Einen Märchenabend der besonderen Art erlebten die Besucher beim Programm "Der Wunderrabbi" im Jugendzentrum "Die Rampe" in Nußdorf. Revital Herzog verzauberte das Publikum mit jüdischen Anekdoten, Erzählungen und Witzen. Begleitet wurden ihre Erzählungen von ihrem Akkordeonspiel. Klezmermelodien und Balkantänze schwankten zwischen Melancholie und Lebensfreude und bereicherten die Gefühlsklaviatur, auf der die jüdische Künstlerin spielte.

Ihr erzählerisches Talent hat Revital Herzog von ihrem Großvater Djalaal geerbt, der in Tel Aviv lebte. In seinem Kiosk und im heimischen Wohnzimmer erweckte er die Märchen aus Tausendundeine Nacht zum Leben. "Mein Opa hat seine eigenen Märchen erfunden, sie dauerten mindestens eine Woche", erinnerte sie sich. Diese Tradition des Geschichtenerzählens führt Revital Herzog nun weiter. In ihrem 90-minütigen Programm lauschten die Zuschauer beinahe wie auf dem heimischen Sofa andächtig ihren Erzählungen.

Viele ihrer Geschichten handeln von dem Rabbi Baal Schem Tov. Während er in einer Geschichte einen Schuldner von seinen Lasten erlöst, der seinen Schuldschein nach seinem plötzlichen Tod als wiedergeborenes Pferd einlöst, berichtet Herzog in einer anderen Geschichte von der Heilkraft des Rabbis, der mithilfe von Wodka sogar Tote wieder erwecken konnte. "Die Geschichten gehen ans Herz", resümierte Besucherin Carina Neu. Besonders die Geschichte einer Begegnung der jüdischen Globetrotterin Herzog mit einem ägyptischen Polizisten habe sie berührt. Mit der Rückbesinnung auf den gemeinsamen Stammvater Abraham und einem Shalom kann Herzog einen Konflikt verhindern.

Nach ihrem Studium in Jerusalem arbeitete Revital Herzog als Kunstlehrerin an einer Grundschule. Als sie Jahrzehnte später einen ehemaligen Schüler wiedertrifft, kann sich dieser noch genau an sie erinnern. "Statt uns zu bestrafen, haben Sie uns Märchen erzählt": Die Antwort des Schülers scheint Herzog noch heute zu rühren.

Ihre Familie blicke auf viele Schicksale zurück, erzählt Revital Herzog: Ihr Vater stammt aus dem heutigen Kroatien. Während seine Familie in Konzentrationslager deportiert wurde, kam er allein nach Israel. Die Familie habe eine Strategie entwickelt, mit dem erfahrenen Unglück umzugehen: "Humor – Wir haben gelernt, über uns zu lachen", erklärte Herzog, die seit 1984 in Deutschland lebt. Neben den nachdenklichen Geschichten bringt sie das Publikum mit scharfsinnigen Witzen zum Lachen.