58 Schüler an der Schule Schloss Salem sind in Quarantäne. Sie hatten mit dem Salemer Mediziner Martin Diesch Kontakt, der an Covid-19 erkrankt und unter anderem für das Internat tätig ist. Am vergangenen Donnerstag erfuhr Gesamtleiter Bernd Westermeyer von Dr. Diesch, dass er Symptome an sich festgestellt hat und einen Test machen wird.

„Wir haben dann zunächst vorsichtshalber die komplette Schule in einen Lockdown versetzt“, berichtet Westermeyer. „Die Konfirmation, die am Wochenende hätte stattfinden sollen, wurde abgesagt.“ Obwohl schon Verwandte von den Kindern angereist waren. Auch sein Sohn sei von der Absage betroffen gewesen, sagt Westermeyer. Doch die Eltern hätten letztlich sehr verständnisvoll reagiert.

Kollegen übernehmen Vertretung

Kurze Zeit später war klar: Martin Diesch hat Covid-19. „Ich habe eher wenig Symptome„, erzählt er im SÜDKURIER-Gespräch. Seine Patienten hat er zum großen Teil bereits telefonisch erreicht und sie über die aktuelle Situation informiert. Auf seiner Internetseite ist ein Hinweis veröffentlicht, dass seine Praxis geschlossen ist. Mehrere Kollegen haben die Vertretung übernommen.

Bis nächste Woche in Quarantäne

Die behördlich angeordnete Quarantäne für Diesch dauert bis zum 17. Oktober. Seine Angestellten müssen aufgrund der Inkubationszeit, dabei handelt es sich um den angenommenen Zeitraum zwischen Kontakt mit dem Krankheitserreger und möglichen ersten Symptomen, etwas länger ausharren. Laut Diesch dauert ihre Quarantäne bis 22. Oktober.

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Der Mediziner nimmt an, dass er sich entweder bei einem Patienten oder einem Taxifahrer angesteckt hat, der mit Symptomen – Diesch spricht zum Beispiel von Husten – arbeitete. Aber man könne es eigentlich nie so genau sagen, erklärt der Mediziner zur Infektionskette.

Die Schüler, die nun in Quarantäne sind, hatte er untersucht und/oder gegen die Grippe geimpft. Schulleiter Bernd Westermeyer sagt: „Er hat die ganze Zeit über Maske und Handschuhe getragen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, sich angesteckt zu haben.“ Auch die Schüler trugen Mund-Nasen-Masken.

Schüler in Klassen 5 bis 10 betroffen

Die Regeln für solch einen direkten Kontakt sind jedoch klar: Es wird Quarantäne angeordnet. An der Schule Schloss Salem soll sie Stand Montagnachmittag 14 Tage dauern, also seit dem zurückliegenden Freitag bis 23. Oktober. Pünktlich zu den Herbstferien wird die Quarantäne überstanden sein. Zwei Mal ist für die betroffenen Schüler der Klassen 5 bis 10 ein Test auf Covid-19 angesetzt. Einen haben sie bereits hinter sich.

Bis Montagnachmittag wurde keine Erkrankung nachgewiesen. Auch nicht bei Mitarbeitern der Schule. Westermeyer geht davon aus, dass das so bleibt. Die Schüler, die nicht zu ihren Eltern konnten, sind für die Quarantäne in drei Internatsflügeln untergebracht. Die Schüler aus diesen drei Flügeln sind innerhalb eines Tages extra umgezogen. „Die Schüler waren so nett, ihre Zimmer zu räumen“, berichtet der Schulleiter: „In der Krise zeigt sich wirklich der Wert der Schulgemeinschaft.“

Laptops ermöglichen Unterricht

Über Laptops würden die Schüler am regelmäßigen Unterricht beteiligt und erhielten zusätzlich Unterlagen, so Westermeyer. Beim Backen, Kürbis schnitzen oder Tischtennis spielen können sie sich etwas von ihrer derzeitigen Lage ablenken. Betreut werden die Kinder dabei von ihren Mentoren. „Sie sind zum Teil erst zehn Jahre alt. Sie sollen merken, dass sie nicht eingesperrt sind“, sagt Westermeyer.

Rest des Internats im Normalbetrieb

Der Rest der Schüler der Internatsschule wird im Normalbetrieb unterrichtet und versorgt. Die Mitarbeiter wurden zuerst informiert. Die Eltern und Schüler danach. Von der Quarantäne erfuhren sie gleichzeitig. Auch die Schüler der Oberstufe, die an den Überlinger Standorten lernen und leben und nicht betroffen sind, wurden mit einbezogen. „Es war mir wichtig, dass die ganze Schule den gleichen Sachstand hat“, erläutert Westermeyer.

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Ebenso sollten Eltern und Schüler nicht irgendetwas aus den Sozialen Medien erfahren, sondern die „sachliche Information“ von der Schulleitung bekommen. Denn: Es kommt offenbar schnell zu Gerede. Dem SÜDKURIER waren beispielsweise Gerüchte über eine Erkrankung eines ganz anderen Arztes zugetragen worden. Dabei hat dieser nichts mit den Geschehnissen in Stefansfeld zu tun. Sowohl Westermeyer als auch der tatsächlich erkrankte Mediziner Martin Diesch werben deshalb im Gespräch darum, besonnen zu reagieren.

Größere Übung mit „viel Adrenalin“

Viel Unterstützung gab es für die Schule Schloss Salem vonseiten des Landratsamtes. Westermeyer sagt, dass etwa die Tests für die Schüler mithilfe des Gesundheitsamtes organisiert wurden. „Die Mitarbeiter hatten es bisher nicht mit so viel potenziell erkrankten Kindern zu tun“, so der Schulleiter.

Die Quarantäne beschreibt er als „absurd realistische Übung mit viel Adrenalin“, die Erfahrung an sich als „eher positiv“. Westermeyer: „Wenn es gut ausgeht, war es für uns eine größere Übung.“ Über eine solche hatte der Krisenstab an der Schule noch wenige Tage zuvor gesprochen. „Wir wollten mal einen Corona-Fall durchspielen. Jetzt wissen alle Bescheid.“ Der Gesamtleiter freut sich dabei insbesondere über die Solidarität der Schüler untereinander und das Vertrauen der Eltern gegenüber der Schule.

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