Herr Krimmel, der Rückblick in diesem Jahr ist gleichzeitig auch ein Ausblick, denn viele Projekte, die 2018 in Ahausen begonnen wurden, werden 2019 fortgesetzt oder fertig.

Das ist richtig. Ein Thema, das uns sehr beschäftigt hat, ist die Erweiterung der Bodenseekelterei Widemann mit der dafür notwendigen Verlegung der Kreisstraße nach Buggensegel. Die Baumaßnahmen wurden begleitet von einem ständigen Ringen, um die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten, der Bauherren und Angrenzer sowie der betroffenen Bürger unter einen Hut zu bringen. Der Straßenneubau ist abgeschlossen, die Maßnahmen der Erweiterung werden uns noch länger beschäftigen.

Von der Erweiterung profitiert aber nicht nur das Unternehmen.

Bei aller Kritik habe ich immer darauf verwiesen, dass die Maßnahme nicht nur einen Gewinn für die Firma darstellt, sondern tatsächlich auch einen großen Gewinn für die Gemeinde, da bei uns am Standort in Ahausen investiert wird. Und das auf lange Sicht. Es wird zusätzliche Arbeitsplätze vor Ort geben und es ist ein Betrieb, der hervorragend in unsere ländliche Struktur mit viel Obstbau passt.

Ortsvorsteher Jakob Krimmel: "Der Kindergarten in Ahausen ist sehr beliebt bei den Eltern, weil er familiär ist und nach der Pädagogik von Maria Montessori arbeitet. Die Erweiterung wird die Qualität sicherlich nicht beeinträchtigen."
Ortsvorsteher Jakob Krimmel: "Der Kindergarten in Ahausen ist sehr beliebt bei den Eltern, weil er familiär ist und nach der Pädagogik von Maria Montessori arbeitet. Die Erweiterung wird die Qualität sicherlich nicht beeinträchtigen." | Bild: Christiane Keutner

Was war noch wichtig für Ahausen?

Der Beschluss zur Kindergartenerweiterung. Nicht nur die Einwohnerzahl von Ahausen wächst, auch die Infrastruktur. Die Angebote vor Ort müssen angepasst werden und stärken somit unsere Ortschaft. Das ist besonders wichtig für das alltägliche Leben im Dorf und ganz besonders auch für das Leben von Familien und Kindern. Insgesamt muss man die Aufgaben, die Infrastruktur, aus Sicht der Gesamtgemeinde betrachten. Der Kindergarten in Ahausen ist sehr beliebt bei den Eltern, weil er familiär ist und nach der Pädagogik von Maria Montessori arbeitet. Die Erweiterung wird die Qualität sicherlich nicht beeinträchtigen.

Viele Bürger würden gerne in Ahausen wohnen und bauen. Gibt es Bewegung in der Planung von Baugebieten?

Ja, tatsächlich nimmt der Bebauungsplan „Hinterm Dorf III“ Richtung Ittendorf Fahrt auf. Im vergangenen Jahr konnte er auf den Weg gebracht werden, nachdem Ende 2017/Anfang 2018 der amtliche Bescheid vorlag, dass die Fläche nicht im Überschwemmungsgebiet liegt. Es werden dort rund 30 Bauplätze entstehen. Die Planungen sind im Gange, die Arbeiten zur Erschließung werden noch dieses Jahr begonnen und die Plätze dann 2020 bebaubar sein.

Wegen der Verlegung der Kreisstraße zu Zwecken der Erweiterung der Bodenseekelterei Widemann (im Hintergrund) mussten Anwohner und Autofahrer monatelang Umwege und Baulärm hinnehmen. Aber letztlich profitiert das Dorf.
Wegen der Verlegung der Kreisstraße zu Zwecken der Erweiterung der Bodenseekelterei Widemann (im Hintergrund) mussten Anwohner und Autofahrer monatelang Umwege und Baulärm hinnehmen. Aber letztlich profitiert das Dorf. | Bild: Christiane Keutner

Wie sieht es aus mit der Planung „Obere Mühle“?

Die Baugenehmigung ist erteilt, das baurechtliche Verfahren ist abgeschlossen. Es liegt nun in den Händen des Investors, wann er das Bauvorhaben umsetzt. Die Planungen laufen, wir sind in regelmäßigem Kontakt mit den Bauträgern.

