Blaue Drähte glimmen zwischen Hopfendolden und tauchen den schwarzen Raum in ein dezentes Licht. Wie in einem geheimnisvollen Garten recken sich fünf Hopfenpflanzen zur Decke. Sie stehen in einem sorgfältig berechneten Spannungsfeld zu einander und zu den Wänden. „Das ist ein Quincunx. Es besteht immer aus fünf Punkten und galt im Barock als naturimmanentes Schönheitsideal, weil auch Kristalle so gebaut sind“, sagt Franz John.

Video: Corinna Raupach

Eigenheiten der Region im Fokus

Der Berliner Künstler ist der 38. Stipendiat der ZF-Kunststiftung und hat in diesem Sommer im Turm am Zeppelin Museum gewohnt und gearbeitet. „Franz John setzt sich mit den historischen, geologischen oder klimatischen Eigenheiten der Region auseinander“, sagt Regina Michel, Geschäftsführerin der Stiftung.

Der Berliner Künstler Franz John ist der 38. Stipendiat der ZF-Kunststiftung.
Der Berliner Künstler Franz John ist der 38. Stipendiat der ZF-Kunststiftung. | Bild: Corinna Raupach

Stromgewinnung mit sogenannten Grätzelzellen

Schon bei seiner Bewerbung habe er gefragt, welche Nutzpflanzen am Bodensee heimisch seien. Denn er produziert den Strom für seine Lichtinstallation mit Pflanzensolarzellen, sogenannten Grätzelzellen. Dabei wird die natürliche Fotosynthese nachgeahmt. Pflanzen setzen das Sonnenlicht in Zucker um, die Grätzelzelle in elektrischen Strom. „Es ist ein Projekt, das an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Nachhaltigkeit ansetzt“, sagt Michel.

Erst langsam gewöhnen sich die Augen an das Halbdunkel in „Ressource Farbe“.
Erst langsam gewöhnen sich die Augen an das Halbdunkel in „Ressource Farbe“. | Bild: Corinna Raupach

Hopfen bringt Herausforderungen für Künstler

Am Bodensee hat John sich entschieden, mit Hopfen zu arbeiten. „Der hat vergleichsweise gute Energiewerte, vor allem der Tettnanger und der Herkules-Hopfen“, sagt John. Die Ergebnisse seiner Hopfenexperimente hängen in Kästchen im Vorraum – ebenfalls im Quincunx.

Seit dem Sommer hängen vor seinen Fenstern Solarzellen mit Hopfenfarbstoff und laden den Akku für die Ausstellung. Und John stellte fest: Hopfen ist eigensinnig. „Eigentlich arbeite ich mit geraden Linien, aber dagegen hat sich der Hopfen gewehrt“, sagt er. Jetzt schmiegen sich die leuchtenden Drähte an den Wuchs der Pflanzen an. Schon bei der Installation auf dem Tettnanger Hopfengut No. 20 verlangten Konstruktion und Pflege des Hopfengartens ein Umdenken.

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Franz John: „Ressource Farbe“. Die Ausstellung ist vom 18. Oktober bis 1. Dezember zu sehen. Eröffnung ist am Donnerstagabend um 19 Uhr.