In der Bertha-Benz-Schule in Sigmaringen wird eine Lernfabrik 4.0 eingerichtet. Diesem Vorhaben haben die Kreistagsmitglieder des Umwelt-, Kultur- und Sozialausschusses bei einer Sitzung im Landratsamt einhellig zugestimmt. Die Verwaltung ist somit beauftragt, die erforderlichen Vergaben zu tätigen. Haushaltsmittel in maximaler Höhe von 262 500 Euro würden im Haushaltsjahr 2019 bereitgestellt, erläuterte Finanzdezernent Franz-Josef Schnell vom Landratsamt im Gremium.

Somit leistet der Landkreis dem Förderaufruf des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Folge, im Rahmen der Landesstrategie digital@bw an beruflichen Schulen die Lernfabriken 4.0 zu fördern. „Es ist wichtig, am Puls der Zeit auszubilden und richtig ins Projekt einzusteigen“, warb Landrätin Stefanie Bürkle dafür. Es sei ein wichtiger Meilenstein zur Sicherung der zeitgemäßen Ausbildung für die örtliche Wirtschaft und es stärke den Landkreis Sigmaringen als Berufsschulstandort, so das Statement der Verwaltung.

Schulleiter Roth freut flexibles Modell

Beim ersten Förderaufruf zur Einrichtung von Lernfabriken 4.0 im Jahre 2015 hatte sich der Landkreis noch nicht beteiligt. In der nun vom Ministerium zweiten aufgelegten Tranche sind auch kleinere Lösungen ermöglicht worden. Genau das Richtige für die Bertha-Benz-Schule, die daraufhin einen Förderantrag gestellt hat. Projektstart sollte der 1. Januar 2019 sein. Deren Schulleiter Christian Roth machte im Gremium klar, wie wichtig für seine Schüler dieser Umgang mit dem vernetzten System sei und dass sie darauf üben könnten. „Wir haben nun ein kleineres Modell und das ist viel flexibler“, schwärmte er. Zudem habe seine Berufsschule ein Forschungsprojekt mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen angestrebt, an dem auch Mechatroniker der Bertha-Benz-Schule mitwirken. Roth: „Die Verzahnung mit der Wirtschaft ist vorgegeben – nur müssen wir erst einmal anfangen!“

Kreisräte reagieren positiv darauf

Für Wolfgang Sigrist, dem Bürgermeister von Sauldorf und CDU-Fraktionssprecher in diesem Ausschuss, ist klar: „Dieser Lernfabrik können wir uns nicht verschließen. Bildung ist unser Pfund. Da bleibt nichts anderes übrig, als mitzuziehen.“ Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Richard Gruber sieht den Transformationsprozess im Eiltempo voranschreiten. „Wir müssen beizeiten für die Ausbildungsanforderungen in heutiger Zeit aufgestellt sein.“ Christoph Stauß von den Freien Wählern hätte es allerdings gerne gesehen, wenn der kaufmännische Bereich darin mitintegriert worden wäre und nicht nur der technische Bereich. „Ich sehe das als Herausforderung an das zukünftige Berufsbild an.“ Die Landrätin entgegnete ihm daraufhin, dass es wohl noch eine dritte Runde des Ministeriums mit weiteren Berufsschulen geben dürfte.

Folgende Bildungsgänge für männliche und weibliche Auszubildenden profitieren in dieser größten Kreisberufsschule von der Lernfabrik 4.0: Mechatroniker, Industriemechaniker, Zerspannungsmechaniker, Elektrotechniker der Energie- und Gebäudetechnik und das Technische Gymnasium.

Intelligente Prozesse werden trainiert

Aus Erläuterungen von Claudia Baur von der Stabstelle Bildung und Schule geht hervor, mit welchen Bestandteilen die Lernfabriken aufgebaut sind: Mit einem Grundlagen-Labor zu digital gesteuerten Produktionsmodulen oder anderen vernetzten Geräten. Darin sollen Standardausgaben einer industriellen Fertigung simuliert und die Handhabung von vernetzten Geräten der Energie- und Gebäudetechnik vermittelt werden. An einem verketteten Maschinen- und Anlagesystem sollten intelligente Prozesse auf Basis realer Industriestandards trainiert und vernetzte Abläufe selbstständig gesteuert werden können. Dazu gehöre ein entsprechendes pädagogisches Konzept sowie ein Konzept zur Nutzung der Lernfabrik 4.0 als Demonstrationszentrum für die mittelständische Wirtschaft und andere Zielgruppen.

Unproblematischer Umzug zum Küchenäcker

Mit dem „Zwei-in-eins-Grundlagen-Labor“ und kleineren Einheiten als Anlagesystem habe die Berufsschule eine flexible Lösung entwickelt, sagte Schulleiter Roth und sah im Einklang mit der Kreisverwaltung einen weiteren Vorzug: Durch die mobilen Untereinheiten gäbe es keine größeren Umbaumaßnahmen. Beim Umzug ins neue Gebäude am Küchenäcker könnten diese Elemente problemlos mitgenommen werden. Da sich das Konzept auf Bedürfnisse der Industrie ausrichtet, erwartet die Schule eine positive Resonanz der Betriebe und deren Bereitschaft, die Co-Finanzierung von zehn Prozent der Kosten zu übernehmen.