Die Ölbergkapelle an der Münstertreppe ist ein ebenso elementarer wie markanter Bestandteil des zentralen Kirchenensembles. Entstanden ist sie am Ende des 15. Jahrhunderts – etwa zur gleichen Zeit, als einen Steinwurf entfernt der historische Ratssaal fertiggestellt und mit den zahlreichen handgeschnitzten Figuren weltlicher und kirchlicher Obrigkeit dekorierte wurde. Seit den 1970er Jahren waren an dem auf- und anfälligen Bauwerk aus Sandstein keine Instandsetzungsmaßnahmen mehr vorgenommen worden, wie Beate Maier vom Erzbischöflichen Bauamt in Konstanz und Restaurator Ricardo Itta bei der Vorstellung der jüngsten Sanierungsmaßnahmen betonten.

Mit viel Fingerspitzengefühl haben Denkmalpflege, Bauherrschaft und Restaurator sich 2016 auf ein Konzept verständigt. Die umfangreichen Arbeiten waren im Vorjahr schon abgeschlossen worden. Anlass für die aktuelle Präsentation war die Übergabe der offiziellen Bronzetafel durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die das rund 150 000 Euro teure Projekt mit 40 000 Euro unterstützt hatte. Weitere 28 000 Euro seien direkt vom Land gekommen, sagt Wolfgang Sessler von der Verrechnungsstelle der Diözese in Pfullendorf. Die verbleibenden 82 000 Euro müssten vom Ordinariat und dem Münsterbauverein gemeinsam getragen werden.

Wolfgang Meinhardt aus Villingen übergab die Plakette jetzt an Bernhard Kitt, der als Stiftungsrat der katholischen Münstergemeinde den erkrankten Pfarrer Karl-Heinz Berger vertrat. Der Zeitpunkt passte ganz gut zu Ostern, schließlich ist das biblische Thema Ölberg da ganz präsent. Die Denkmalstiftung bekomme keinen einzigen Cent öffentliche Gelder, sagte Meinhardt, und könne derlei Vorhaben nur durch Spenden fördern und die Gelder, die die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg aus Mitteln der Lotterie "Glücksspirale" zur Verfügung stelle.

Deren Regionaldirektor Frank Eisele erinnerte alle Spieler daran, dass ihr Einsatz – selbst wenn sie selbst bei der Lotterie leer ausgingen – stets ein Gewinn für den Erhalt von historischen Bauten und damit die Kulturgeschichte des Landes sei: "Das Geld ist also immer sinnvoll angelegt." Die Toto-Lotto GmbH führe täglich mehr als 1 Million Euro an das Land Baden-Württemberg ab, skizzierte Eisele die bemerkenswerten Dimensionen. Von den 28 Millionen Euro, die das Land im Vorjahr selbst in den Denkmalschutz investierte habe, stammten 24,8 Millionen aus dem Wettmittelfonds. Drei Millionen seien zudem an die Stiftungen geflossen.

Gefördert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz würden insbesondere Kulturdenkmäler, erklärte Wolfgang Meinhardt, darunter seien neben öffentlichen auch private Bauten. "Überlingen ist hier ein beliebtes Ziel", sagte er. Es gebe viele Denkmäler und man kenne die Wege zur Förderung gut. Neben Goldbacher Kapelle und Kapuzinerkirche habe auch der Ostbahnhof schon dazu gehört. Auch technische Denkmale in der Region seien unterstützt worden. Dazu gehöre unter anderem die Sauschwänzlebahn oder am Bodensee die historische Fähre "Konstanz", die lange vor Überlingen gedümpelt hatte.

Seit der letzten Sanierung waren an der Ölbergkapelle vielfältige Schäden entstanden. Die aufsteigende Feuchtigkeit, insbesondere das eingedrungene Salz, sorgten für Mauerwerksabplatzungen in der Sockelzone, Verwitterungen und Rostsprengungen waren ebenfalls diagnostiziert worden. An den dünnen Elementen des Zaunes sei der Mörtel teilweise ganz abgeplatzt gewesen und das Metallskelett zutage getreten, erklärt Restaurateur Itta. "Im Sockelbereich haben wir nicht ganze Steine ausgetauscht", betont Beate Maier vom Erzbischöflichen Bauamt, "sondern das alte Bestandsmaterial so weit wie möglich erhalten und nur fehlende Teile ergänzt oder alte Ergänzungen ersetzt." Dabei hat der Restaurator die gleiche Mörtelmischung verwendet wie vor rund 40 Jahren die Firma Sebastiani. Zurückhaltend war man bei den Farben. "Wir wissen, dass die Christusfigur insgesamt schon fünf verschiedene Fassungen erhalten hat", erklärt Maier. "Diese Mal haben wir allerdings lediglich die vorhandene Reste gereinigt und konserviert." Künftig wolle man das Bauwerk in kürzeren Zeitabständen regelmäßig unter die Lupe nehmen, um vor allem die Schäden am Sockel nicht mehr so massiv werden zu lassen. "Ganz verhindern kann man sie sicher nicht", sagt Beate Maier.

Ölbergkapelle

Die Ölbergkapelle befindet sich an der Südseite des Münsters auf einem exponierte Plateau und fällt daher von verschiedenen Seiten markant ins Auge. Sie war 1469 von der Überlinger Witwe Elsbeth Küfferin gestiftet worden. Ausgeführt wurde das Bauwerk jedoch erst 1493. Es handelt sich bei der Ölbergkapelle um einen offenen Pavillon, in dessen Zentrum Christus als monumentale Statue beim Gebet am Ölberg zu sehen ist. Das sternförmige Gewölbe wird von acht Stützen getragen, das oktogonale Dach ist mit grün glasierten Ziegeln eingedeckt. Die Christusfigur wird Lorenz Reder zugeschrieben. Die Andachtskapelle zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zuletzt war der anfällige Sandstein von der Firma Sebastiani in den 1970er Jahren restauriert worden.