Zum ersten Mal sind zwei Absolventinnen der technischen Studiengänge an der DHBW Ravensburg, Campus Friedrichshafen, mit dem Ilse-Essers-Preis der Stadt Friedrichshafen ausgezeichnet worden. Laut Mitteilung aus der Stadtverwaltung haben Sina Denzer und Nicole Fisel den Ilse-Essers-Preis der Zeppelin-Stiftung erhalten, der im Rahmen des Girls’ Days von Bürgermeister Andreas Köster überreicht wurde.

Sina Denzer studierte Energie und Umwelttechnik. Sie hat ihr Interesse an der Naturwissenschaft in der Schule entdeckt und sich schnell für die Umwelttechnik entschieden. „Das duale Studium sagte mir deshalb zu, weil es Theorie und Praxis verbindet und ich so abwägen konnte, ob mir die Forschung liegt“, sagte Sina Denzer. Sie möchte nun noch in Freiburg ihren Master im Fachbereich Erneuerbare Energien machen.

Außerdem wurde Nicole Fisel mit dem Ilse-Essers-Preis ausgezeichnet. Sie ist Maschinenbauingenieurin. Für Fisel war es von besonderem Reiz, im dualen Studium gleich Berufserfahrung zu gewinnen. Nach dem Studium entschied sie sich, ein Angebot der MTU anzunehmen. Derzeit macht sie eine Fortbildung zum Lean Agent. Dabei lernt sie, Optimierungspotentiale zu erkennen und diese umzusetzen.

Bürgermeister Andreas Köster gratulierte den Preisträgerinnen zu den herausragenden Leistungen und wünschte ihnen viel Glück und Erfolg auf dem weiteren Weg: „Sie haben die männlich dominierte Technikwelt als nicht schwierig erlebt. Und das hört man immer wieder von den Preisträgerinnen.“ Wer gut sei und Leidenschaft für sein Fach mitbringe, könne sich behaupten. „Das scheint mir die Essenz zu sein, die auch den jungen Mädchen Mut machen sollte sich für ein Technikstudium zu entscheiden“, so Köster.

Zur Preisverleihung waren Professor Dr. Ulf Essers, Sohn von Dr. Ilse Essers, und seine Frau aus Stuttgart gekommen. Verbunden mit den Preisen ist ein einwöchiger Aufenthalt an einem Standort der weltweit agierenden Stiftungsbetriebe ZF Friedrichshafen AG oder ZEPPELIN GmbH. Dieses Mal stellt die ZF Friedrichshafen AG die mit dem Preis verbundenen einwöchigen Aufenthalte zur Verfügung. Sina Denzer und Nicole Fisel reisen nach Shanghai, um dort in einer anderen Kultur und einer anderen Arbeitswelt zu verbringen. Die Kosten für den Aufenthalt werden aus Mitteln der Zeppelin-Stiftung finanziert. Mit der Urkunde und dem Reisestipendium überreichte Bürgermeister Andreas Köster den Preisträgerinnen die Biografie „Technik an meinem Lebensweg“ von Ilse Essers.

Mit der Auslobung des Preises würdigt die Stadt Friedrichshafen nicht nur die besonderen Leistungen der Preisträgerin, sondern achtet Ilse Essers als eine Frau, die die Entwicklung der Luftfahrt nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet hat. Ilse Essers ist ein Vorbild für junge Studentinnen, die an der Dualen Hochschule außergewöhnliche Leistungen erbringen. Der Preis wird jedes Jahr vergeben.

Ilse Essers war die Tochter des nicht nur in Friedrichshafen bekannten Theodor Kober, der als Ingenieur für Graf Zeppelin an der Entwicklung von dessen erstem Luftschiff arbeitete. 1898 wurde sie in München geboren und zeigte schon als Kind Interesse für Mathematik und Technik. Ihre Mutter Anna sorgte dafür, dass Ilse sich auf der als Jungenschule geführten Realschule auf ein Studium in Maschinenbau vorbereiten konnte. Und so konnte sie irgendwann Technische Physik in München studieren. Doch damit war ihr Weg als Ingenieurin nicht gebahnt. Sie wurde immer wieder abgewiesen und arbeitete als Konstruktionszeichnerin, bis sie schließlich im Aachener Institut von Theodor von Karman als Flugzeugkonstrukteurin ihre Chance bekam. Von Karman förderte die junge Ingenieurin und sorgte dafür, dass ihre Ideen über die Stegbeanspruchung von Biegungsträgern, von ihrem früheren Professor als Unsinn abgetan, als Diplomarbeit anerkannt wurden.