Die 31 Vorschulkinder des Meersburger Sommertalkindergartens haben ihren Büchereiführerschein gemacht und sind nun "Bibfit". In einer gemeinsamen Aktion von Kindergarten und Stadtbücherei lernten die Kinder, die demnächst in die Grundschule kommen, sich in der Bibliothek zurechtzufinden. Wo finde ich welches Buch? Was bedeuten die verschiedenfarbigen Punkte auf den Büchern? Waren nur ein Teil der Fragen, die die als "Wunderfitze" bezeichneten zukünftigen Erstklässler genauestens beantworten konnten.

Die Aktion, die bereits zum neunten Mal in der Stadtbücherei stattfand, sei sehr erfolgreich, bestätigt die Leiterin der Bibliothek Claudia Löffler. "Viele Kinder kommen anschließend über Jahre in die Bücherei", sagt Löffler und fügt an: "Ich erkenne sie an ihren Bibfit-Rucksäcken." Während der Pubertät pausiere das Leseinteresse teilweise. "Aber wer es als Kind nicht gelernt hat zu Lesen, der fängt als Erwachsener nicht mehr an", erklärt die Büchereileiterin.

"Wer es als Kind nicht gelernt hat zu Lesen, der fängt als Erwachsener nicht mehr an."Claudia Löffler, Leiterin der Stadtbücherei
"Wer es als Kind nicht gelernt hat zu Lesen, der fängt als Erwachsener nicht mehr an."Claudia Löffler, Leiterin der Stadtbücherei | Bild: Lorna Komm

Auch die Leiterin des Sommertalkindergartens Angelika Hofmann betont die Bedeutsamkeit des frühen Einstiegs in die Bücherwelt. "Die Kinder wollen was lernen. Insbesondere die Großen im letzten Kindergartenjahr brauchen Angebote, die sie fordern." Das Anschauen von Bilderbüchern stille den Wissensdurst und fördere die Sprachentwicklung sowie die Lesekompetenz. Dies sei auch besonders wichtig für Kinder deren Muttersprache nicht deutsch ist, meint Hofmann, denn Bilder anschauen sei für alle gleich. Für das Bilderanschauen würden die Kinder sich im Vergleich zu den schnell ablaufen Bildern im Fernsehen auch viel mehr Zeit nehmen. "Ein Bild im Buch sehen sie sich mehrfach an, blättern vor und zurück", weiß Hofmann. Über die Bibfit-Aktion wolle man aber auch die Eltern erreichen, erklärte die Kindergartenleiterin weiterhin. "In manchen Familien steht schon immer viel Lesestoff zu Hause, aber es gibt auch Familien, in denen Bücher sonst keine so große Rolle spielen."

"Die Kinder wollen was lernen. Insbesondere die Großen im letzten Kindergartenjahr brauchen Angebote, die sie fordern."Angelika Hofmann, Leiterin des Kindergartens im Sommertal
"Die Kinder wollen was lernen. Insbesondere die Großen im letzten Kindergartenjahr brauchen Angebote, die sie fordern."Angelika Hofmann, Leiterin des Kindergartens im Sommertal | Bild: Lorna Komm

Mit ihrer Urkunde erhalten die kleinen Leseratten auch einen Brief für die Eltern und einen Antrag für die Mitgliedschaft in der Stadtbücherei. "Diese ist für Kinder kostenlos", erklärt die Leiterin der Bücherei. Aber auch wer keinen Leseausweis habe, könne jederzeit in jede Bibliothek gehen, sich dort Bücher oder Zeitung ansehen oder wie in der Meersburger Bücherei auch Spiele spielen. "Nur ausleihen und mit nach Hause nehmen, geht ohne Bücherei-Ausweis nicht", erklärt Löffler.

Auf Löfflers Frage was die Kinder denn in der Zeit so gelernt hätten, ruft ein Junge aus der Gruppe: "Ich weiß jetzt, wo die Züge schlafen" und ein Mädchen erklärt: "Man darf hier nicht rennen und nicht schreien." Und alle zusammen beantworten die Frage der Büchereileiterin, ob sie wieder kommen wollten und mit wem, mit einem lautstarken: "Ja! Zusammen mit Mama und Papa."