„Zwölf bis 14 Stunden bespielen und bespaßen ist der Wahnsinn.“ Katja Federle, Mutter vierer Kinder im Alter von eins bis acht Jahren, hat es derzeit alles andere als leicht: In Zeiten von Corona gilt es, den Nachwuchs den ganzen Tag über gleichzeitig zu beschäftigen. „Normalerweise hast du deine Kinder am allerwenigsten alle auf einmal“, sagt die 43-Jährige, die eine Verschnaufpause für Eltern befürwortet. Dennoch gewinnt sie der Krise auch positive Seiten ab: „Du hast nicht den Zeitdruck, deine Kinder von A nach B zu karren.“

Tage verlaufen jetzt völlig anders

Seit der Schulschließung ist die gelernte Goldschmiedemeisterin damit beschäftigt, sich von morgens bis abends um ihre Kinder zu kümmern. Das hat sie zwar schon vor der Corona-Krise gemacht, doch muss sie sich gegenwärtig zusätzlich verstärkt um ihre beiden ältesten Kinder Maurus (8) und Valentina (7), die sonst die dritte und erste Klasse der Wiestorschule besuchen, kümmern. Entlastung enthält sie abends von ihrem Mann Andreas. Etwa drei Mal in der Woche vormittags von ihrer Cousine („der rettende Anker“) und auf Zuruf auch von einer Nachbarin zur Schulaufgabenbetreuung. Dennoch: „Der Tag ist jetzt ein ganz anderer, man muss an ganz andere Sache zusätzlich denken“, sagt sie.

Der große Zeitdruck wie vor der Krise hat abgenommen

Als ein Vorteil bezeichnet sie es, „jetzt vielleicht ein bisschen in den Tag hineinzuleben“. Denn um 6 Uhr unbedingt aufstehen müsse nicht sein, es könne schon mal 7 Uhr werden. „Spätestens wenn Alegra maunzt“, damit meint Katja Federle ihr mit vier Monaten jüngstes Kind. Nach dem Aufstehen verspürt sie „keinen Stress, meine Kinder anzuziehen, was sonst morgens das Programm ist“. So kann es schon einmal passieren, dass die Haare ihrer Kinder nicht gekämmt sind – zu Schulzeiten sonst undenkbar.

Ab und an gibt es Schulfernsehen

Nach dem Frühstück heißt es für die vierfache Mutter, den Tag zu planen. Gegen 8.30 Uhr versucht sie, die erste Schulstunde für ihre beiden Älteren einzuläuten. Dann gibt es eine Pause und bis zum Mittag gibt‘s noch mal eine Stunde Unterricht, bis Papa für eine Dreiviertelstunde heim kommt. Nach dem Mittagessen wird nach Bedarf noch ein bisschen gelernt. Auch Schulfernsehen wird ab und zu angeboten. „Da muss ich aber dabei sitzen, damit meine Kinder das auch tatsächlich anschauen und nicht auf irgendwelche andere Sachen umschalten. Auch da bist du dementsprechend immer gefragt.“ Katja Federle bewältigt das Ganze, obschon Alegra mitunter pausenlos an ihr hängt und gestillt werden will. „Ja, das alles ist schon ein bisschen mühsam. Und Maxima läuft zurzeit irgendwie so nebenher.“ Damit spricht sie ihre vierjährige Tochter an, die sich „wohl gerade im Trotzalter befindet“.

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Reduziert werden muss derzeit die Bewegung. „Wir kommen natürlich nicht so viel raus am Morgen wie sonst“, erläutert Katja Federle. „Das merkt man den Kindern teilweise auch an.“ Das ändert sich aber am Nachmittag, wenn gespielt wird. Manchmal jedes Kind für sich allein, dann wieder zu dritt in einem Zimmer. Positiv sei, dass die Kinder jetzt auch schon mal zu dritt für eine kurze Zeit zuhause blieben, „da kann ich mir kurz die Füße vertreten“. Das gelingt ihr auch dann, wenn es bei schönem Wetter raus geht in die freie Natur. „Beispielsweise ans Wasser. Maurus baut für sein Leben gern und lange Staudämme.“ Währenddessen versucht Katja Federle ein bisschen zu relaxen. „Aber dann ist ja da auch noch die ganz Kleine, die schläft oder nicht schläft.“

Momentan befindet sich die 43-Jährige in Elternzeit. „Gottseidank. Ich habe somit kein Stress mit der Arbeit“, wie sie sagt. Ihre Nebeneinkünfte sind mittlerweile alle weggebrochen. Denn vor Corona war sie unter anderem an der Volkshochschule tätig, gab dort Kurse in Pilates, Yoga oder Bodyforming mit Faszientraining. Katja Federle: „Da das zurzeit nicht möglich ist, kann ich, ja muss ich immer zu Hause bleiben.“ Wie viele andere hat sie inzwischen die Möglichkeit entdeckt, von zu Hause aus ihren Unterricht per Videokonferenz anzubieten – natürlich in abgespeckter Version.

Verschnaufpause für Eltern wäre nötig

Zu bedenken gibt sie: „Wir Eltern brauchen eine Verschnaufpause, die Lage spitzt sich zu, die Nerven liegen blank.“ Sie fragt, ob jedes Kind ein eigenes Tablet benötige, um seinen Schulstoff abfragen zu können. Und: „Bekommen die Eltern vom Staat Zuschuss für Betreuung, Schulmaterial wie Drucker oder Tablet? Lehrer bekommen ihr volles Gehalt. Eine sehr ungerechte Situation.“

Offenbar im Hintertreffen bei den digitalen Medien

Sie ist der Meinung, dass es derzeit wenig vernünftiges Bildungsmaterial online gebe, auch die Lehrer verfügten ihrer Meinung zufolge „wohl über keinen konkreten Bildungsweg, wie sie mit den Schülern umgehen sollen“. Das Angebot umspanne die Bearbeitung von Aufgaben, gehe weiter über Digitales Klassenzimmer und über Videokonferenzen bis hin zum Unterricht per Telefon: „Der eine Lehrer kümmert sich total, der andere wieder nicht. Es gibt keine Einheit, wie im Moment der Unterricht gehandhabt wird“, sagt Katja Federle und fragt: „Liegen wir in Deutschland mit den digitalen Medien so im Hintertreffen?“

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Katja Federle freut sich aber, dass seit vier Wochen nun „ein kleiner Schimmer Entspannung am Horizont“ zu sehen sei: Spielplätze sind geöffnet, Kinder dürfen schrittweise wieder zur Schule und in den Kindergarten. Federle: „Was kommt ist aber fraglich. Es wird bestimmt sehr viel Arbeit und Zeit kosten, was die Organisation angeht.“ Und: „Die Zeiten werden nicht entspannter, nur anders.“

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