Die Freien Wähler beantragen darin die Erstellung einer Gesamtkonzeption. "Die Wohnungsnot in Friedrichshafen zwingt uns teilweise zu schnellem und effektivem Handeln", schreiben Angelika Drießen und Dagmar Hoehne für die Freien Wähler in der Begründung. Trotzdem solle das Quartier nicht beliebig stückweise bebaut werden, "sondern das Potenzial dieses attraktiven Bereichs mit allen Ressourcen und Möglichkeiten entwickelt und ausgestaltet werden". Die Freien Wähler befürchten, dass durch eine abschnittsweise Bebauung ohne Gesamtkonzept der Charakter des Bereichs in einer Art verändert wird, die eher dem Zufall oder aktuellen Notwendigkeiten geschuldet ist, aber nicht das gesamte Quartier im Blick hat.

"Ein Geschenk für unsere Stadt"

Joachim Krüger (FW) hatte schon beim Beschluss des vorhabenbezogenen Bebauungsplans für die neuen "Fallenbrunnen-Mitte" im Mai kritisiert: "Es fehlt ein Gesamtkonzept für dieses Areal, das ein Geschenk für unsere Stadt ist. Wenn wir immer nur stückchenweise an die Planung herangehen, drohen wir das Gebiet zu verramschen."

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Auch andere Gemeinderäten reagierten damals verhalten auf die Pläne, fanden diese zu zahm und zu konventionell. Viele hatten sich nach Besuchen des Gremiums in Tübingen und Wien andere Konzepte – etwa die Umsetzung eines Bauherrenmodells oder ein autofreies Stadtviertel – vorgestellt.

So sieht der Entwurf für die Bebauung in Fallenbrunnen-Mitte aus.
So sieht der Entwurf für die Bebauung in Fallenbrunnen-Mitte aus. | Bild: Hans-Ulrich Kilian

Mit leichtem Zähneknirschen brachte der Gemeinderat die Bebauung des Geländes gegenüber des Studentenwohnheims und der Caserne mit zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme dann doch auf den Weg.

In Teilen bereits entwickelt

Ein Teil der Flächen wurde – nach entsprechenden Gemeinderatsbeschlüssen – bereits entwickelt, etwa mit den Bildungseinrichtungen DHBW, ZU und SIS. Zuletzt wurden die Entscheidungen zum RITZ (Regionales Innovations- und Technologietransfer Zentrum) und zum SWG-Projekt Fallenbrunnen 16 im Rat getroffen, derzeit werden diese beiden Projekte realisiert. Für den nordöstlichen Bereich des Fallenbrunnens steht noch eine umfangreiche Sanierung an, über die aber noch nicht entschieden wurde. Solange sind dort die alten Gebäuden und Hallen noch vermietet.

Eine bereits absehbare Veränderung: Für dieses Gelände, Fallenbrunnen 16, ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan in Arbeit.
Eine bereits absehbare Veränderung: Für dieses Gelände, Fallenbrunnen 16, ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan in Arbeit. | Bild: Fabiane WIeland

Fragen auch zu Infrastruktur und Verkehrskonzept

Die Freien Wähler wollen nun die Fragen beantworten lassen: Wie viel Fläche steht im Fallenbrunnen überhaupt zur Verfügung? Was kann bebaut und wie viel Wohnraum geschaffen werden? Ist die vorhandene Infrastruktur ausreichend oder müssen neue Einrichtungen geschaffen werden – etwa für Schul- und Kindergartenplätze? Können gewerbliche Flächen verpachtet bleiben oder nicht? Man sehe hier einen Ideenwettbewerb, alternative Wohnprojekte sowie Erholungsräumen und Spiel- und Freizeitmöglichkeiten vor.

Außerdem wollen sie wissen, wie der konkrete Zeitplan für den Ideenwettbewerb und die Bürgerbeteiligung oder auch das Verkehrskonzept aussehen soll. Die Freien Wähler erwarten nun einen Vorschlag, wie der Weg zu einer Gesamtkonzeption aussehen könnte.

Aktualisierung des Konzepts aus Sicht der Stadtverwaltung sinnvoll

Wie die Pressestelle im Rathaus auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt, gibt es ein Entwicklungskonzept für den Fallenbrunnen. Mit dem Kauf der Flächen seien auch entsprechende Nutzungen und Entwicklungen konzipiert worden, die wie geplant schrittweise umgesetzt werden. "Die Flächen im Fallenbrunnen hat die Stadt vom Bund gekauft als Wohnbaufläche, als Bildungsfläche, als Fläche für Kultureinrichtungen oder als Flächen für bildungsaffine Gewerbeflächen. Je nach Nutzung fiel der Preis unterschiedlich aus", führt Pressesprecherin Monika Blank weiter aus.

"Aus Sicht der Stadtverwaltung ist eine Aktualisierung des Gesamtkonzeptes im Sinne eines Abgleiches zum bereits Erreichten und mit Blick auf die weiteren Ziele durchaus sinnvoll", teilt Monika Blank auf die Anfrage dieser Zeitung weiter mit. Die Stadtverwaltung habe eine solche Aktualisierung auch bereits zugesagt, nachdem ein Stadtrat dies vor einigen Wochen angeregt hatte. "Dazu soll die Projektgruppe Fallenbrunnen noch dieses Jahr einberufen werden."

Der Antrag der Freien Wähler soll spätestens in der übernächsten Sitzungsrunde im November zur Entscheidung vorgelegt werden.