Regine Wolf-Hauschild wohnt gerne im Augustinum. Seit 2012 ist sie mit ihrem Mann im Überlinger Seniorenstift zuhause. Schon ihre Mutter lebte hier. Auf das nächste Jahr blickt sie jedoch mit Sorge. Grund ist das vor kurzem vorgestellte Verkehrskonzept für die Landesgartenschau, das eine deutliche Belastung für die Augustinum-Bewohner mit sich bringen wird. Das Konzept sieht vor, dass im Ausstellungsjahr ein P+R-Platz für rund 900 Autos auf dem Kramer-Areal entsteht. Am Wochenende stellt die Firma Diehl zusätzlich ihre 500 Stellplätze zur Verfügung. Die Reisebusse werden auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei in der Nußdorfer Straße geparkt. Shuttle-Busse werden die Besucher zwischen Parkplatz, Uferpark und den kleineren Ausstellungsflächen umherfahren. Vom Kramer-Areal führt die Strecke über die St.-Ulrich-Straße, den ZOB und den Kapuziner zum Uferpark und über Landungsplatz und ZOB wieder zurück – also immer vorbei am Augustinum beim Auerbuckel. Betroffen sind auch mehrere Wohngebiete und das Altenheim St. Ulrich.

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"Über die Verkehrsführung während der Landesgartenschau sind wir als Bewohner des Augustinum gar nicht glücklich", sagt Regine Wolf-Hauschild. "Wenn wir uns vorstellen, dass Busse vom ZOB nach Absetzen der LGS-Besucher zur Straßenmeisterei fahren und wieder zurück, die Autos vom ZOB oder Aufkircher Tor, weil sie nicht weiter kommen, denselben Weg nehmen und dann noch der Busshuttle vom P+R-Platz zu den Eingängen der LGS und zurück – alles über St.-Ulrich-Straße und Auerbuckel an zwei Altenheimen vorbei – dann können Sie sich vorstellen, dass das ein Horrorszenario für uns Bewohner ist." So sieht es auch Tobias Heemann. "Über einen Shuttleverkehr direkt am Haus sind wir und unsere Bewohner im Augustinum natürlich nicht glücklich", teilt der Stiftsdirektor mit. "Wir stehen deshalb bereits im Kontakt mit der Stadt und mit den Veranstaltern über eine mögliche alternative Wegführung."

Auf dem Parkplatz des Kramer-Areals sollen während der Landesgartenschau 700 bis 1000 Autostellplätze bereitgestellt werden.
Auf dem Parkplatz des Kramer-Areals sollen während der Landesgartenschau 700 bis 1000 Autostellplätze bereitgestellt werden. | Bild: Deck, Martin

Diese alternative Wegführung strebt auch der Verkehrsausschuss an. In der Sitzung am Montagabend plädierten die Mitglieder dafür, den Shuttleverkehr nicht nur über die Innenstadt, sondern auch teilweise über die B31-alt zum Uferpark und zurück zu leiten. So könnten die Busse etwa in den Abendstunden, wenn die Besucher direkt zu ihren Autos wollen, über die Bundesstraße zurück zum P+R-Platz fahren, schlug Günter Hornstein (CDU) vor. "Dann hätten wir es etwas entzerrt." Er erhielt Unterstützung von den Vertretern der anderen Fraktionen. Udo Pursche (SPD) regte zudem an, die Reisebusse direkt von der B 31 an Busparkplatz an der Straßenmeisterei zu leiten und zu verhindern, dass diese zunächst den ZOB ansteuern und anschließend ebenfalls über St.-Ulrich-Straße und Auerbuckel in die Nußdorfer Straße fahren. "Es ist klar, dass es mehr Belastung für jeden wird. Aber es muss nicht mehr sein als nötig."

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Ulrich Krezdorn (CDU) warnte zudem vor einem "Exitus am Friedhofkreisel", wenn die Lippertsreuter Straße wie geplant ab dem Kreisverkehr in Richtung Innenstadt gesperrt wird. Auch glaube er, dass es sich in Bahnhofstraße stauen wird, wenn die vielen Fußgänger die Straße queren. Baubürgermeister Mattias Längin wies diese Bedenken zurück. "Natürlich wird es am Anfang noch Optimierungsbedarf geben, aber das wird sich einpendeln." Die beiden ersten Anregungen wolle er hingegen intensiv prüfen: "Ich glaube, dass sich niemand einem sinnvollen Vorschlag verschließen wird."

Die Lippertsreuter Straße wird während der Landesgartenschau ab dem Kreisverkehr am Friedhof gesperrt. Von dort aus kommen Autofahrer nur noch bis zum Parkhaus Mitte.
Die Lippertsreuter Straße wird während der Landesgartenschau ab dem Kreisverkehr am Friedhof gesperrt. Von dort aus kommen Autofahrer nur noch bis zum Parkhaus Mitte. | Bild: Deck, Martin

Allerdings: Ein Mitspracherecht haben die Gemeinderäte nicht. Das Verkehrskonzept ist Teil eines Sicherheitskonzepts für die LGS und die Planung liegt bei übergeordneten Behörden sowie beim Veranstalter. Und der sieht nur noch wenig Spielraum für Veränderungen am Konzept. "Das Gerüst steht aus unserer Sicht fest, weil es die Variante ist, die mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt ist", teilt LGS-Geschäftsführer Roland Leitner mit.

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Dass die Shuttlebusse über die B 31-alt direkt zum Uferpark und zurückgeleitet werden, hält er für "eher nicht" umsetzbar. "Die Busse fungieren als Art Sammeltaxi, das die Besucher sowohl am ZOB als auch an der Blumenhalle/Kapuziner rauslässt oder aufnimmt. Das ist ein zusätzlicher Nutzen des Shuttles, daher sollte die Streckenführung wie geplant erfolgen." Man könne allenfalls darüber nachdenken, die Busse in der Hauptanreisezeit, also am Vormittag, auf der Rückfahrt über die B 31 zu lenken. Auch wolle er prüfen, ob bei Großveranstaltungen in den Abendstunden eine Rückfahrt über die Bundesstraße möglich ist. "Das wäre ein theoretisches Modell, halten wir aber für schwierig, weil wir mit dem Busshuttle bei unseren Besuchern eine Verlässlichkeit brauchen, auch in der Kommunikation."