßen zu können. | Bild: Bömelburg, Christina

„Wir wissen noch nicht, was am Montag auf uns zukommt“

Marc Theurich und seine Familie durften ihr Geschäft in Meersburg mit Einschränkungen öffnen, kommende Woche sollen auch die Ladentüren Friedrichshafen und Immenstaad offen stehen. Lediglich die kleine Filiale in der Meersburger Steigstraße bleibe geschlossen. Während der Wochen der Schließung setzten Theurichs auf einen Online-Shop, angesichts des umfangreichen Sortiments letztlich aber vor allem auf Instagram, sagt Marc Theurich und ergänzt: „Da muss ich meiner Frau ein Riesenkompliment machen.“ Es sei beeindruckend, was über diesen Kanal an Resonanz – und auch Bestellungen – kam. Der Umsatz habe sie letztlich „über Wasser gehalten“, mit drei über die Osterzeit geöffneten Geschäften sei er aber nicht vergleichbar. „Wir wissen noch nicht, was am Montag auf uns zukommt“, sagt Marc Theurich. Werden viele Kunden kommen? Die Mitarbeiter, für die Kurzarbeit angemeldet worden war, sollen jedenfalls alle wieder eingesetzt werden.

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Wie Häfler Händler und Gastronomen bislang durch die Krise kommen? „Für Friedrichshafen besonders gravierend ist, dass nach den immer schwachen Wintermonaten nun wieder die Saison mit den höheren Frequenzen losgegangen wäre“, beschreibt Goldschmidt. „Einige Geschäfte haben in den Wochen vor dem Shutdown noch kräftig investiert und standen kurz vor Wiedereröffnung oder Eröffnung. Das fest eingeplante Geld zur Refinanzierung dieser Maßnahmen fehlt nun.“ Ob die Krise letztlich zu dauerhaften Schließungen führen wird, lasse sich aktuell noch nicht sagen.

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