"Un Gelato al limon" – das klingt verführerisch nach Sommer. Ein Sommer, der für den italienischen Cantautore und Jazzmusiker Paolo Conte im Jahr 1979 mit gleichnamigem Lied, das die Melancholie des wehmütigen Blues, wenn der warme, wohltuende Sommer entschwindet, einfängt, den Durchbruch bedeutete. Ein Lied, das dem Wahl-Rheinländer Konrad Beikircher aus Südtirol und seinen Frankfurter Musikerfreunden den Titel eines abendfüllenden Programms wert war. Beikircher singt Conte, nicht nur Paolo, auch seinen Bruder Giorgio – voller Leidenschaft und mit ein wenig Ehrfurcht.

Mit viel Liebe und Respekt zum Original

Der gebürtige Südtiroler und seine Band übertrafen bei ihrem Auftritt bei "Kultur am Kapuziner" bei Weitem die Erwartungen des Überlinger Publikums im Glaspavillon. Die Texte der Conte-Brüder vermitteln Atmosphäre, sie wirken melancholisch, bisweilen kritisch und handeln von Liebschaften, Sehnsuchtsorten, eigenwilligen Menschen, wobei sie stets mit einem lakonischen Augenzwinkern versehen sind. Ad hoc ist dem Publikum die unverwechselbare, heiser dahin genuschelte Stimme im Ohr, die Paolo Contes Songs die spezielle Note verleiht. Beikircher intoniert sie mit viel Liebe und Respekt zum Original.

Paolo Conte, in der norditalienischen Weinstadt Asti geboren, studierte zunächst Jura, um die Kanzlei seines Vaters zu übernehmen. Nebenher war er mit Liedern erfolgreich, die er für andere – wie Adriano Celentano – schrieb. Eine Prise Jazz, eine Prise Sentimentalität, eine Prise Nostalgie und viel italienisches Temperament. Aber auch die Liebe zu südamerikanischen Rhythmen, was sich in Liedern wie "In den Fängen der grünen Melonga" ausdrückt. Es ist die Welt der schummrigen Hotelbars, wo zu spätmitternächtlicher Stunde getanzt und gesungen wird. Ein Rezept, das seit Jahrzehnten funktioniert. Auch am Kapuziner.

Publikum ist begeistert

Doch zurück nach Italien: Mit "Bartali" schrieb Paolo Conte Musikgeschichte. Der Song erinnert an den erfolgreichsten und populärsten Radrennfahrer Italiens, der mehrfach den Giro d'Italia gewann. Gino Bartali fuhr mit zwei Schläuchen um den Hals – heute unvorstellbar, plaudert der radsportbegeisterte Beikircher aus seinen Erinnerungen. Den Wortlaut eines jeden Liedes übersetzt der gebürtige Südtiroler vorab. Man merkt dem Mann mit der kernigen Stimme und den ergrauten Haaren an, dass ihm der Abend selbst ungeheuren Spaß bereitet. Doch nicht nur ihm, auch seiner Begleitband, bestehend aus Matthias Raue (Bratsche, Violine, Gesang), Hanns Höhn (Kontrabass) und Thomas Humm (Akkordeon), scheint der Auftritt immens Freude zu bereiten. Ungern ließ sie das Publikum nach der Zugabe von der Bühne, manch einer hätte zu gerne noch ein wenig länger der samtenen Stimme und den begleitenden Akkorden gelauscht, die wie eine weiche Welle wohlig durch die Zuschauerreihen rollten.