Auf ein „sehr intensives Jahr“, wie er sagt, blickt Bürgermeister Oliver Gortat zurück. „Das Jahr 2020 wird sicherlich so intensiv weitergehen, wie das Jahr 2019 aufgehört hat“, blickt er voraus. Dabei verweist er insbesondere auf die Rathaussanierung, die im August abgeschlossen sein soll. Um noch etwas Puffer einzuplanen, werde die Verwaltung aber erst Anfang Oktober, nach der offiziellen Einweihung des Rathauses beim Dorffest im September, von der Grundschule an ihren angestammten Ort umziehen. „Da freue ich mich wirklich drauf.“ 

Rathausplatz für Feierabendhock nutzen

Sein Ziel sei es dann, den Rathauskeller für private Feiern auszugestalten und dem Rathauspatz wieder Leben einzuhauchen. Seine Vision, die im Gemeinderat aber noch thematisiert werden müsse: dass man den Rathausplatz mit Stehtischen für Gespräche und etwas Musik zu einer Art Feierabendhock nutzen kann. Oliver Gortat findet: „Einen Versuch wäre das wert.“

Personalsituation nach Weggang von Kämmerer einige Monate schwierig

Der 33-Jährige blickt auch auf die personelle Situation im Rathaus, nachdem langjährige Mitarbeiter wie Kämmerer Ewald Geßler das Team verlassen hatten. Ein paar Monate habe man die Situation mit dem Personalstamm überbrücken müssen, bis im September Sabrina Girrbach als Fachbereichsleiterin Finanzen ihre Stelle angetreten habe. „Das Warten hat sich gelohnt, weil Frau Girrbach exzellent ins Team passt und exzellente Arbeit an den Tag legt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Jugendliche bauen Jugendtreff in Eigenleistung um

Ebenfalls als „ganz tolles Erlebnis“ bezeichnet Gortat das zweite Jugendforum in April, „weil wir eine sehr engagierte Jugend hier im Ort haben“. Aktuell bauen die Jugendlichen den Jugendtreff in Eigenleistung um.

Tagesbetreuung zur Entlastung pflegender Angehöriger?

Wichtig ist ihm der Arbeitskreis Wohnen und Leben im Alter. „Wir gucken nicht nur auf die Jugend, sondern tatsächlich auch auf unsere ältere Generation.“ Die ortsnahe Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen sei in der Silberdistel zumindest bis Ende des Jahres gesichert. Hier müsse man sich die Frage stellen, wie es weitergeht. Der Gemeinderat habe im Vorjahr einen Bebauungsplan Sondergebiet ausgewiesen, „damit dort nicht einfach eine Wohnbebauung hinkommt“.

Das könnte Sie auch interessieren

Aktuelle Kommunikation mit Silberdistel „sehr dürftig“

Die aktuelle Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Verantwortlichen der Silberdistel bezeichnet der Rathauschef als „sehr dürftig“. Im Arbeitskreises denke man jetzt an das Angebot einer Tagesbetreuung, um pflegende Angehörige entlasten zu können.

„Optimistisch“ über neuen doppelseitigen Blitzer an der Seestraße

Ein weiteres Thema ist die Seestraße beziehungsweise alte B 31. Bereits im Vorjahr war der Tempo-30-Bereich vom Bahnhof bis zum Ortsschild Richtung Überlingen verlängert worden. Ein großer Wunsch der Anwohner sei eine doppelseitige stationäre Geschwindigkeitsmessanlage. Dazu führt Gortat derzeit Gespräche mit der Straßenverkehrsbehörde in Überlingen. „Ich bin sehr optimistisch gestimmt, dass wir hier eine Zusage bekommen.“ Bei positivem Ausgang erwartet der Bürgermeister eine Realisierung Mitte des Jahres.

Die Renovierung des 1669 erbauten Rathauses beschäftigt die Gemeinde schon länger. Die Sanierung kostet rund 4,3 Millionen Euro, mit der Fertigstellung wird im August gerechnet. Im Rahmen des Dorffestes am 12. und 13. September ist die offizielle Einweihung geplant.
Die Renovierung des 1669 erbauten Rathauses beschäftigt die Gemeinde schon länger. Die Sanierung kostet rund 4,3 Millionen Euro, mit der Fertigstellung wird im August gerechnet. Im Rahmen des Dorffestes am 12. und 13. September ist die offizielle Einweihung geplant. | Bild: Holger Kleinstück

Ferienwohnungen und damit auch die neuen Doppelhäuser im Breitenweingarten ansprechend, sagt der 33-Jährige, dass hier je eine Doppelhaushälfte fest vermietet sei, unter anderem an Familien mit Kindern, was die örtliche Infrastruktur unterstütze. „Und das ist ja auch das Ziel. Es geht nicht darum, bestehende Ferienwohnungen abzubauen, sondern keine neuen Ferienwohnungen aktuell zuzulassen.“ Daher habe man die Zweckentfremdungssatzung erlassen. Weil die Doppelhäuser vermietet seien, ist Gortat überzeugt, dass die neuen Häuser nicht komplett als Ferienwohnungen genutzt werden.

Nur noch Bürger und ihre Gäste dürfen im Ortskern parken

Und wie sieht es aus mit dem Parkplatzproblem? Es sei „wirklich eine Katastrophe, wie unser Ort in den Sommermonaten zugeparkt wird“, antwortet Gortat. Ihm ist es wichtig, dass im Ortskern künftig nur noch Bürger sowie deren Gäste mit Einwohnerparkausweis und Gästekarte parken dürften. Damit solle auch verhindert werden, dass Badegäste in der blauen Zone länger als zwei Stunden parkten, indem sie zu ihren Autos laufen und die Parkscheibe verbotenerweise vorstellen.

