Das klingt ja wie Keith Jarrett! Melodieverliebt, romantisch, voller Aufbruchsstimmung – und mit jener Verbindung aus Jazz und Klassik, die das Herz höher schlagen lässt. Aber nicht Jarrett sitzt am Klavier, sondern eine junge Südkoreanerin: Younee. Die Pianistin und Singer/Songwriterin ist eine der Entdeckungen, die es beim 4. Jazz & More Festival im Kulturhaus Caserne in Friedrichshafen zu machen gilt. „Younee kommt von der Klassik, aber sie wollte diese Grenzen immer überschreiten“, sagt Jürgen Deeg vom Kulturbüro. Inzwischen singt Younee sogar ein Lied von Mendelssohn Bartholdy mit dem Schmelz einer Soul-Lady. Am Sonntag, 1. Oktober, 20.30 Uhr, gibt sie ein Solokonzert im Casino.
 

Keith Jarrett in weiblich: die Pianistin Younee aus Südkorea.
Keith Jarrett in weiblich: die Pianistin Younee aus Südkorea. | Bild: Na Young Lee

Aber auf stilüberschreitende Konzerte beschränkt sich das Jazz & More Festival nicht. Von Donnerstag, 28. September bis Dienstag, 3. Oktober bietet es dem Publikum außerdem Musikfilme auf der großen Leinwand, ein Podiumsgespräch und Workshops für ambitionierte Freizeitjazzer.

Workshops für Jazzmusiker

Die jeweils dreitägigen Workshops (29.9. bis 1.10.) kosten äußerst günstige 95 Euro (ermäßigt 66,50 Euro) und sind mit 25 Teilnehmern schon gut belegt; noch bis kommenden Montag sind Anmeldungen möglich. „Wir haben schon viele Gitarristen, könnten aber noch Bassisten brauchen“, sagt Jürgen Deeg. Die Dozenten sind Barbara Bürkle (Gesang), Daniel Nösig (Gesang), Alexander Kuhn (Saxofon), Christoph Neuhaus (Gitarre), Thomas Bauser (Klavier/Keyboards), Jens Loh (Bass) und Axel Pape (Schlagzeug). Die Workshops enden mit einem gemeinsamen Konzert der Teilnehmer am Sonntag, 1. Oktober, 16 Uhr in der Black Box der Zeppelin Universität. Der Eintritt ist frei.

Viel Musik zum Nulltarif

Kostenlos ist noch so manches andere Angebot der Festivals. Beispielsweise das Konzert am Donnerstag, 28. September, 20.30 Uhr, im Amicus. Besetzt mit Barbara Bürkle, Christoph Neuhaus und Axel Pape spielt eine Dozentenband, die um Martin Meixner (Orgel) ergänzt wird. Über Meixner schrieb der SÜDKURIER: Er lockt aus der Orgel Klänge, die sonst nur das Stethoskop den Eingeweiden wilder Tiere ablauscht.“ Da wird extrem gegroovt!

Groove im Bigband-Format steht beim Konzert des New Jazzport Orchestra (NJPO) auf dem Plan, am Dienstag, 3 Oktober, 11 Uhr, im Casino (bei gutem Wetter im Amicus-Biergarten). Das NJPO spielt die besten Stücke aus seinem Repertoire. Der Eintritt ist frei, aber eine Spende wäre schön. Das gilt auch für die Jamsession zu später Stunde: Am Samstag, 30. September, um 23 Uhr im Amicus. Jeder kann einsteigen.

Kostenlos ist überdies das Podiumsgespräch mit dem Zugpferd des Festivals: Trompeter Nils Landgren. Der schwedische Posaunist, fast schon ein Stammgast in Friedrichshafen, unterhält sich am Samstag, 30. Dezember, 18 Uhr, im Kino Studio 17 mit dem renommierten Jazzjournalisten Oliver Hochkeppel. Im Anschluss zeigt das Kino die Nils Landgren-Doku „Do your own thing!“
 

Postmodern geht einfach alles: Jon Irabagon (rechts) und sein Quartett.
Postmodern geht einfach alles: Jon Irabagon (rechts) und sein Quartett. | Bild: David Stoller

Internationales Bühnenprogramm

Direkt nach Gespräch und Film, um 20.30 Uhr gibt Nils Landgren im Casino ein Konzert mit dem Pianisten Michael Wollny. „Das ist eine einmalige Sache, die es nur bei uns gibt“, sagt Jürgen Deeg; von diesem Duo gibt es keine Tonträger. Wollny gilt in der Wildheit seines freien Spiels wie in seiner Einfühlsamkeit als Wunder des deutschen Jazz. Wollny ist bereits als Mitglied von Landgrens Band im GZH aufgetreten, aber dies wird ihr erstes Duo-Konzert in Friedrichshafen.

