Rund zwei Monate waren Alten- und Pflegeheime für Besucher geschlossen. Für viele Bewohner hieß dies eine Trennung von Partnern, Kindern, Enkeln oder Freunden. Am kommenden Montag dürfen sich Opa und Enkel, Mutter und Kind wieder sehen – aber nicht in die Arme schließen. Denn obwohl Besuche in den Einrichtungen wieder erlaubt sind, gelten strenge Regeln. Derweil versuchen die Einrichtungen, den Bewohnern die schwere Zeit zu erleichtern.

Augustinum Überlingen und Meersburg

In den beiden Seniorenresidenzen der Augustinum-Gruppe hat sich das Leben für die Bewohner durch die Corona-Krise drastisch verändert. Besuchsverbot, geschlossenes Restaurant, abgesagte Veranstaltungen. Stattdessen: Essen aufs Zimmer – unter Wahrung des Sicherheitsabstandes. Um den Bewohnern die schwere Zeit trotzdem etwas zu versüßen, seien Denksportaufgaben und Gymnastikübungen verteilt worden, außerdem habe es in beiden Häusern Gartenkonzerte gegeben, denen die Bewohner von ihren Balkonen aus lauschen konnten, so Matthias Steiner, Pressesprecher der Augustinum-Gruppe.

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Doch der persönliche Kontakt zu anderen blieb eingeschränkt. „Wir haben die Bewohner darum gebeten, nach Möglichkeit in der eigenen Wohnung zu bleiben und sonst den gebotenen Abstand einzuhalten“, so Steiner. Um dennoch nicht vollständig isoliert zu sein, sei es den Bewohnern ermöglicht worden, ihre Angehörigen über Telefonate, E-Mails und Videoanrufe zu erreichen. „Auch Briefe sind wieder in Mode“, so Steiner. Trotzdem würden die Bewohner das gemeinsame Mittagessen im Restaurant und auch das Kulturprogramm vermissen.

Der Eingangsbereich zum Augustinum Überlingen. In Zeiten von Corona gelten dort strenge Besuchsregelungen.
Der Eingangsbereich zum Augustinum Überlingen. In Zeiten von Corona gelten dort strenge Besuchsregelungen. | Bild: Hilser, Stefan

Während beides auch weiterhin nicht angeboten werden kann, sind Besuche ab dem kommenden Montag wieder erlaubt. Sie unterliegen jedoch strengen Regeln. So dürfen im Augustinum lediglich zwei Personen einen Bewohner besuchen. Termine gibt es nur nach telefonischer Absprache. Der Abstand von 1,5 Metern muss gewahrt bleiben. Mundschutz ist Pflicht. Wer Erkältungssymptome aufweist, darf das Augustinum nicht betreten.

Herzogin-Luisen-Residenz in Heiligenberg

Noch strenger sind die Regeln in der Herzogin-Luisen-Residenz. Hier darf ein Bewohner nur Besuch von einer Person am Tag erhalten. Neben Mundschutz müssen Besucher dort auch Handschuhe tragen. Auf direktem Weg geht es in das Zimmer des Bewohners. Dieses darf während des Besuchs auch nicht verlassen werden.

„Wir sind erst einmal zurückhaltend, denn es gilt die Bewohner vor einer Infektion zu schützen“, erklärt Patrick Schwarz, Pflegedirektor in der Einrichtung, die strengen Auflagen. In der Einrichtung und der Gartenanlage dürfen sich die Bewohner jedoch frei bewegen. Generell sei daher das Verständnis für die verhängten Maßnahmen groß. Natürlich gebe es immer auch Menschen, die kein Verständnis hätten. Das sei aber ein geringer Anteil.

Alten-und Pflegeheime St. Franziskus und St. Ulrich in Überlingen

Ähnliche Auflagen wie in den anderen Einrichtungen gelten auch in den beiden Häusern des Spital- und Spendenfonds Überlingen. Doch: Besuche sind dort auf eine Dauer von 30 Minuten begrenzt. Direkter Körperkontakt ist auch hier verboten. Heißt: Keine Umarmungen oder Küsse. Um den Bewohnern die Zeit seit dem Besuchsverbot so gut wie möglich zu gestalten, seien Angebote in Kleingruppen unter Wahrung des Mindestabstandes weiter angeboten worden, so die Pressestelle der Stadt Überlingen.

Auch beim Alten- und Pflegeheim St. Franziskus in Überlingen gelten strenge Besuchsregeln.
Auch beim Alten- und Pflegeheim St. Franziskus in Überlingen gelten strenge Besuchsregeln. | Bild: Magdalena Stoll

Alten- und Pflegeheim Wespach in Salem

Auch im Salemer Alten- und Pflegeheim sind Besuche auf 30 Minuten begrenzt. Die Besuchszeiten sind

von 14 bis 16 Uhr. In der Cafeteria dürfen maximal drei Bewohner gleichzeitig Besuch von zwei Personen empfangen, so Nico Miano, Verwaltungsleiter des Pflegeheims. Um zu verhindern, dass es zu direktem Körperkontakt zwischen Bewohner und Besucher kommt, sei Personal angehalten, auf die Einhaltung der Abstandsregelungen zu achte. „Ich kann verstehen, dass sich Bewohner und Besucher in den Arm nehmen wollen. Wir müssen aber sicherstellen, dass das Virus nicht in unser Haus kommt“, sagt Miano.

Besuche finden beim Alten- und Pflegeheim Wespach in der Cafeteria, im Bild unten, statt.
Besuche finden beim Alten- und Pflegeheim Wespach in der Cafeteria, im Bild unten, statt. | Bild: Alten- und Pflegeheim Wespach

Deshalb sensibilisiere das Personal vor jedem Besuch nochmal für die geltenden Regeln – so hart sie auch erscheinen mögen. Ganz isoliert waren die Bewohner des Wespach auch in den Wochen des Besuchsverbots nicht. Miano sagt: „Die Bewohner sind in Wohngruppen aufgeteilt. Darin wird auch weiter gegessen und die Pflegekräfte gehen regelmäßig mit den Bewohnern draußen spazieren.“ Besonders schwer sei das Besuchsverbot für diejenigen gewesen, die sonst immer viel Besuch hatten. „Da ist eine gewisse Spannung, die spüren wir alle. Dafür müssen wir ein Ventil finden“, so Miano. Und mit der Möglichkeit von Besuchen sei eines gefunden.

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