Ökologie spielte 2018 ebenfalls eine Rolle und wird 2019 wegen Ausgleichsmaßnahmen wiederum thematisiert.

In 2018 wurde der Beschluss gefasst, dass die drei Bäche, die in die Seefelder Aach führen, umgestaltet und ökologisch aufgewertet werden sollen. Die erste Stufe wird dieses Jahr umgesetzt werden. Aufgabe ist es, die Gewässer so zu gestalten, dass Lebewesen neben Wohnraum auch Brutstätten beziehungsweise Laichplätze vorfinden und dass sie vom Bodensee flussaufwärts wandern können. Früher konnte man selbst im Bach des Bermatinger Oberwalds Forellen antreffen.

Einer der drei Bäche, die in diesem Jahr derart umgestaltet werden, dass Fische und andere Wassertiere bachaufwärts wandern können, Wohnraum und Brut-, beziehungsweise Laichplätze vorfinden.
Einer der drei Bäche, die in diesem Jahr derart umgestaltet werden, dass Fische und andere Wassertiere bachaufwärts wandern können, Wohnraum und Brut-, beziehungsweise Laichplätze vorfinden. | Bild: Christiane Keutner

Sind das Ausgleichsmaßnahmen für die Verlegung der Kreisstraße?

Nein, das Unternehmen Widemann hat auf eigenen Grundstücken für einen Ausgleich durch das Anlegen von Streuobstwiesen zu sorgen. Es wurde außerdem bereits eine Baumreihe entlang der Straße nach Buggensegel gepflanzt. Die Punkte des Ökokontos hingegen werden angespart, um zukünftige Maßnahmen ausgleichen zu können. Ein großer Vorteil an den Gewässermaßnahmen ist, dass sie mit geringem Flächenverbrauch eine sehr große ökologische Aufwertung bringen und nicht zu Lasten der Landwirtschaft gehen.

Was erwartet die Ahausener 2019 noch?

Neben dem Bebauungsplan „Hinterm Dorf III“ und den Maßnahmen im Rahmen des Ökokontos ist für Ahausen die Planung und der Bau des Radwegs nach Buggensegel von Bedeutung. Viele Kinder und Jugendliche besuchen das Bildungszentrum Salem oder verbringen Freizeit am Schlosssee. Auch das Schloss ist ein großer Anziehungspunkt. Bisher müssen Radler entweder einen Umweg über Bermatingen in Kauf nehmen oder auf der vielbefahrenen Straße fahren. Dann müssen wir uns auch Gedanken um den Zustand öffentlicher Gebäude machen, in Ahausen um das Rathaus, das vor kurzem einen Wasserschaden hatte. Hier gilt es auch Leitungen zu erneuern und für einen funktionierenden Brandschutz zu sorgen.

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Die Sparkassen-Zweigstelle im Rathaus ist zum Ende 2018 geschlossen worden. Wie soll der Raum künftig genutzt werden?

Wir werden uns erst Gedanken über die Sanierung machen und einen Überblick über die anfallenden Kosten verschaffen. Davon hängt auch die mögliche Nutzung der leerstehenden Räume ab. Es wird eine Nutzung sein, die die Infrastruktur von Ahausen bereichert, von der die Öffentlichkeit profitiert. Eine Wohnung wird dort sicher nicht entstehen. In den oberen Geschossen sind in einer Wohnung Flüchtlinge untergebracht. Drei weitere Wohnungen sind regulär vermietet und von langjährigen Mietern bewohnt. Das Miteinander funktioniert sehr gut.

Dieses Jahr wird ein neuer Ortschaftsrat gewählt und folglich auch ein Ortsvorsteher. Stellen Sie sich wieder zur Verfügung?

Das habe ich mir gründlich überlegt, Für und Wider abgewogen. Dafür spricht auf jeden Fall, dass ich die Arbeit als Ortsvorsteher sehr gerne mache, und für die Ortschaft und die Gemeinschaft etwas bewirken kann. Auf der anderen Seite nimmt das Amt sehr viel Zeit in Anspruch. Ich betrachte meine Arbeit auch kritisch und stelle fest, dass ich manchmal gerne mehr Zeit für die Aufgaben hätte, die ich angenommen habe. Die Erfahrung lehrt mich auch, dass man es nicht jedem recht machen kann, obwohl man das gerne möchte. Inzwischen bin ich der Auffassung, dass man genau den Weg gehen muss, der einem richtig erscheint, dafür bin ich schließlich gewählt worden. Dabei macht man sich nicht nur Freunde. Alles in Allem ist es für mich eine sehr erfüllende Aufgabe.

