Mehr als 700 Bewerbungen waren bei der BGÜ für die ersten 81 Wohnungen eingegangen. Vergabekriterien sind laut Geschäftsführer Dieter Ressel unter anderem der Wohnort, der Arbeitsplatz, die familiäre Situation und das Einkommen der Interessenten.

Rohbauten für die nächsten 49 Wohnungen stehen bereits

„Lediglich eine Wohnung ist noch nicht vermietet“, sagte Ressel am Freitagabend: „Da sind die Interessenten wieder zurückgetreten.“ Indessen ist für Mitte Oktober schon der Einzug der ersten Mieter geplant. Die künftigen Bewohner gehörten zwölf verschiedenen Nationen und allen Bevölkerungsschichten an, erklärte der BGÜ-Geschäftsführer.

Die nächsten 49 Wohnungen sind schon im Werden, die Rohbauten dafür stehen ebenfalls schon. Sie sollen dann zur Jahreswende 2021/22 bezugsfertig sein. Wenn die Exposés für diese Wohnungen online sind, voraussichtlich im November, können auch dafür Bewerbungen abgegeben werden. Ein Formular findet sich auf der Internetseite der BGÜ.

Mitgliederversammlung in der Tiefgarage

Hautnah vom Baufortschritt überzeugen konnten sich die Genossinnen und Genossen, die sich zur 71. Mitgliederversammlung angemeldet hatten. Der ungewöhnliche Tagungsort Tiefgarage war auch den coronabedingten Einschränkungen und Hygienerichtlinien geschuldet. Und keiner habe damit gerechnet, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Wiest, dass ausgerechnet an diesem Tag der erste herbstliche Temperatureinbruch verzeichnet werden müsse.

Ein Novum in besonderen Zeiten: Die 71. Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft Überlingen (BGÜ) fand in der ersten neuen Tiefgarage des Großprojekts an der Anna-Zentgraf-Straße statt.
Ein Novum in besonderen Zeiten: Die 71. Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft Überlingen (BGÜ) fand in der ersten neuen Tiefgarage des Großprojekts an der Anna-Zentgraf-Straße statt. | Bild: Hanspeter Walter

„Rustikal unterwegs“ sah die BGÜ angesichts des Versammlungsorts auch Oberbürgermeister Jan Zeitler, der erstmals in diesem Rahmen präsent war. Doch da er sich von dem „wahnsinnig schönen Projekt“ insgesamt einen Zuwachs an „bezahlbarem Wohnraum“ in der Stadt versprach, ermunterte er die BGÜ gleich zu weiteren gemeinsamen Projekten.

Einfamilienhäuser in der Kernstadt seien künftig kaum noch realistisch, erklärte der Oberbürgermeister. Umso zukunftsträchtiger sei das neue Quartier mit seinen hohen energetischen Standards und seiner guten Infrastruktur.

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Sehr zufrieden mit der gesamten Entwicklung zeigte sich Geschäftsführer Dieter Ressel in allen Geschäftsfeldern. „Eine Abschwächung zeigte sich bei uns trotz Corona nirgends.“ Sowohl an der Zahl der Mitglieder als auch bei den gezeichneten Anteilen habe sich 2019 nur wenig geändert, da der Vorstand dies bewusst gebremst habe.

Schließlich wurden die Anteile auch für das vergangene Jahr wieder mit 4 Prozent verzinst und die BGÜ schüttete dafür rund 180 000 Euro ihres Überschusses aus. Nur wer eine Mietwohnung bezieht, kann derzeit auch Genossenschaftsanteile in Höhe von 155 Euro pro Stück erwerben.

Große Spanne bei Quadratmeterpreisen

In der Bewirtschaftung der Ende 2019 vorhandenen 501 Wohnungen stieg die durchschnittliche Miete von 7,04 auf 7,13 Euro pro Quadratmeter. Allerdings reicht die enorme Spanne bislang von 3,87 bis 11,02 Euro. Die exklusivsten neuen Penthouse-Wohnungen liegen noch etwas darüber. Die preiswertesten Wohnungen im Neubau beginnen bei 8,10 Euro pro Quadratmeter.

Umsatz aus Hausbewirtschaftung gestiegen

Ein „organisches Wachstum“ diagnostizierte Andreas Huther, der für die Finanzen zuständige nebenamtliche BGÜ-Geschäftsführer. Der Umsatz aus der Hausbewirtschaftung habe insgesamt mit 4,2 Millionen Euro um rund drei Prozent zugelegt, sagte er. Der Jahresüberschuss belaufe sich für 2019 auf rund 746 000 Euro.

Neben der Auszahlung der vierprozentigen Dividende, der die Genossen zustimmten, werden auch 476 000 Euro der Eigenkapitalrücklage zugeführt. Mit einem Volumen von 14,3 Millionen Euro sei die BGÜ angemessen ausgestattet. Wobei die Quote vor dem Hintergrund der neuen Investitionen von 36 auf 32 Prozent gesunken ist.

Das „Leuchtturmprojekt“ nimmt Gestalt an

  • Im Rahmen des vom Bund geförderten Modellprojekts klimaneutrales Stadtquartier 2050 ist Überlingen Kooperationspartner der Stadt Stuttgart, die bis 2023 das Areal des ehemaligen Bürgerhospitals neu gestaltet. Insgesamt 15 Partner, darunter mehrere wissenschaftliche Institute, sind beteiligt. Noch warten Beteiligte auf die letzten Förderzusagen des Wirtschaftsministeriums in Berlin.
  • Gute Noten für die geleistete Arbeit der BGÜ gab‘s vom Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Wiest, der den Genossen auch den Prüfbericht vortrug. Nach 39 Jahren aus dem Gremium verabschiedet wurde der Überlinger Fritz Krefeldt, dessen Engagement Wiest besonders hervorhob. Mit großer Ernsthaftigkeit, aber auch mit Humor habe Krefeldt die Arbeit stets begleitet und sei selbst die gute Seele in der Hohle Straße gewesen. „Wir bleiben in harmonischem Kontakt“, versprach Wiest. Als Nachfolger für Krefeldt wurde anschließend der Jurist Franz Dichgans gewählt. In ihrer Funktion bestätigt wurden die Aufsichtsratsmitglieder Mirko Glaeser, Hartmut Hueber und Conrad Huther.
  • Die Auftaktveranstaltung zum Kooperationsprojekt Stadtquartier 2050 hatte schon im April 2018 stattgefunden. Im September 2018 erfolgte der Spatenstich der BGÜ, die mittlerweile das erste und größte Drittel ihres Projekts schon realisiert hat. Bis vor Kurzem wartete die BGÜ als Investor allerdings noch auf die eine förmliche Förderzusage. Wobei sie in guter Gesellschaft mit Stuttgarter Investoren war beziehungsweise ist, wie Jürgen Görres, Leiter des Stuttgarter Umweltschutzamts und Gesamtkoordinator des Projekts, betont. Im Prinzip seien jedoch auch mit dem Wirtschaftsministerium jetzt alle Detailfragen geklärt. Die ausstehenden Zusagen seien für Oktober „fest angekündigt“, formuliert Görres vorsichtig. Darüber dürfte sich auch Andreas Huther freuen, der mit der Firma Puren auf eine Förderung des Einsatzes ganz neuer innovativer Produkte zu weiterer Energieeinsparung hofft.

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