Im September 2020 hatte der Vorschlag der Verwaltung, auf dem Adenauerplatz ein kleines Wäldchen zu pflanzen, noch für Entrüstungsstürme gesorgt. Nun aber haben die Fraktionen eine leicht abgespeckte Variante durchgewunken – der Begrünung der eher tristen Betonwüste steht also nicht mehr viel im Wege.

In nicht-öffentlicher Sitzung hatten sich die Gemeinderäte bereits vor einigen Wochen für die Variante „Hain“ entschieden. Warum das Thema, das die breite Öffentlichkeit interessiert, erst jetzt öffentlich debattiert wurde, blieb in der Gemeinderatssitzung am Montag unbeantwortet.

Für Debatten hatte in der Vergangenheit die Tatsache gesorgt, dass bei den im September vorgestellten Entwürfen die Marktstände von Freitags- und Schlemmermarkt hätten weichen müssen, was alle Parteien bis auf die SPD strikt ablehnten.

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24 Bäume sollen gepflanzt werden

Nun, fünf Monate später, präsentierte die Verwaltung neue Entwürfe des Planungsbüros K1 aus Berlin. Nach diesen Plänen soll es in der Mitte des Platzes eine zentrale grüne Insel mit Baumpflanzungen geben, die ein Schattendach über der Platzfläche bilden. In diesem Bereich soll es auch Sitzgelegenheiten geben. Entlang der Nikolauskirche sollen Staudenbeete zur Begrünung beitragen. Auch ein so genannter „Verdunstungsgarten“ ist geplant, um gerade im Hochsommer die Hitze auf dem Platz zu mindern. Insgesamt sollen 24 Bäume gepflanzt werden.

Die abgespeckte Variante „Hain“ fand nun den Gefallen der Gemeinderäte.
Die abgespeckte Variante „Hain“ fand nun den Gefallen der Gemeinderäte. | Bild: K1 Landschaftsarchitekten

Freitags- und Schlemmermarkt können bleiben

Die Marktstände können bis auf wenige Ausnahmen um den Hain herum platziert werden, auch wenn die Verwaltung die bisher angestammten Plätze nicht garantieren kann. Wie Baubürgermeister Stefan Köhler erläuterte, werden wohl „drei bis maximal fünf Stände außerhalb des Marktgeländes platziert werden müssen“. Insgesamt soll die begrünte Fläche dann 450 Quadratmeter betragen.

So könnte der Adenauerplatz nach der Begrünung aussehen.
So könnte der Adenauerplatz nach der Begrünung aussehen. | Bild: Hertha

Stadt hofft auf finanzielle Förderung aus Berlin

Die Verwaltung schätzt die Kosten der Umgestaltung auf 789 000 Euro. Wie Stefan Köhler erläuterte, ist eine Bundesförderung in Höhe von 90 Prozent der Kosten, also bis zu 657 000 Euro möglich. Denn der Bund hat ein Sonderprogramm zur klimaangepassten Stadtentwicklung aufgelegt. „Wir haben diese Variante bereits eingereicht, weil sie die einzige war, die den Förderkriterien entsprach“, erläuterte Köhler. Erfreulicherweise sei das Projekt bereits in die engere Auswahl aufgenommen worden. „Ob wir diese Förderung bekommen, kann ich natürlich nicht garantieren“, sagte Köhler weiter. Sollte der Antrag aber erfolgreich sein, müsste die Stadt für die Begrünung nur noch 132 000 Euro an Eigenmitteln aufbringen.

FDP stellt einen alternativen Antrag

Genau diese Vorgehensweise kritisierte FDP-Fraktionsvorsitzende Gaby Lamparsky. „Für mich ist das ein bisschen so, als kauften wir die Katze im Sack. Weil der Förderantrag bereits gestellt ist, wird der Gemeinderat von der Verwaltung klar in eine Richtung gedrängt.“ Daher stellte die FDP den Antrag, auf die Grünflachen vor der Nikolauskirche zu verzichten, um Aufstell- und Rangierflächen für Märkte und Veranstaltungen zu gewinnen. Am Ende jedoch stimmte der Gemeinderat einstimmig für die neuen Pläne – der FDP-Vorschlag fand keine Mehrheit.

So sieht der Adenauerplatz heute aus, nur an Markttagen wird der Platz wirklich genutzt.
So sieht der Adenauerplatz heute aus, nur an Markttagen wird der Platz wirklich genutzt. | Bild: Mommsen, Kerstin

Fraktionen zeigen sich mit neuem Vorschlag durchweg zufrieden

Daniel Oberschelp (CDU) dankte der Verwaltung und forderte, nun schnell mit der Umsetzung zu beginnen. Regine Ankermann (Grüne), die die alte Variante noch vehement abgelehnt hatte, zeigte sich ebenfalls zufrieden. Sie schlug aber vor, die neue Verteilung der Marktstände „sensibel“ anzugehen. „Es wäre wichtig, wenn das Augenmerk auf den kleineren Ständen liegen würde. Die großen bekommen ihre Kundschaft, egal wo sie stehen“, sagte Ankermann.

SPD-Mann Heinz Tautkus beurteilte den neuen Vorschlag als „super“: „Damit können wir endlich den Hinterhofcharakter dieses Platzes auflösen, gestalterisch ist das ein echter Gewinn.“ Auch Jochen Meschenmoser (Freie Wähler) zeigte sich überzeugt. „Das ist ein kleiner Baustein auf dem Weg zur Klimastadt.“

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Adenauerplatz bekommt seine wohlverdiente Aufwertung

Für das Netzwerk sprach Jürgen Holeska, der von einem „guten Ende der Geschichte“ sprach. Alle Interessen seien nun unter einen Hut gebracht worden. Er kritisierte lediglich, dass es fünfzehn Monate gebraucht habe, bis der ursprüngliche Netzwerk-Antrag umgesetzt worden sei. Dass aber auch seine eigene Fraktion im September den Entwurf der Verwaltung abgelehnt hatte, sprach er nicht an. Marion Morcher (ÖDP) merkte an, dass für den Schutz der Bäume und deren Wurzeln gesorgt werden müsse.

Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die Fördergelder aus Berlin tatsächlich fließen. Vielleicht können die Häfler dann schon im Sommer 2022 ihre Mittagspausen unter Schatten spendenden Bäumen auf einem Platz verbringen, der nun endlich seine wohlverdiente Aufwertung bekommt.