Seinen Vorschlag, im Münster die Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr 1250 Jahre Überlingen abzuhalten, habe er dem Oberbrgermeister bei seinem Antrittsbesuch gemacht, sagte der neue katholische Stadtpfarrer Bernd Walter im Gemeinderat, wo er keinen eigenen Tagesordnungspunkt füllte, sondern die Bürgerfragestunde nutzte, um sein Anliegen vorzutragen. „Das Münster hat tausend Sitzplätze und alle sitzen im Trockenen“, sagte Walter. Doch habe er dann beim Mittagessen kaum mehr schlucken können, als er gehört habe, dass dies einstimmig abgelehnt worden sei.

6000 Katholiken

Er spreche nicht nur als Pfarrer für rund 6000 katholische Kirchenmitglieder, sondern auch für die anderen christlichen Konfessionen. Wobei er wisse, dass eine ebenso große Gruppe konfessionell überhaupt nicht gebunden sei.

Überlingen, die Stadt und ihr Münster. Wie gehören sie zusammen?
Überlingen, die Stadt und ihr Münster. Wie gehören sie zusammen? | Bild: Hilser, Stefan

Stadt und Kirche getrennt?

Bei Nikolaustagen, Patrozinium und Dreikönigstrunk habe er gemerkt, „hier in Überlingen sind wir als Stadt und Kirche so eng verwoben, dass man das nicht so einfach trennen kann“. Trennung von Kirche und Stadt sei zwar ein „moderner Begriff“, doch „wir sind ja nicht in Frankreich“. Die christlichen Kirchen seien bei der Vorbereitung des Jubiläums nicht einbezogen worden, kritisierte der Pfarrer.

OB: Keine Abstimmung im Rat

Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte, dass es keine Abstimmung des Gemeinderats gegeben habe, nur nichtöffentlich ein Stimmungsbild pro Kursaal. „Ich weiß Ihr Angebot sehr zu schätzen“, sagte er. Doch wolle er insofern widersprechen, als dass die Kirchen und das Münster durchaus am Stadtjubiläum teilhaben sollten. Er wünsche sich einen ökumenischen Gottesdienst. Abgesehen davon seien zahlreiche zusätzliche Veranstaltungen im Münster geplant. Zeitler: „Daher bitte ich einfach, etwas die Schärfe aus der Diskussion herauszunehmen.“

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Lenski: Der Pfarrer wurde „abgewürgt“

In einem späteren Tagesordnungspunkt sagte Gemeinderätin Marga Lenski, dass sie „unglücklich über die Geschichte mit Pfarrer Walter„ sei. Man solle überlegen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, dass man aufeinander zugeht.“ Walter sei „abgewürgt worden“ bei seinem Vortrag in der Bürgerfragestunde. „Das hätte man großzügiger handhaben können.“ Sie wünsche sich einen großen ökumenischen Gottesdienst und stellte die Frage, ob es einen übergreifenden Arbeitskreis gebe, „wo man über solche Dinge spricht“. Lenski: „Oder schwätzt man aneinander vorbei?“

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Wiedemer-Steidinger: „Kirche ist massiv eingebunden“

Der städtische Fachbereichsleiter Raphael Wiedemer-Steidinger widersprch: „Die Kirche bringt sich ein, wir haben viele Veranstaltungen in der Kirche.“ Vor allem auch in Zusammenhang mit der Landesgartenschau, die ja auch im nächsten Jahr stattfindet. „Unter anderem gibt es ein ökumenisches Kirchenschiff.“ Außerdem sagte er: „Wir haben die Kirche sehr massiv eingebunden.“ Deshalb habe ihn die „Schwarz-Weiß-Betrachtung“ von Pfarrer Walter „sehr irritiert“.

OB: „Nicht abgewürgt“

Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte, an Lenski gewandt: „Abgewürgt wurde er nicht. Ich denke, ich war freundlich zu ihm.“ Alle Kirchen seien eingeladen sich einzubringen. Ein ökumenischer Gottesdienst wäre mir das allerliebste.

Lothar Fritz: Wichtiger Ort unserer Identität“

Lothar Fritz, Stadtrat der CDU, sagte: „Das Münster ist als zentrales Bauwerk der Stadt zu sehen, mit einer (wenn man die Vorgängerkapelle hinzuzählt) 1000-jährigen Geschichte. Sie war keine Bischofskirche, sondern eine Kirche der selbstbewussten Bürgerschaft. Sie wäre der richtige Ort für die Eröffnungsfeier gewesen, an einem wichtigen Ort der Identität unserer Stadt.“

Siemensmeyer: Gemeinsam etwas entwickeln

Bernadette Siemenesmeyer (LBU/Die Grünen) sagte: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Stadt und die Kirche aktiv miteinander sprechen.“ Die Ökukmene könne man in das Stadtjubiläum gut integrieren und gemeinsam mit Kirche und Stadt etwas entwickeln.