Milky Chance, Bruckner, Luna, Nina Chuba und Julia Scheeser sorgten am Samstagabend beim Open-Air-Festival im Kulturhaus Caserne für ausgelassene Stimmung unter den mehr als 800 Besuchern – und das bei bestem Festivalwetter.

Julia Scheeser dürfte vor dem Konzert nicht allen bekannt gewesen sein. Doch jetzt wissen alle, die bei ihrem Auftritt im Casino dabei waren, wer die Frau mit den langen roten Haaren ist. Wie sie so mit der Gitarre auf den Knien auf der Bühne saß und „Weiße Tauben fliegen nicht“ sang, erinnerte das ein bisschen an Nicole beim Grand Prix d‘Eurovision vor 40 Jahren. Aber sie zeigte auch, dass sie anders kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Das krasse Gegenstück dazu war Nina Chuba. Die 22-Jährige hüpfte wie ein Flummi in riesigen Latzhosen über die Open-Air-Bühne und ließ alle Konventionen hinter sich – nicht nur musikalisch. „Es ist echt toll hier, ich habe heute schon Spätzle mit Tomatensoße und Linsen mit Reis gegessen“, verkündete sie unbekümmert. So frech kombiniert wie ihr Speiseplan zeigte sich auch ihr Musikprogramm. Sie wickelte das Publikum mit Sprechgesang und Schauspielkunst um den kleinen Finger, bis alle in die Hocke gingen und den Refrain ihres neuen Songs „Tinnitus“ mitsingen konnten.

Nina Chuba wickelte das Publikum mit Sprechgesang und Schauspielkunst um den kleinen Finger.
Nina Chuba wickelte das Publikum mit Sprechgesang und Schauspielkunst um den kleinen Finger. | Bild: Andrea Fritz

Luna dagegen musste keinen auffordern mitzusingen, ihre traurig-melancholischen Lieder wie „Lass dich nicht verbiegen“, konnte fast jeder auswendig und ihr Auftritt mit Baseball-Cap und übergroßem T-Shirt passte perfekt ins Ambiente.

Luna bewegte die Zuhörer mit ihren traurig-melancholischen Liedern
Luna bewegte die Zuhörer mit ihren traurig-melancholischen Liedern | Bild: Andrea Fritz

Wer einen Platz am Bühnenrand bei Bruckner ergattern wollte, musste sich allerdings zeitig von Luna losreißen. Er dankte es seinen Fans und ging zwischen heißem Indie und Pop auf Tuchfühlung mit der ersten Reihe. Die Türsteher mussten den Einlass ins Casino zu seinem Auftritt sogar limitieren.

Bruckner ging zwischen heißem Indie und Pop auf Tuchfühlung mit der ersten Reihe.
Bruckner ging zwischen heißem Indie und Pop auf Tuchfühlung mit der ersten Reihe. | Bild: Andrea Fritz

Auch, wer Milky Chance nahe sein wollte, war gut beraten sich frühzeitig vor die Bühne zu setzen und sich die Zeit beispielsweise mit Pommes und Kässpätzle zu vertreiben. Bei ihrem Auftritt zeigten sich die Jungs aus Kassel trotz ihres internationalen Erfolgs als bodenständig und umweltbewusst.

Milky-Chance-Sänger Clemens Rehbein beim Open-Air-Konzert im Culturhaus Caserne.
Milky-Chance-Sänger Clemens Rehbein beim Open-Air-Konzert im Culturhaus Caserne. | Bild: Andrea Fritz

„Ich seh‘ die wunderschönen Flaggen von Viva con Agua, vergesst nicht eure Pfandbecher nachher da vorbeizubringen“, rief Sänger Clemens Rehbein dem Publikum mit rauer Stimme zu. Man tat gerne wie geheißen. Wer mit hohen Erwartungen in den Fallenbrunnen gekommen war, wurde bei diesem Open Air nicht enttäuscht.

Das könnte Sie auch interessieren