Franz Mayer steht mit dicker Winterjacke am Bussteig 5 des Häfler Busbahnhofs. Der ältere Mann war mit seinen Freunden essen, danach etwas trinken. Es ist Freitagnacht, 0.40 Uhr. Mayer wartet auf den Bus, der ihn nach Hause bringen soll. Keine zwei Minuten später biegt dieser auch schon ein. Abfahrt laut Plan: 0.55 Uhr. Trotzdem öffnet der Busfahrer zehn Minuten früher die Tür und bittet freundlich herein. "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Nachtbus schon einmal Verspätung hatte", sagt Mayer. Der Meersburger hat es sich auf einem der Sitze bequem gemacht. "Es ist natürlich angenehm. Als es noch keine Nachtlinie gab, bin ich früher heimgegangen. Heute kann ich länger hocken bleiben. Es ist entspannt, einfach schön", sagt Mayer.

Seit 2015 gibt es die Nachtbuslinien N1 und N2 der Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund GmbH (Bodo). Im vergangenen Jahr sind zwei weitere Linien, N3 und N4, dazugekommen. Mit diesen vier Verbindungen kommen Fahrgäste in den Nächten auf Samstag und Sonntag zwischen 1 und 3 Uhr nach Hause. Die Busse fahren stündlich sternförmig von Friedrichshafen aus. Sie sind so getaktet, dass am Stadtbahnhof Friedrichshafen mit nur wenigen Minuten Wartezeit von einer Nachtlinie auf eine andere umgestiegen werden kann. Praktisch für Feiernde ist, dass die Busse direkt an den umliegenden Diskotheken halten. So können Nachtschwärmer vom Häfler Club Metropol im Fallenbrunnen direkt in die Busse der Linie N4 einsteigen. Diese fahren dann in Richtung Markdorf sowie Friedrichshafen Stadt – wo wiederum umgestiegen werden kann. Auch wer im Lemon Beat Club in Markdorf ist, kann sich nicht beklagen. Etwa eine Minute Fußweg und die Haltestelle "Markdorf Zeppelinstraße" ist erreicht. Dort hält die Linie N4 und fährt weiter nach Friedrichshafen.

Seitdem Fahrgast Franz Mayer den Nachtbus nutzt, sind ihm ausschließlich positive Erlebnisse in Erinnerung geblieben. "Ich treffe immer auf nette Leute und höfliche Busfahrer", sagt Mayer. Diesen Eindruck bestätigt Katharina Wrobel. Auch sie ist auf der Linie N1 unterwegs, fährt von Friedrichshafen nach Immenstaad. "Ich fahre zwar nur gelegentlich so spät, aber habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht", sagt die 25-Jährige. Ihre einzige Kritik: "Wieso fahren die Busse erst seit zwei Jahren? Früher hätte ich das Angebot viel eher gebraucht, da war ich noch öfter beim Feiern." Wrobels Meinung nach seien die Nachtlinien dringend früher nötig gewesen. Der Landkreis allerdings habe diesen Bedarf vor 2015 nicht gesehen, oder wie Robert Schwarz, Pressesprecher des LRA Bodenseekreis, sagt "zumindest nicht priorisiert". Auslöser für die Einführung der Nachtlinien war eine Jugendkonferenz des Kreises. Dort sei kritisiert worden, dass es auf den Linien 7395 und 7587 ("Seelinie") am Wochenende nach Disco- oder Festbesuchen keine späten Busverbindungen gibt. "Die CDU-Fraktion im Kreistag hat dann im April 2015 einen Antrag an die Verwaltung gestellt", blickt Schwarz zurück. Etwa ein halbes Jahr später wurde dieser Antrag mit der Einführung der ersten zwei Nachtlinien umgesetzt.

Einen Tag später, Samstagnacht gegen 1.15 Uhr, im Bus von Überlingen Richtung Friedrichshafen: Es ist still. Nur fünf Fahrgäste sind mit der Linie N1 unterwegs, darunter Sarah Laubenberger. Die Studentin nutzt die Busse zwischen 1 und 3 Uhr nach eigenen Angaben "oft". Wie Laubenberger erzählt, ist die Nachfrage größer, wenn besondere Veranstaltungen im Umkreis stattfinden. "Beim Hafenfest in Uhldingen oder wenn die Beachparty in Hagnau stattfindet, ist der Nachtbus sehr voll. Dann fahren da – glaube ich – so gut wie alle Leute mit, die auf der Strecke wohnen", sagt die 21-Jährige. Auch in den Nächten vor Feiertagen, sei mehr los. "Ich finde es wirklich gut, dass der Bus auch an diesen Tagen fährt. Da ist man ja häufig nachts noch unterwegs", so Laubenberger. Mit der Taktung der Linien ist sie ebenfalls zufrieden. "Der Bus fährt ab Mitternacht einmal in der Stunde. Das finde ich vollkommen ausreichend." Verbesserungspotenzial sieht die 21-Jährige in dem Angebot der Regionalbahn zwischen Überlingen und Friedrichshafen. "Der letzte Zug fährt abends um 23.43 Uhr. Das ist echt früh", findet Laubenberger.

Dafür ist Robert Schwarz zufolge das Land zuständig. "Als Aufgabenträger für den straßengebundenen ÖPNV kann der Landkreis den Busverkehr selber gestalten. Beim Schienenverkehr liegt die Entscheidungshoheit beim Land. Hier kann der Landkreis nur im Rahmen von Gesprächen versuchen, Einfluss zu nehmen", sagt Schwarz. Soweit bekannt plane das Land derzeit keine späteren Zugverbindungen. Auch beim Angebot der Nachtbuslinien gibt es gerade keine ergänzenden Pläne: "Das bestehende Angebot mit den Linien N1 bis N4 ist noch recht jung. Wir wollen deshalb erst die Nachfrage über einen längeren Zeitraum beobachten und bei Bedarf gegebenenfalls anpassen, wobei über jede Erweiterung im Kreistag diskutiert und entschieden wird."

Nachfrage wird größer

In den Nächten auf Samstag und Sonntag sind jedes Wochenende durchschnittlich etwa 400 Fahrgäste mit den Bussen der vier Nachtlinien (N1 bis N4) des Bodo-Verkehrsverbunds unterwegs. So heißt es in einer Mitteilung des Landratsamt Bodenseekreis. Dabei seien keine Großereignisse wie etwa das Seehasenfest eingerechnet. Vor zwei Jahren waren es demnach noch etwa 230 Nutzer pro Wochenende, die das Angebot in Anspruch nahmen. Die Hälfte aller nächtlichen Fahrgäste fahren mit der Buslinie N1 zwischen Friedrichshafen und Überlingen. Die anderen Nutzer verteilen sich auf die Buslinien N2 Richtung Kressbronn, N3 Richtung Tettnang und Meckenbeuren sowie N4 Richtung Markdorf. Damit das Nahverkehr-Angebot bestehen kann, fördert der Bodenseekreis die vier Nachtbuslinien jährlich mit etwa 150 000 Euro.(lip)

Fahrpläne im Internet: www.bodo.de