Ein urgewaltiges Erlebnis darf man sich vom Auftritt des Jon Irabagon Quartetts am Montag, 2. Oktober, um 20.30 Uhr erwarten. Der Saxofonist philippinischer Herkunft, 1979 in Chicago geboren, steht für postmodernen Jazz, der sich nicht mehr festlegen lässt: Hot oder cool, schwarz oder weiß, Tradition oder Moderne – all das ist für ihn nicht mehr relevant“, schrieb die Wochenzeitung „Die Zeit“ über ihn. „Ich habe Irabagon 2016 beim Jazzfestival in Detroit erlebt und war ganz hin und weg vom energetischen Spiel dieser Band“, sagt Jürgen Deeg. Beim Jazz & More Festival spielt Irabagon mit Luis Perdomo (Piano), Yasushi Nakamura (Bass) und Rudy Royston (Schlagzeug).

Das Jazz & More Festival scheint für einen Musiker wie Vincent Peirani wie geschaffen, denn der 1980 in Nizza geborene Akkordeonist entdeckte den Jazz erst spät – davor aber die Volks- und Unterhaltungsmusik. Als Jugendlicher begleitete er vor allem Chanson-Sänger, absolvierte dann aber ein Klassik-Studium. Und in Paris erschloss sich ihm die Musik der ganzen Welt, die er heute in seinen Jazz einfließen lässt. Im Casino tritt er am Freitag, 29. September, 20.30 Uhr, mit dem Saxofonisten Emile Parisien auf – die Beiden erhielten 2015 den „Jazz-Echo“. Vor allem in Frankreich wurden sie mit vielen Jazzpreisen dekoriert.
 

Weltmusikjazz: Vincent Peirani (rechts) und Emile Parisien.
Weltmusikjazz: Vincent Peirani (rechts) und Emile Parisien. | Bild: Grosse-Geldermann

Jazz auf der Leinwand

Der Jazz kommt auch auf die Leinwand: Das Kino Studio 17 zeigt am 28. und 29. September den Film „Born to be blue“ über das Leben des Trompeters Chet Baker, gespielt von Ethan Hawke. Zu sehen ist auch die Doku „Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit“; ein Porträt des französischen Pianisten, der an der Glasknochenkrankheit litt. Achtung: Im Flyer zum Festival wurden die Aufführungstermine der Filme miteinander vertauscht!

4. Jazz & More Festival

Donnerstag, 28. September

  • 18 Uhr, Studio 17: Film „Born to Be Blue”
  • 20:30 Uhr Foodbar Amicus: Konzert mit Barbara Bürkle (Gesang), Christoph Neuhaus, Martin Meixner, Axel Pape

Freitag, 29. September

  • 11 Uhr, Zeppelin Universität: Jazz & More Workshop
  • 18 Uhr, Studio 17: Film „Born to Be Blue“
  • 20:30 Uhr, Casino Kulturraum: Duo Vincent Peirani (Akkordeon) & Emile Parisien (Saxofon)

Samstag, 30. September

  • 9:30 Uhr, Zeppelin Universität: Jazz & More Workshop
  • 18 Uhr, Studio 17: Nils Landgren im Gespräch mit Oliver Hochkeppel
  • 20:30 Uhr, Casino Kulturraum: Duo Nils Landgren (Posaune) & Michael Wollny (Piano)
  • 23 Uhr, Foodbar Amicus: Jam Session

Sonntag, 1. Oktober

  • 9.30 Uhr, Zeppelin Universität: Jazz & More Workshop
  • 16 Uhr, Zeppelin Universität: Abschlusskonzert des Jazz & More Workshops
  • 18 Uhr, Studio 17: Film „Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit”
  • 20.30 Uhr, Casino Kulturraum: Younee (Piano)

Montag, 2. Oktober

  • 18 Uhr, Studio 17: Film „Michel Petrucciani – Leben gegen die Zeit”
  • 20.30 Uhr, Casino Kulturraum: Jon Irabagon Quartet

Dienstag, 3. Oktober

  • 11 Uhr, Casino Kulturraum: New JazzPort Orchestra
Karten für die Bezahl-Konzerte gibt es unter Telefon 08 00/9 99 17 77 und 0 75 41/28 84 44 sowie unter ticket.suedkurier.de und www.reservix.de. Anmeldungen für die Workshops bis 25. September per E-Mail an kulturbuero@friedrichshafen.de.