"Halt, Stopp. Wer nach Drostbritanien einreisen will, muss erst ein Visum kaufen." Diese Worte hört jeder, der bis Samstag auf das Gelände des Droste-Hülshoff-Gymnasium will. Für vier Tage wird die Schule zum Staat. "Drostbritannien ist eine Wortschöpfung aus Droste und Großbritannien, weil auch unser Staat eine konstitutionelle Monarchie ist", erklärt Lotta Lenski, die im Staat die Funktion der Public-Relations-Managerin innehat.

Angela Stanecker lässt sich ein Henna-Tattoo von Franka Lenski auf die Hand malen.
Angela Stanecker lässt sich ein Henna-Tattoo von Franka Lenski auf die Hand malen. | Bild: Lorna Komm

Premiere liegt sechs Jahre zurück

Das Projekt findet zum zweiten Mal statt. Da die Premiere aber bereits sechs Jahre zurückliegt, ist es für die aktuellen Schülerjahrgänge und auch für einige Lehrer Neuland. "Natürlich soll es in erster Linie Spaß machen", erklärt Lenski, "aber es gibt auch einen immensen Lerneffekt." Wirtschaftliche und politische Zusammenhänge sollen praktisch vermittelt werden. Die Firmeninhaber tragen zusätzlich ein unternehmerisches Risiko. 10 Euro Gründungskapital musste jeder einzahlen. Die Verkäufer an den zahlreichen Imbissständen kauften die Lebensmittel aus eigener Tasche und hoffen nun, nicht auf ihren Kosten sitzen zu bleiben.

Bettlerin Edeltraud (Diana Ruf) macht drauf aufmerksam, dass bargeldloser Zahlungsverkehr nicht allen guttut.
Bettlerin Edeltraud (Diana Ruf) macht drauf aufmerksam, dass bargeldloser Zahlungsverkehr nicht allen guttut. | Bild: Lorna Komm

Eigene Staatsfahne und Verfassung

Rund ein Jahr dauerten allein die Vorbereitungen hinter den Kulissen. Parteien wurden gegründet, eine Verfassung formuliert, eine Staatsfahne entworfen, eine Website erstellt. Bis zu 20 Schüler aller Jahrgänge trafen sich dazu einmal wöchentlich zur Planung oder zur Verteilung der Berufe. Wie im richtigen Leben, mussten die Schüler sich bewerben, um Polizist, Richter oder Banker zu werden. Für das Königspaar gab es mehrere Anwärter.

Auch Hochzeiten sind möglich im Staate Drostbritannien: Sophie Walser und Patrick Petri trauten sich.
Auch Hochzeiten sind möglich im Staate Drostbritannien: Sophie Walser und Patrick Petri trauten sich. | Bild: Lorna Komm

Chemielehrer Henning Kopf schrieb ein Computerprogramm für die benötigten Anwendungen. So werden damit unter anderem die Einreise und Ausreise in den Staat dokumentiert, schließlich haben die Schüler mindestens sechs Stunden Anwesenheitspflicht. Auch die kompletten Zahlungsvorgänge einschließlich Steuerabzug werden in dem Programm verarbeitet.

Zahlungsverkehr spielt große Rolle

Ein ganzes Team von Bankern und Wirtschaftsprüfern hat sich im Chemieraum versammelt, um das Kapital zu verwalten. Mira Eickhoff, eine der Hauptorganisatorinnen, erläutert die Vorgänge: Die Firmen verdienen ihr Geld, müssen aber auch Steuern entrichten, um die Beamten zu entlohnen, schließlich sollen alle Schüler Geld verdienen können. Allein 900 Euro Lohnkosten werden dafür veranschlagt. "Sollte der Staat Gewinn machen, geht der Überschuss in die Kasse der Schülermitverwaltung oder es wird für ein soziales Projekt gespendet", informiert die Schülerin.

Amelie Jürgens, Matilda Gutcke, Maemi Schmeh und Ann-Christine Schmid (von links) führen mit ihrem Café "Beach Days" einen der vielen gastronomischen Betriebe im Schüler-Staat.
Amelie Jürgens, Matilda Gutcke, Maemi Schmeh und Ann-Christine Schmid (von links) führen mit ihrem Café "Beach Days" einen der vielen gastronomischen Betriebe im Schüler-Staat. | Bild: Lorna Komm

Das Volk zahlt mit Stracks

Zwar hat der Staat auch eine eigene Währung, die sogenannten "Stracks" – eine Namensgleichheit mit Schulleiter Phillip Strack ist nicht rein zufällig – doch in Drostbritannien zahlt man bargeldlos. An jedem Verkaufsstand steht ein Laptop und die Kunden zahlen mit Karte und Pin-Code. Bettlerin "Edeltraud" (Diana Ruf) macht dazu mit dem Schild "Bargeldloses Zahlen tötet mich" auf die Verlierer der elektronischen Zahlungsweise aufmerksam. Not leiden muss sie aber nicht. Es käme immer wieder jemand vorbei und frage, ob sie etwas brauche.

Auch Hochzeiten sind möglich im Staate Drostbritannien: Sophie Walser und Patrick Petri trauten sich.
Auch Hochzeiten sind möglich im Staate Drostbritannien: Sophie Walser und Patrick Petri trauten sich. | Bild: Lorna Komm

Plastikgeschirr ist tabu

"Drostbritannien hat großherzige Mitbewohner", freut sich die Lehrerin. Polizisten, erkennbar an gelben Schärpen, ziehen zu Zweit ihre Runden. Sie sorgen für die öffentliche Ordnung, kontrollieren, ob die Lebensmittel ordnungsgemäß gekühlt werden, achten auf Einhaltung der Hygienevorschriften und auch, dass kein Plastikgeschirr verwendet wird – der junge Staat ist sehr umweltbewusst. Anzeigen aller Art gehen an das Staatsgericht, welches ebenso regelmäßig wie das Parlament tagt. Immer wieder stattet auch das volksnahe Monarchenpaar – König Marvin und Königin Doris – den Betrieben Besuche ab, um ansprechbar für die Belange des Volkes zu sein.