320 Mitarbeiter der Alugussfirma MWS müssen weiter um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Gespräche zwischen dem Management des insolventen Unternehmens, Vertretern des Betriebsrats und der Gewerkschaft IG Metall haben am Freitag nicht den entscheidenden Durchbruch gebracht. Dabei fehlt nicht viel: Nur die Unterschrift der Arbeitgeberseite. Das Kompromisspapier sieht vor, dass 250 der etwa 320 Arbeitsplätze erhalten bleiben könnten, ebenso die 15 Plätze der Auszubildenden. 40 Mitarbeiter würden ihren Job verlieren und in eine Transfergesellschaft überführt, die ihnen für sechs Monate 90 Prozent ihres Nettoverdiensts zahlt. Diese Eckpunkte nannte Enzo Savarino, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, am Abend, nach dem Ende der Mammutsitzung um 18.30 Uhr gegenüber dem SÜDKURIER. Seinen Angaben zufolge würden Betriebsrat und Gewerkschaft diesen Weg mitgehen, doch das MWS-Management zögert. "Die Arbeitgeberseite wollte sich nicht rechtsverbindlich festlegen, der Vorschlag ist noch nicht rechtswirksam", sagte Savarino. Man sei am Abend auseinandergegangen, ohne einen weiteren konkreten Gesprächstermin zu vereinbaren. "Es liegt jetzt am Management", so Savarino. "Wir sind ziemlich sauer." Umso bitterer sei der Umstand, dass der Häfler Gussbetrieb einer der modernsten Europas ist, "MWS ist technologisch auf dem neuesten Stand", so Savarino.

Dass sich die Verhandlungen schwierig gestalten und immer wieder stocken, deutete sich im Tagesverlauf an. Ab 9 Uhr tagte die Krisenrunde bei MWS in der Colsmanstraße. Betriebsratsvorsitzende Gabriele Süss-Köstler bangte in einer Verhandlungspause am Mittag deutlich um den Konsens. "Es hängt noch an einem großen Punkt", sagte sie in einem Telefonat mit dem SÜDKURIER. Man müsse sich heute einigen, "sonst haben wir ein Problem". Was dieses Problem sein könnte, äußerte sie nur zögerlich auf Nachfrage: "Dann droht die Regelinsolvenz", ein von außen gesteuertes Verfahren also, das für die Beschäftigten deutlich herbere Einschnitte bedeutet, in der Regel den Jobverlust für alle. Am Abend waren Süss-Köstler und das MWS-Management nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens hatte die MWS-Gruppe, die ihre Zentrale in Österreich hat, Ende November 2016 für die MWS Friedrichshafen GmbH ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. "Die Geschäftsführung wird weiterarbeiten, unterstützt von einem Sachverwalter, Arndt Geiwitz von der Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner, sowie den renommierten Restrukturierungsexperten der Kanzlei Grub Brugger, Stuttgart", hieß es damals in der Presseerklärung von MWS.

Verlauf der Insolvenz

Schon im August 2016 teilte das Häfler MWS-Werk mit, dass es mit Umsatzeinbrüchen in Höhe von etwa 20 Prozent für das damals laufende Geschäftsjahr rechnet. Zudem war klar, dass 2021 ein Großauftrag ausläuft. Darauf wurde unter anderem mit Arbeitszeitkürzungen reagiert. Ende November des vergangenen Jahres beantragte die österreichische Firma MWS beim Amtsgericht Ravensburg dennoch ein Insolvenzverfahren für ihre zwei deutschen Werke in Garching und Friedrichshafen. Die Insolvenz wurde als sogenanntes Schutzschirmverfahren abgewickelt, also ohne Insolvenzverwalter, die Geschäftsführung arbeitete weiter. Mitte Januar begannen die Gespräche für ein Sanierungskonzept, eine Einigung erwartete der Geschäftsführer des Häfler Standorts damals für Mitte Februar. (dod)