Hinter dem Überlinger "Sankt Ulrich", nach dem eine Straße und – derzeit noch – ein Altenheim benannt sind, verbirgt sich kein Heiliger, sondern eine Geschichte von Judenhass und -vernichtung. Der Verein "Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch in Überlingen" schlägt deshalb nun der Stadtverwaltung vor, Ergänzungstafeln unter den sechs Straßenschildern anbringen zu lassen. Der erklärende Text auf den Tafeln, die der Verein bezahlen würde, soll lauten: "Den Knaben Ulrich fand man 1332 tot in dieser Straße. Überlinger Christen beschuldigten die Juden als Täter und ermordeten über 300 Juden aus der Stadt. Die Überlinger verehrten Ulrich als Heiligen und errichteten ihm eine Kapelle. Dieses Schild erinnert an die jüdischen Opfer von 1332."

Den Verein, dessen Vorsitzender Oswald Burger in seinen historischen Stadtführungen seit vielen Jahren die wahre Geschichte Ulrichs erzählt, beschäftigt das Thema bereits seit langem. Die Zusatztafeln, so meint der Verein nun, würden eine aufwändige Umbenennung der Straße überflüssig machen. Von einer Namensänderung des Alters- und Pflegeheims, das in rund zwei Jahren geschlossen und an anderer Stelle neu gebaut werden soll, könne man für die begrenzte Zeit seines Bestehens absehen. Als Tag für die öffentliche Enthüllung dieser Schilder, so denn die Stadt dem Vorhaben zustimme, schlägt der Verein den Europäischen Tag der Jüdischen Kultur am 2. September diesen Jahres vor.