„Mehr verträgt unsere Uferlandschaft halt nicht“

„Wenn die bewirtschafteten 300 Parkplätze voll sind, dann sind auch die Uferpromenade und das Naturbad voll. Mehr verträgt unsere Uferlandschaft halt nicht.“ Die Tagesgäste müssten dann auf Fahrrad oder öffentlichen Nahverkehr umsteigen. „Schlussendlich besteht dann keine Möglichkeit mehr, in den Ort ausweichen. Hier müssen wir jetzt handeln.“ Dazu sei eine Bürgerinformationsveranstaltung geplant.

„Gehe nach wie vor gern zur Arbeit“

Nach wie vor ist Oliver Gortat, der sein Amt 2017 angetreten hat, gern Bürgermeister, wie er sagt. Das Bürgermeisteramt und grundsätzlich der Öffentliche Dienst würden jedoch immer unattraktiver. Er gehe aber nach wie vor jeden Tag gern zur Arbeit. „Und wenn es mal einen Tag in der Woche ist, bei dem man denkt, mal lieber zu Hause bleiben zu wollen, ist das meiner Ansicht auch noch in Ordnung.“

Bürger bringt Anliegen sonntags an der Haustür vor

Ein negatives Schlüsselerlebnis sei ein Sonntag im Frühling gewesen, an dem ein Bürger ihm einen Besuch abgestattet habe: Dieser sei zunächst irritiert gewesen angesichts seiner legeren Kleidung und habe dann sein Anliegen vorgetragen. „Es muss nicht sein, dass man deswegen sonntags bei mir vorbeikommt“, sagt Gortat. „Das können unsere Bürger dann montags im Rathaus tun.“

Ein Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse im Jahr 2019

Januar

  • Der zweite Neujahrsempfang findet großen Anklang. Josef Dichgans (CDU) wird für mehr als 34 Jahre als Gemeinderat ausgezeichnet. Er war 2018 zurückgetreten.

Februar

  • Die Renovierung des Glockenturms der katholischen Kirche St. Martin und St. Georg wird abgeschlossen.

März

  • Gemeinderat Manuel Müller (Die Linke) scheidet aus dem Gremium aus, weil er wegzieht. Sein Nachfolger wird Lothar Popp.
  • Vertreter des Zweckverbandes Bodensee-Wasserversorgung informieren im Gemeinderat über das Auftreten von Wasserverlusten.

April

  • Der Gemeinderat stimmt der Wahl von Mike Erdenberger zum neuen Kommandanten der Feuerwehr und Mirko Schirmeister zum Stellvertreter zu. Karl-Heinz Biller hatte das Amt des Kommandanten nach 20 Jahren abgegeben.
  • Beim zweiten Jugendforum werden mit Laura Graser, Luna Brand und Hanna Kasan erstmals Jugendsprecher gewählt.

Mai

  • Das Hafenmeistergebäude wird in Betrieb genommen und das neue DLRG-Ausbildungsboot getauft.
  • Bei der Kommunalwahl werden vier neue Kandidaten in den Gemeinderat gewählt. Fünf der zwölf Sitze gehen an die CDU, sieben an die Freien Wähler.

Juni

  • Tausende Menschen bestaunen an Fronleichnam den längsten Blumenteppich im Bodenseekreis.
  • Die Begrenzung auf Tempo 30 wird im Bereich des Bahnhofs ganztägig und beidseitig Richtung Überlingen verlängert.
  • Der TSV Sipplingen feiert seinen 100. Geburtstag.

Juli

  • Bei schönstem Wetter wird das Dorffest gefeiert.
  • Die ausgeschiedenen Gemeinderäte werden verabschiedet und die neuen Räte verpflichtet.
  • Die Hörspielkirche startet zum siebten Mal: Bis 1. September werden täglich zwei Hörspiele in der evangelischen Jakobuskirche aufgeführt.

August

  • Unter dem Motto Sipplinger Alpennacht wird der Seezauber in den Uferanlagen gefeiert.
  • Die beiden Bushaltestellen bei der Süßenmühle erhalten Straßenlaternen mit Solarmodulen.

September

  • Sabrina Girrbach tritt ihre Stelle als neue Leiterin des Fachbereichs Finanzen an. Sie ist Nachfolgerin von Ewald Geßler, der fast 20 Jahre in der Kämmerei tätig gewesen war und im Juni zur Stadt Meersburg wechselte.
  • Zwei Notrufsäulen werden von der Björn-Steiger-Stiftung und dem DLRG-Landesverband am Naturbadestrand und am Badestrand an der Süßenmühle auf Höhe der Einfahrt zur Wasserversorgung installiert.

Oktober

  • Der Gemeinderat stimmt einem 1,50 Meter breiten Radfahrschutzstreifen an der B 31-alt vom Bahnübergang bis zum Ortsende und Radpiktogramme von Überlingen kommend bis zum Bahnübergang zu.

November

  • Beim zweiten Bürgertag seht wieder soziales Engagement im Mittelpunkt: Blutspender und vier Bürger werden geehrt.
  • Der Gemeinderat beschließt, die Bodenseecard West (BCW) zum 1. April 2020 einzuführen.

Dezember

  • Jahreskonzerte der Musikkapelle Sipplingen und des Gesangverein Hohenfels Sipplingen.
  • Die Außenanlage des Kinderhauses Kleine Raupe sowie der Verbindungsweg zwischen Jahnstraße sowie St.-Martin-Straße sind fertig. Lediglich der Zaun muss noch angebracht werden.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.