„Ich habe mein Leben auf den Kopf gestellt, alle Weichen umprogrammiert“, sagt Oliver Kühr, gebürtiger Überlinger. Sein Künstlername lautet Oliver Kyr. „Ich habe meinen ersten Spielfilm gedreht und fünf Bücher herausgebracht. Vor allem aber: Ich habe meine innere Stimme gefunden und beschlossen, den Rest meines Lebens mit ihr zu verbringen.“

Oliver Kühr machte 1990 sein Abitur in Überlingen. Und Überlingen brachte auch eine entscheidende Wende auf seinem Weg: Beim 25-jährigen Klassentreffen im vergangenen Jahr offenbarte ihm eine ehemalige Klassenkameradin, dass sie ihn immer schon als Geschichtenerzähler gesehen habe. Oliver Kühr fragte sich: „Wie habe ich das nur verloren?“ 18 Jahre lang war er als erfolgreicher Werbefilmer mit eigener Agentur in Stuttgart unterwegs, tätig für große, international agierende Konzerne. Hektik, Stress, Zeit- und Erfolgsdruck und dann plötzlich der Schnitt – Burn-out.

Mit ihrem Wohnmobil ist die Familie unterwegs.
Mit ihrem Wohnmobil ist die Familie unterwegs. | Bild: Privat

Nach der Therapie krempelte Kühr schließlich sein Leben grundlegend um, begann Bücher zu schreiben, dazu gehörten elementares Nachdenken über den Tod, den Sinn des Lebens und die Suche nach sich selbst. Sein Buch „Rendezvous mit Eve“ (2010) und dessen Verfilmung „The big Black“ machen den Menschen Mut, auf ihre innere Stimme zu hören und das Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen anstatt nur „gelebt zu werden“.

Oliver Kühr ist seit 2014 auch im Vorstand des Deutschen Verbandes für Burnout-Prophylaxe und Prävention engagiert. Es geht ihm darum, das Ausgebranntsein als Neuanfang zu begreifen, als Rückbesinnung auf die ureigensten Werte. Er will den Betroffenen helfen, wieder Fuß zu fassen. Im Oktober 2015 tauscht er Wohnung, Hab und Gut gegen ein Wohnmobil ein und zieht seitdem mit seiner Frau Tatjana und der dreijährigen Tochter Bonnie durch Europa – nicht um Urlaub zu machen, sondern als engagierter „Story-Nomade“, um von Menschen und Projekten zu erzählen, die unsere Welt besser machen können.

In der Interviewsammlung „Childrens Cosmos“ befragt der Überlinger Kinder in ganz Europa zu ihrem Leben, ihren Hoffnungen, Sehnsüchten, ihrem Leid und ihren Sorgen. „Wir sind in der Verantwortung für unsere Kinder, diese Welt so zu gestalten, dass wir sie ihnen eines Tages guten Gewissens übergeben können“, sagt Olver Kühr mit Nachdruck. Er will den Kindern Europas eine Stimme geben. Kinderkosmonauten nennt er sie. Sie sehen die Realität unverstellt, ehrlich und berührend klar, den Erwachsenen ausgeliefert, angewiesen auf unsere Vernunft und Entschlossenheit, alles zum Besseren zu wenden. „Ich erzähle alles dem lieben Gott“ sind die letzten Worte eines Fünfjährigen im syrischen Bürgerkrieg, bevor er seinen Verletzungen durch Granatsplitter erliegt.

In seinem Video-Blog „Pegasus Pow Wow“ teilt Oliver Kühr seine Begegnungen und Erfahrungen auf den Reisen inzwischen mit Tausenden Menschen auf der ganzen Welt. Als „Pegasusfamilie“ unterstützen sie in vielen Ländern Projekte, indem sie vor Ort mithelfen, darüber berichten, dokumentieren, Videos und Promotionsmaterial produzieren. So unterstützt er zum Beispiel die „Fattoria delle Coccole“ (Kuschelfabrik) am Comer See, ein großer Gnadenhof für Tiere. In der Vivantes-Klinik im Friedrichshain (Berlin) sollten die Ärzten den Kindern bei der Behandlung erklären, was sie genau tun und vor allem warum – Abbau von Schwellenangst und die Fähigkeit, sich in den anderen hineinversetzen zu können, Achtung und Respekt auf Augenhöhe. Auch seine Frau Tatjana wirkt aktiv an den Projekten mit. Sie hat eine erfolgreiche Karriere in der Beauty-Branche aufgegeben, um sich ganz den neuen Zielen der Familie zu widmen. Es ist ihr ein Anliegen, den Menschen die Vorteile von veganer Rohkost nahezubringen. Sie bietet Workshops und entsprechendes Catering an.

Buchvorstellung

Premiere des neuen Buches von Oliver Kyr in Überlingen ist am Dienstag, 27. Dezember, 19 Uhr, im Andreashof (bei Deisendorf). Sein neues Buch "Ascheland" wurde auf der Buchmesse Frankfurt bereits vorgestellt. Der Autor liest aus seiner Geschichte und signiert im Anschluss die Originalausgabe.

Inhalt: Deutschland, 2023, fünf Jahre nach dem Untergang der bekannten Welt. Zacharias Brandt wandert mit seiner dreibeinigen Hyäne Else durch das postapokalyptische Mitteldeutschland. Die wenigen Überlebenden sind weit verstreut. Er begegnet Menschen, die ihm neue Perspektiven aufzeigen, Hoffnung geben. Kann er sein Misstrauen überwinden, kann er jemals wieder an die Menschen glauben? (eni)