In Friedrichshafen und Immenstaad lässt es sich vergleichsweise gut radeln. Zu diesem Ergebnis kommt der Fahrradklimatest 2018 des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). 355 Häfler und 55 Immenstaader hatten sich an der Umfrage beteiligt und die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt mit Schulnoten bewertet.

In der Kategorie der Städte mit 50000 bis 100000 Einwohnern belegt Friedrichshafen mit der Gesamtnote 3,54 Rang drei von 14 in Baden-Württemberg. Nur Spitzenreiter Konstanz und Tübingen schnitten noch besser ab. Im bundesweiten Vergleich reicht es für den neunten Platz unter 106 bewerteten Städten vergleichbarer Größe. Besonders positiv aufgefallen sind die Fahrradförderung in jüngster Zeit, die Reinigung der Radwege und der Räumdienst im Winter. Auch die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums und geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung honorierten die Häfler mit guten Noten.

Bild: Schönlein, Ute

Immenstaad erreichte unter den Städten und Kommunen mit unter 20000 Einwohnern Rang sechs von 35 auf Landesebene und Rang 25 von 186 in ganz Deutschland. Die Radfahrer gaben Immenstaad die Gesamtnote 3,29 und bewerteten vor allem die Erreichbarkeit des Zentrums, das zügige Vorankommen und die wenigen Fahrraddiebstähle überdurchschnittlich gut.

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Noch viele offene Baustellen

Trotz der guten Platzierungen zeigt der Blick auf die Ergebnisse auch: In Sachen Fahrradklima gibt es in beiden Gemeinden noch Handlungsbedarf. In Immenstaad kritisieren die Radfahrer vor allem die fehlende Mitnahmemöglichkeit von Rädern im öffentlichen Verkehr. Außerdem halten sie die Radwege für zu schmal und sehen Probleme, was die Vorbeiführung an Baustellen anbelangt.

In Zukunft könnte ein weiterer Kritikpunkt dazukommen: Die Planung des Bundes sieht vor, den Radweg in Richtung Immenstaad am neu geplanten Knoten der B 31 neu zwischen Fischbach und Immenstaad mit zwei Ampelkreuzungen über die Bundesstraße zu führen. Dabei gäbe es an den Wartezonen nur wenig Platz. Die Stadtverwaltung hat in dieser Sache nicht die Planungshoheit, teilt jedoch auf Anfrage mit, dass sie diesbezüglich schon Gespräche mit dem Landratsamt geführt habe. Von dortiger Seite sei inzwischen der Wunsch nach einer besseren Radverkehrsführung beim Regierungspräsidium vorgebracht worden.

Häfler Friedrichstraße ist eine Problemstrecke

Friedrichshafen hat im Vergleich zu 2016 auf Landesebene einen Platz eingebüßt. Auch hier halten die Befragten die Radwege für zu schmal und kritisieren die Führung an Baustellen. Darüber hinaus fallen die Konflikte mit Kraftfahrzeugen und Fußgängern negativ auf. Ein Ort, an dem dieses Problem besonders deutlich wird, ist die Friedrichstraße. "Hier sind viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs und kommen sich oft gegenseitig in die Quere", sagt Angelika Cziomer. Die Häflerin radelt regelmäßig die viel befahrene Straße entlang und hält die Grenze zwischen Fuß- und Radweg für zu unauffällig. "So, wie es derzeit ist, ist es an manchen Stellen wirklich unglücklich", so Cziomer, "aber immer noch besser, als wenn die Radfahrer auf der Straße fahren müssten."

Der ADFC hält aus genau diesen Gründen einen Radweg von mindestens vier Metern Breite mit baulicher Trennung zum Fußgängerweg an der Friedrichstraße für nötig. Das ginge jedoch nur, wenn die Mauer zum Uferpark abgebaut würde. Vonseiten der Stadt heißt es dazu, man sei mit dem Gemeinderat in einen "ergebnisoffenen Prozess" gestartet und habe einen Ideen-Wettbewerb zum Thema ausgelobt.

Bevor der Gemeinderat über die weitere Vorgehensweise bei der Neugestaltung der Friedrichstraße und des Uferparks entscheidet, sei noch eine Bürgerinformation vorgesehen, teilt die Stadtverwaltung mit. Wie genau die Friedrichstraße zukünftig aufgeteilt wird, stehe derzeit jedoch noch nicht fest. Außerdem solle im weiteren Verlauf der Beratungen auch der Arbeitskreis Radverkehr einbezogen werden. Das sei bisher nicht geschehen, weil die Stadt erst die Ergebnisse des Ideen-Wettbewerbs abwarten wolle.