Gewässerschutz: 2018 fasste der Gemeinderat den Beschluss, dass die drei gemeindlichen Bäche – darunter auch der Mühlbach in Ahausen – umgestaltet und ökologisch aufgewertet werden sollen. Die erste Stufe der Umsetzung startet dieses Jahr. Die Gewässer sollen so gestaltet werden, dass Lebewesen künftig Lebensraum sowie Laich- und Brutplätze vorfinden. Die Kosten liegen bei etwa 200 000 Euro. Im Gegenzug darf die Gemeinde mit rund 160 000 Euro Fördergeldern rechnen.
Gewässerschutz: 2018 fasste der Gemeinderat den Beschluss, dass die drei gemeindlichen Bäche – darunter auch der Mühlbach in Ahausen – umgestaltet und ökologisch aufgewertet werden sollen. Die erste Stufe der Umsetzung startet dieses Jahr. Die Gewässer sollen so gestaltet werden, dass Lebewesen künftig Lebensraum sowie Laich- und Brutplätze vorfinden. Die Kosten liegen bei etwa 200 000 Euro. Im Gegenzug darf die Gemeinde mit rund 160 000 Euro Fördergeldern rechnen. | Bild: Jan Manuel Heß

Tendieren Sie dann eher zur Kandidatur oder nicht?

Da Wahlen anstehen, werde ich anhand der Stimmenzahl eine klare Rückmeldung von den Bürgern erhalten, wie sie meine Arbeit als Ortsvorsteher bewerten. Der Ortsvorsteher wird nicht direkt von den Bürgern gewählt, sondern vom neuen Ortschaftsrat. Wenn die entsprechenden Rückmeldungen aus den Wahlen und vom Ortschaftsrat kommen, werde ich das Amt von Herzen gern für weitere fünf Jahre übernehmen. Ich hatte einige Zeit gebraucht, bis ich in die Aufgaben des Ortsvorstehers hineingewachsen war und ich habe jetzt das Gefühl, dass ich einen guten Rhythmus gefunden habe. Aber ich klebe nicht am Sessel, eine Kampfkandidatur wird es mit mir nicht geben. Ich lasse die Wahlen in Ruhe auf mich zukommen, dann sehen wir weiter.

Wie auch immer die Wahlen ausgehen, es wird Veränderungen im Ortschaftsrat geben.

Ganz klar: einige Ortschaftsräte treten nicht mehr zur Wahl an. Wir werden uns neu aufstellen und finden müssen. Ein großes Anliegen ist es mir, dass die Arbeit weiterhin im guten Miteinander mit den Ortschafts- und Gemeinderäten funktioniert. Hier möchte ich auch die tolle Kooperation mit Bürgermeister Martin Rupp und dem Gemeinderat hervorheben. Im guten Miteinander erreicht man mehr als durch Konfrontation; das hat sich gerade auch bei unterschiedlichen Meinungen erwiesen.

Ein großes Anliegen ist Ihnen der Mühlbach. In diesem Jahr sind tausende Fische wegen Wassermangels verendet. Wird sich dieses Szenario 2019 wiederholen müssen?

Dass der Bach ausgetrocknet ist und dadurch viele Lebewesen nicht überleben konnten, war eine Katastrophe. Es gab einige Versuche, mehr Wasser in den Mühlbach zu leiten, die leider fehlschlugen. Die Mühlen mahlen langsam, auch beim Mühlbach, das kann man durchaus kritisch sehen. 2019 wollen wir das Thema neu und aktiv angreifen und eine gute Lösung finden. Das ist gar nicht so einfach: Es sind viele Ämter und Behörden beteiligt. Für die unterschiedlichen Belange muss ein Kompromiss gefunden werden; das gleicht ein wenig der Quadratur des Kreises. Mir ist der Mühlbach wirklich eine Herzensangelegenheit, es ist einfach wunderbar, einen schönen Bach im Dorf zu haben, er gehört zu unserer Identität. Ahausen würde wohl nicht existieren, wenn es den Mühlbach nicht gegeben hätte. Nur mit dem Bach konnten sich hier zwei Mühlen ansiedeln; sie waren Keimzelle und Motor unseres Dorfs.

Fragen: Christiane Keutner