Da über den Winter keine Ausgrabungen möglich waren, haben die Archäologen erst in dieser Woche wieder mit der Arbeit begonnen. Sie sind dabei auf mindestens vier menschliche Skelette und mehrere noch nicht zuordenbare Knochen gestoßen. Bislang gibt es aber noch keinen eindeutigen Beleg für das Alter der Knochen.

Die Anordnung der Knochen und die Ost-West-Ausrichtung deuten jedoch auf einen christlichen Friedhof hin. Für Stadtarchivar Walter Liehner eine überraschende Erkenntnis: "Es waren bislang mehrere Friedhöfe in Überlingen bekannt, der hier ist aber neu", sagt er mit Blick auf die Ausgrabungen in der Zahnstraße. Seine Vermutung: Die Knochen stammen aus der Zeit des 13. oder 14. Jahrhunderts, als die Menschen noch in Altdorf oberhalb des Sees lebten, ehe sie die Stadt Überlingen am See gründeten. "Das ist für mich etwas Herausragendes."

 

Joachim Wahl, Archäologie-Professor vom Landesamt für Denkmalpflege in Hemmenhofen, hält diese Erklärung für "sehr plausibel. Es ist sehr gut denkbar, dass die Knochen hier schon 800 Jahre liegen." Für die Stadtgeschichte wäre dies eine bedeutende Erkenntnis. "Bislang stochern wir aber noch im Nebel", sagt Walter Liehner. Um das Alter der Knochen endgültig bestimmen zu können, müsste eine oder mehrere Proben mit einer Radiocarbonmethode untersucht werden. "Ich werde ich mich dafür einsetzen, dass die Stadt die Kosten dafür übernimmt", sagt Liehner.