Rücksichtnahme ist gefragt

Martin Vogel und Egon Auer arbeiten in Friedrichshafen und sind täglich mit ihren Fahrrädern auf den Häfler Straßen unterwegs. Beim Radklima sehen die beiden noch Verbesserungsbedarf. "Man merkt, dass viel Geld investiert wurde, aber manches wurde einfach nicht richtig durchdacht", sagt Martin Vogel.

"Man merkt, dass viel Geld in den Radverkehr investiert wurde – aber manches wurde einfach nicht richtig durchdacht."Martin Vogel, Friedrichshafen
"Man merkt, dass viel Geld in den Radverkehr investiert wurde – aber manches wurde einfach nicht richtig durchdacht."Martin Vogel, Friedrichshafen | Bild: Svenja Graf

Eines der größten Probleme sei die Radwegeführung an Kreisverkehren, ergänzt Egon Auer. "Wenn ein Radweg vor einem Kreisel abrupt endet und sich dann Autos und Radfahrer gemeinsam durch den Kreisverkehr drängen müssen, ist das lebensgefährlich", erklärt er.

"Das größte Problem ist, dass die Verkehrsplaner wahrscheinlich selbst nur selten mit dem Fahrrad unterwegs sind."Egon Auer, Bregenz
"Das größte Problem ist, dass die Verkehrsplaner wahrscheinlich selbst nur selten mit dem Fahrrad unterwegs sind."Egon Auer, Bregenz | Bild: Svenja Graf

Brigitte Kuba ist gebürtige Hessin und lebt mittlerweile in Langenargen. Sie vergleicht den Häfler Radverkehr mit dem in ihrer Heimat und kommt zu dem Schluss: "Friedrichshafen ist für Radfahrer eine Drei-Sterne-Gegend, ganz toll." Mit gegenseitiger Rücksichtnahme seien auch vermeintliche Problemstellen gut zu händeln. "Wenn es eng wird, muss man eben auch mal für die anderen mitdenken", rät sie den Häfler Radfahrern.

"Verglichen mit vielen anderen Städten in Deutschland ist Friedrichshafen für Radfahrer eine Drei-Sterne-Gegend, ganz toll."Brigitte Kuba, Langenargen
"Verglichen mit vielen anderen Städten in Deutschland ist Friedrichshafen für Radfahrer eine Drei-Sterne-Gegend, ganz toll."Brigitte Kuba, Langenargen | Bild: Svenja Graf

Radverkehr in Friedrichshafen – das plant die Stadt

Der ADFC wirft dem Verkehrsentwicklungsplan vor, keine Klimaschutzziele zu verfolgen. Die Stadtverwaltung weist diesen Vorwurf jedoch zurück. Sie begründet dies damit, dass beispielsweise der Umweltverbund, also die Kombination von öffentlichen Verkehrsmitteln, Rad- und Fußgängerverkehr und Carsharing, gestärkt und dessen Anteil auf 50 Prozent gesteigert werden soll. Außerdem sei der ADFC in den Verkehrsentwicklungsplan eingebunden gewesen, heißt es vonseiten der Stadt. "Zudem hat die Stadt bereits 2013 ein Klimaschutzkonzept beschlossen und wurde mit dem Energy Award in Gold zertifiziert", teilt die Stadtverwaltung auf SÜDKURIER-Anfrage mit. Derzeit erarbeite die Verwaltung gemeinsam mit der Bürgerschaft und Verbandsvertretern ein Klimaanpassungskonzept.

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Straßen wie die Schloss-, Kloster- oder Aistegstraße zu Fahrradstraßen zu erklären, sei frühestens nach der Fertigstellung des Velorings geplant, teilt die Stadtverwaltung mit. Man wolle einen Flickenteppich vermeiden und die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen deshalb erst prüfen, wenn der Bau des Velorings weiter fortgeschritten ist.

Auf die Frage, ob die Stadt plant, sich am Umbau des Bahnhofs so zu beteiligen, dass er fahrrad-, behinderten- und familienfreundlicher wird, verweist die Stadtverwaltung darauf, dass sowohl die Planung als auch die Umsetzung des Bahnhofsumbaus von der Deutschen Bahn geregelt werde. Die Stadt habe aber zugesagt, sich an den Planungskosten zu beteiligen und werde dies auch tun.