Bei Sun Air fliegen die Chefs noch selbst: Zumindest, wenn am Bodensee-Airport eine neue Verbindung der dänischen Regionalfluggesellschaft vorgestellt wird. Ab dem 4. Juni wird Sun Air vom Bodensee nach Düsseldorf fliegen, zur Begrüßung hat die Airline am Freitag mit dem Gründer und Eigentümer Niels Sundberg sowie Geschäftsführer Kristoffer Sundberg im Cockpit eine Runde über der Bodenseeregion gedreht.

 

  • Warum soll es mit Sun Air funktionieren? Die Flughafengesellschaft in Friedrichshafen kämpft seit Jahren darum, wieder mehr innerdeutsche Fluglinien anbieten zu können. Geschäftsführer Claus-Dieter Wehr ist daher sehr zufrieden, dass intensive Verhandlungen nun "zu einem positiven Ergebnis geführt haben". Die Fluggesellschaft habe sich ernsthaft mit der Region und der Nachfrage vor Ort beschäftigt. Aus Sicht von Claus-Dieter Wehr wird die Zusammenarbeit mit der dänischen Fluggesellschaft funktionieren, weil Sun Air seit 40 Jahren erfolgreich "im nicht ganz einfachen Geschäft des Regionalflugverkehrs arbeitet". Außerdem seien die Flugzeiten für die Kunden optimal gewählt und als Partner von British Airways könne dessen weltweites Reservierungssystem genutzt werden. In Kooperation mit der Wirtschaft in der Region habe man ein gutes Angebot für die Zielgruppe entwickelt, ist sich Wehr sicher.
    Sun Air bietet eine neue Verbindung von Friedrichshafen nach Düsseldorf an.
    Sun Air bietet eine neue Verbindung von Friedrichshafen nach Düsseldorf an. | Bild: Fabiane Wieland
  • Wie war die Industrie in die Verhandlungen mit der Fluggesellschaft eingebunden? Die großen Unternehmen vor Ort hätten den Flughafen bei der Akquise und bei den Verhandlungen unterstützt, erklärt der Flughafen-Geschäftsführer. Mit der Mehrheit der Unternehmen habe man Preiszusagen auf der Strecke für eine gewisse Dauer vereinbart. Mit anderen habe man sich auf gewisse Kontingente verständigt, so Wehr.
  • Wer gehört zur Zielgruppe? Das neue Angebot richtet sich in erster Linie an Geschäftskunden. "Wir sind keine Billig-Airline", macht Firmengründer Niels Sundberg deutlich. Dennoch seien die Preise ab 199 Euro für Hin- und Rückflug auch für Privatleute erschwinglich. Gerade die Flugzeiten seien mit Flügen am Morgen und am Abend insbesondere für Geschäftsreisende attraktiv.
  • Wie oft fliegt die Airline? Die Fluggesellschaft wird die Strecke zwei Mal täglich anbieten. In Friedrichshafen werden die Flugzeuge von Montag bis Freitag um 7.15 und um 17.25 Uhr starten, am Sonntag ein Mal täglich um 19.25 Uhr. Von Düsseldorf geht es unter der Woche um 8.50 und um 19.05 Uhr nach Friedrichshafen, am Sonntag um 17.50 Uhr. Zum Einsatz kommen Flugzeuge vom Typ Dornier 328 mit 32 Sitzen. Der Bordservice sei an der Business Class orientiert, so die Fluggesellschaft. Tickets gibt es im Internet unter www.ba.com
    Von links: Kristoffer Sundberg, Claus-Dieter Wehr und Niels Sundberg.
    Von links: Kristoffer Sundberg, Claus-Dieter Wehr und Niels Sundberg. | Bild: Flughafen Friedrichshafen
  • Wann folgt eine Verbindung nach Hamburg? Nach Angaben des Flughafens Friedrichshafen und von Sun Air soll nach einer erfolgreichen Etablierung der Strecke nach Düsseldorf auch die Strecke Friedrichshafen–Hamburg angeboten werden. Nach einem zeitlichen Rahmen gefragt, erklärt Claus-Dieter Wehr: "Ich habe da Wünsche, aber wir werden das in den nächsten Monaten intensiv mit der Airline besprechen." Niels Sundberg ergänzt: "Wir wollen natürlich am Liebsten überallhin fliegen, aber wir müssen in erster Linie darauf schauen, wo wir ein Geschäft sehen."

Flughafen und Airlines

Passagierzahlen: Ein Wachstum bei den Passagierzahlen im ersten Quartal hat der Bodensee-Airport in dieser Woche gemeldet. Von Januar bis März seien die Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent gestiegen. Im Jahr 2017 nutzten insgesamt 517 209 Passagiere den Flughafen am Bodensee (2016: 523 904). Vor allem seit dem vergangenen Sommer würden die Passagierzahlen steigen: Im Juli 2017 nutzten 58 900, August 62 200, September 55 300, Oktober 53 200, November 28 300, Dezember 27 700, Januar 2018 rund 29 200, Februar 28 800 und im März 37 300 Passagiere den Flughafen. Die größten Zuwächse gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im November 2017 mit plus zwölf, im Dezember 2017 mit plus 26 und im Januar 2018 mit plus 15 Prozent. Für die kommenden Monate wird mit einem weiteren Anstieg der Passagierzahlen gerechnet. 

Vorgeschichte: Im Dezember 2015 ging die Regionalfluglinie Intersky pleite. Damit fielen die für den Flughafen Friedrichshafen wichtigen Verbindungen nach Berlin, Hamburg und Köln/Düsseldorf weg. Die belgische Airline VLM wurde kurz vor Weihnachten 2015 als Ersatz präsentiert und nahm im Februar den Flugbetrieb auf. Kaum hatten sich diese Verbindungen wieder etabliert, meldete VLM Ende Juni 2016 Insolvenz an. Im November 2016 stieg die People’s Viennaline auf der Strecke von Friedrichshafen nach Köln ein. Im April 2017 wurde auch diese Verbindung eingestellt. Die Fluggesellschaft Monarch hatte im Oktober 2017 ihre Insolvenz verkündet und ihren Flugbetrieb eingestellt.