Wenn es Nacht wird, leuchten drei geheimnisvolle Linien aus dem Hopfengarten, der an das Hopfenmuseum in Tettnang angrenzt. Blau und rot glimmend, wirken sie leicht futuristisch, aber gar nicht fehl am Platz. Wenn Franz John sie ausschaltet, fehlt auf einmal etwas. „Die Drähte bezeichnen die Kraftlinien des Hopfengartens„, sagt Franz John, der für die Installation verantwortlich ist.

Franz John befestigt die Lichtdrähte im Hopfengarten von Hopfengut Nº20.
Franz John befestigt die Lichtdrähte im Hopfengarten von Hopfengut Nº20. | Bild: ZF Friedrichshafen AG

Befestigungen für den Hopfengarten als Kraftlinien

Er hatte zunächst eine andere Konzeption für das Kunstwerk geplant. „Aber ich habe mich den Strukturen des Gartens angepasst.“ Seine Kraftlinien sind im Alltag der Hopfenbauern die Befestigungen, die das ganze Feld vom Rand aus halten. Auch die Farben sind kein Zufall. „Rotes und blaues Licht können Pflanzen gut verwenden, grünes nicht, deshalb reflektieren sie es.“

Im Dunkeln setzt die Installation von Franz John Kraftlinien des Hopfengartens ins Licht.
Im Dunkeln setzt die Installation von Franz John Kraftlinien des Hopfengartens ins Licht. | Bild: Corinna Raupach

Hopfen als Basis für Abschlussausstellung im Herbst

Franz John ist der 38. Stipendiat der ZF-Kunststiftung. Er arbeitet seit Februar im Turmatelier im Zeppelin Museum in Friedrichshafen. „Ressource Farbe“ heißt sein Projekt. Um seine Lichtinstallationen zu betreiben, baut der Berliner Künstler Solarzellen aus einheimischen Nutzpflanzen. Für die Abschlussausstellung im Herbst nutzt er Tettnanger Hopfen. „Ich habe mit verschiedenen Sorten experimentiert und der Tettnanger Hopfen hatte den höchsten Wirkungsgrad.“ Er verwendet dabei die Technik der Grätzelzellen oder Farbstoffsolarzellen: Der Farbstoff wird aus den Pflanzen gelöst und mit Metalloxid und Grafit zwischen Glasplatten gepresst. Durch Fotosynthese entsteht Energie, die John für seine Kunst nutzt.

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Jury der ZF-Kunststiftung von Bezug zur Region angetan

Die Jury der ZF-Kunststiftung habe die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Nachhaltigkeit fasziniert, sagt Regina Michel, Geschäftsführerin der ZF-Kunststiftung: „Uns hat auch gefallen, dass Franz John immer den Bezug zur Region sucht, in der er arbeitet, und so spannende und außergewöhnliche Projekte realisiert.“ Schon bei der Bewerbung habe John sich nach Geschichte und Landwirtschaft in der Region erkundigt und sei so auf den Hopfen als Ressource gestoßen.

Lukas Locher, einer der Inhaber des Hopfenguts Nº20, unterstützt Franz John bei der Montage des Lichtdrahtes.
Lukas Locher, einer der Inhaber des Hopfenguts Nº20, unterstützt Franz John bei der Montage des Lichtdrahtes. | Bild: ZF Friedrichshafen AG

Lukas Locher stellt Hopfenlaub zur Verfügung

Den Hopfen bekommt er vom Hopfengut Nº20 in Siggenweiler bei Tettnang. Inhaber Lukas Locher hat das Projekt gleich begeistert. „Wenn wir etwas im Überfluss haben, ist das Hopfenlaub, wir brauchen ja nur die Dolden“, sagt er. „Die Grundidee, daraus Energie zu gewinnen, ist sehr reizvoll, auch wenn das vielleicht noch Zukunftsmusik ist.“

Die Lichtinstallation im Hopfengarten ist auch ein Geburtstagsgeschenk für 175 Jahre Hopfenanbau in Tettnang.
Die Lichtinstallation im Hopfengarten ist auch ein Geburtstagsgeschenk für 175 Jahre Hopfenanbau in Tettnang. | Bild: Corinna Raupach

Kunstwerk Hingucker bei bierkulinarischen Führungen

Auch das Kunstwerk im eigenen Hopfengarten gefällt ihm. „Unsere bierkulinarischen Führungen enden ja erst spät abends, da ist das ein Hingucker für die Gäste auf dem Weg.“

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Franz John erfährt viel über den Hopfenanbau

Franz John hat viel über den Hopfenanbau gelernt. Etwa, dass der Sommer erst vorbei ist, wenn der Hopfen geerntet wird. Dass ein Hopfengarten innen sehr beweglich ist, um Wind und Wetter gewachsen zu sein. Und wie es sich anfühlt, in einer Hopfengondel in den Wipfeln unterwegs zu sein. Sein Kunstwerk ist nicht nur ein Vorgeschmack auf die Ausstellung im Oktober, sondern auch ein Dank an Lukas Locher. Den freut dies aus einem Grund besonders: „Die Installation ist ein schönes Geburtstagsgeschenk – wir feiern ja 2019 175 Jahre Hopfenanbau in Tettnang.“ Bis zur Ernte soll es weiter blau und rot im Hopfengarten leuchten.