Das Wintertheater ist tot, es lebe das Wintertheater. Nach diesem Motto zieht die Stadt nun ein neues Konzept aus dem Hut, das auf der Arbeit von Birgit und Oliver Nolte basiert und eine längere Kooperation in Aussicht stellt. Auch für das Sommertheater waren die beiden Schauspieler schon ins Gespräch gebracht worden. Doch es ist noch nicht lange her, da hätten die Noltes trotz ihres Erfolgs Überlingen fast den Rücken gekehrt.

Spagat zwischen Komödie und Anspruchsvollerem

"Wir waren gedanklich schon auf dem Absprung", räumt Oliver Nolte ein. Nicht weil es ihnen in Überlingen nicht mehr gefallen habe, zumal die Auslastung der Produktionen "meistens zwischen 90 und 100 Prozent" lag. Es sei eher der künstlerische Spagat zwischen den beliebten Komödien und den inhaltlich anspruchsvolleren Inszenierungen gewesen, bei dem sie Grenzen verspürt hätten.

Hamburger Kultursenatorin interessiert

So habe vor zwei Jahren die damalige Hamburger Kultursenatorin eine Vorstellung in Überlingen besucht und ihr Interesse signalisiert. Auch nach Berlin hatten die Noltes die Fühler ausgestreckt. Doch dann war Kulturchef Michael Brunner auf das Duo zugegangen. "Das war ein echter Zufall", sagt Oliver Nolte.

Mietvertrag um fünf Jahre verlängert

"Wir wollten Sie niemals an eine andere Stadt verlieren", betonte Oberbürgermeister Jan Zeitler beim Pressegespräch zu der Kooperation. Diese Chance bestärkte Noltes, ihren Mietvertrag für den Theaterkeller um fünf Jahre zu verlängern. Zugleich sehen Birgit und Oliver Nolte die Möglichkeit, ein kleines Ensemble aufzubauen. "Wenn man sich so positioniert wie Herr Zeitler und man hat das Gefühl, man ist gewollt, dann gibt das natürlich ganz andere Perspektiven", erklärt Oliver Nolte.

Zahl der Gastspiele schrumpfte auf drei

Nach den Anfängen des Überlinger Theaters 1967 im katholischen Pfarrsaal war der Kursaal zunächst Schauplatz für zehn Gastspiele pro Jahr, doch der Umfang schrumpfte über sechs auf zuletzt drei Termine. Vieles hatte Brunner ausprobiert, um dem Theater einen neuen Kick zu geben. Nur kurze Zeit hatte er mit modernen Inszenierungen experimentiert. Der Aufschrei unter dem damaligen Stammpublikum war groß. "Zwei Drittel der Abonnenten haben damals gekündigt." Selbst bei Dauerbrennern wie "Frühstück bei Tiffany" war der Kursaal nur zu 60 Prozent ausgelastet. Für zuletzt drei Theaterabende war ein Zuschuss von 15 000 Euro erforderlich.

OB: Studiotheater hat ganz besondere Qualität

Ungeachtet dessen hält OB Jan Zeitler die Überlinger für "kulturell sehr anspruchsvoll", Birgit und Oliver Nolte als eine ideale Antwort auf diese Herausforderung. Seit 2014 hätten sie ein Publikum über die Region hinaus begeistert. Das Studiotheater in dem "wunderbaren Keller" habe eine ganz besondere Qualität. Die Noltes hätten nicht nur großen Mut bewiesen, sondern auch eine große Leidenschaft an den Tag gelegt.

Walsers "Zimmerschlacht" als erste Inszenierung

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 2017 hatte Brunner schon das Totenglöcklein für das Theaterprogramm geläutet, um eine Festveranstaltung zu Martin Walsers 90. Geburtstag auf die Beine zu stellen. Gut, dass ausgerechnet Martin Walser 1967 mit der "Zimmerschlacht" ein Theaterstück für zwei Charaktere schrieb, das nach der Münchener Premiere mehr als zehn Jahre erfolgreich war. Wie geschaffen scheint es für Birgit und Oliver Nolte und man kann sich die beiden schon als Felix und Trude in diesem "Übungsstück für ein Ehepaar" vorstellen, wie Walser seine "Zimmerschlacht" untertitelt hatte.

Kooperation schafft Freiraum für Projekte

Dass sie Komödie können, haben Noltes nicht nur mit ihrer "Perlen"-Kette bewiesen. Aber: "Wir möchten auch anspruchsvolle Themen aufgreifen", betont Oliver Nolte, "und suchen immer eine gute Mischung." Dass die kreativen Köpfe auch hochkarätige Herausforderungen annehmen und individuell gestalten, bewiesen sie mit dem Faust und dem Jedermann, die eher am anderen Ende der Ernsthaftigkeitsskala angesiedelt sind als Loriot. Der verlängerte Mietvertrag und die Kooperation mit der Stadt eröffnen den Schauspielern mehr Freiraum für neue Projekte und der Stadt neue kulturelle Perspektiven.