Es brodelt spürbar bei den Bürgern in Salem und die Sorge vor einem Verlust an wertvollen Böden und Landschaft nach Fortschreibung des Regionalplans scheint um sich zu greifen. Wie sonst ließe sich erklären, dass bei strahlendem Frühlingswetter am helllichten Samstag gut 70 Interessierte zu einer Informationsveranstaltung des Grünen-Ortsverbands kamen. Größtes Konfliktpotenzial birgt der aktuelle Vorschlag, die verfügbaren Flächen im Gewerbegebiet in Richtung Buggensegel auf 27,9 Hektar (einschließlich des aktuellen Bestands) zu erweitern. "Wir möchten gemeinsam mit Ihnen nach kreativen, nachhaltigen, umweltverträglichen, zukunftsorientierten und naturschonenden Lösungen suchen", hatte Vorsitzende Hedi Christian im Vorfeld die Zielsetzung beschrieben.

Dass die Latte damit recht hoch liegt, offenbarte sich schon in der Einführung des Häfler Parteikollegen Matthias Klemm, der selbst Mitglied des Regionalverbands ist und den Gedankenaustausch moderierte. Dass die Materie ebenso komplex wie heikel sei, machte Klemm vorweg deutlich. "Eigentlich beginnt die offizielle Anhörung erst, wenn der Entwurf fertig ist", sagte Klemm, womit erst im Herbst zu rechnen sei. Doch je früher man sich mit dem Thema befasse desto besser, betonte er und benannte die geplante Höherstufung von Salem vom Klein- zum Unterzentrum als Knackpunkt. "Was bedeutet das konkret?", stellte Klemm eine wichtige Frage in den Raum. Unter anderem die Genehmigungsfähigkeit von großflächigem Einzelhandel mit mehr als 800 Quadratmetern, nannte Regionaldirektor Wilfried Franke einen Punkt. Die Zielsetzungen der Planung, die sich auf Siedlungsstrukturen, Freiräume, Standorte und Trassen der Infrastruktur beziehen müssten, basierten auf Fakten, Zahlen und Prognosen des statistischen Landesamts, sagte Franke. Aufgrund des Flächenengpasses und des Siedlungsdrucks seien Zielkonflikte zwischen der gewerblichen Entwicklung und der Nutzung bester landwirtschaftlicher Böden vorprogrammiert, sagte Franke. Deshalb wolle man die meisten Gewerbeflächen in den Landkreisen Sigmaringen und Ravensburg ausweisen. Ein Plus in Salem sei, dass es an der Bodenseegürtelbahn liege.

"Die Dinge sind kompliziert, es ist eine schier unlösbare Aufgabe", sagte Gemeinderätin Ulrike Lenski von der grünen offenen Liste (GOL). Dennoch sei eine Entwicklung mit dieser vorgesehenen Verdichtung "für Salem nicht angemessen". Die Gemeinde bekomme die zweitgrößte Gewerbefläche im Bodenseekreis nach Friedrichshafen. Vor dem Hintergrund der Arbeitsplatzdichte sei dies überhaupt nicht vertretbar. Intelligentere Planungen und intensivere Nutzungen der zur Verfügung stehenden Flächen forderte Ulfried Miller, BUND-Regionalgeschäftsführer, aus Ravensburg. Dies gelte nicht nur für Wohn- und Gewerbeflächen, sondern auch für eine Doppelnutzung von Parkplätzen und Straßen mit Photovoltaikanlagen, statt damit großflächig landwirtschaftliche Böden zuzupflastern. Diese hätten hier "mit über 60 Bodenpunkten höchste Qualität und sind nahezu steinfrei", sagte Landwirt Hubert Einholz. Laut ministeriellen Vorgaben solle auf solchen Flächen "eine Fremdnutzung ausgeschlossen werden", zitierte Einholz. Doch seien gerade hier viele traditionelle bäuerliche Betriebe betroffen. Gleichzeitig würden von Verbrauchern immer stärker "regionale Produkte" gefordert. Dies alles sei nicht vereinbar.

Zum Gewerbe

Gemeinderat Peter Frick (CDU) sagte: "Wir sind ein bisschen scheinheilig unterwegs." Auf der einen Seite werde der Flächenverbrauch beklagt, auf der anderen Seite werde kritisiert, "wenn vierstöckig gebaut wird." 80 Prozent der Gewerbebetriebe seien einheimisch, ihnen gelte es eine Entwicklung zu ermöglichen.Karl Rothvom BUND Salem kritisierte die Ausweisung Salems als "Unterzentrum" mit Zahlen. Derzeit sei es noch Kleinzentrum und habe nicht einmal die dieser Kategorie entsprechende Arbeitsplatzdichte erreicht. So sei diese nach Angaben des Verkehrsministeriums in Salem von 2004 bis 2014 von 72 auf 53 zurückgegangen. Das aktuelle Soll für ein Kleinzentrum liege dagegen schon bei 80, führte Roth aus.