Nur wenige hundert Meter entfernt vom umstrittenen Bauprojekt im Hägleweg, entlang der Waggershauser Straße, soll ein komplett neues Stadtquartier in Jettenhausen entstehen. Auf einem 48 750 Quadratmeter großen Grundstück will das Siedlungswerk Stuttgart insgesamt 400 Wohneinheiten, darunter 25 Doppelhäuser, 250 Eigentumswohnungen, 25 freie und 100 mietpreisgebundene Mietwohnungen bauen. Der Gemeinderat ebnete in seiner Sitzung am Montagabend den Weg für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb.

Bis zum 16. Januar machen sich nun zwölf bereits ausgewählte Architekturbüros aus ganz Deutschland daran, die große Fläche zu überplanen. Am 22. Februar entscheidet ein Preisgericht über den Siegerentwurf. "Wir rechnen damit, im Frühjahr 2018 mit dem Bebauungsplanverfahren zu starten, das dann etwa eineinhalb Jahre dauert", erläuterte Klaus Sauter, Leiter des Stadtplanungsamts dem Gemeinderat. Heißt: In wenigen Jahren wächst Jettenhausen enorm – und zwar in allen Bereichen. Während sich die Doppelhaushälften und Reihenhäuser eher im westlichen Gebiet finden, wird es in Richtung zur Susostraße große Mehrfamilienhäuser geben. Unter anderem soll auch ein Mehrgenerationenhaus mit einer Wohngruppe für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen gebaut werden, in dem sich gleichzeitig auch Clubraum und eine Tagesbetreuung für Kleinkinder befinden sollen. Besonders interessant dürfte der geplante Bau eines großen Supermarkts sein.

Allerdings sei dieses Verfahren auch stark von der Fertigstellung der B 31 abhängig, so Sauter. Zudem sei die Waggershauser Straße eine der Hauptverkehrsachsen in Friedrichshafen. "Eine der städtebaulichen Hauptvorgaben ist deshalb auch eine Lärmschutzwand, außerdem muss die Parkplatzsituation vom Werk 2 berücksichtigt werden", sagte der Stadtplanungsamtschef.

Dieter Stauber (SPD) wollte zudem wissen, ob denn nun erst der bereits geplante Kreisverkehr in dem Bereich gebaut werde – oder das Baugebiet. "Erst der Kreisel, dann die Erschließung", antwortete Sauter. Auf die Frage nach dem öffentlichen Nahverkehr in diesem Bereich, sagte Erster Bürgermeister Stefan Köhler, der die Sitzung stellvertretend für Oberbürgermeister Andreas Brand leitete: "Das Gebiet kann gut in den bisherigen ÖPNV eingebunden werden, aber wenn es weiteren Bedarf gibt, zeigt sich das Stadtwerk am See gesprächsbereit." Gerhard Leiprecht (Grüne) erkundigte sich nach den Parkmöglichkeiten und äußerte den Vorschlag einer Tiefgarage. Am Ende meldete sich noch Jugendparlamentsvertreter Matthias Eckmann zu Wort, ein echter Jettenhauser. "Es sind Spielplätze und Ruhebereiche geplant", stellt er fest, "aber es wäre schön, wenn es auch einen Platz für die Jugendlichen gäbe."

Siedlungswerk Stuttgart

Das Siedlungswerk gehört zu 75 Prozent dem Bistum Rottenburg-Stuttgart und zu 25 Prozent der Landesbank Baden-Württemberg. Dem Unternehmen (Bilanzsumme 2016: 528 Millionen Euro) gehören rund 4800 Wohnungen. Zudem hat es nach eigenen Angaben seit seinem Bestehen rund 30 000 Wohnungen gebaut.