Das Strandbad in Meersburg öffnet ab Sonntag, 1. Juli, wieder morgens ab 9 Uhr seine Pforten. Seit dem Saisonstart am 19. Mai konnte das Freibad in diesem Jahr wegen Personalmangels erst mittags ab 12 Uhr öffnen. Auch wenn das Bad ab Sonntag wieder früher geöffnet sein wird, das Frühschwimmen am Dienstag kann auch weiterhin nicht ermöglicht werden.

Rettungs- und Betriebsaufsicht erforderlich

Das Meersburger Frei- und Strandbad bietet einen Seezugang und ein Schwimmbecken. Ein Bad mit künstlich geschaffenen Becken muss neben der Rettungs- auch eine Betriebsaufsicht gewährleisten, erklärt Fabian Dalmer, Betriebsleiter der Meersburg Therme. Zur Betriebsaufsicht bedarf es eines Fachangestellten für Bäderbetriebe, der unter anderem auch den Chlorgehalt und die Wasserwerte kontrolliert.

Auch das Seeufer gehört zum Aufsichtsbereich der Rettungsschwimmer.
Auch das Seeufer gehört zum Aufsichtsbereich der Rettungsschwimmer. | Bild: Lorna Komm

Neben der Betriebsaufsicht benötigt ein Bad in der Größe der Meersburger Anlage drei Rettungsschwimmer für die Wasseraufsicht. „Es gibt keine Gesetzgebung, nur Empfehlungen für verschieden Bädertypen“, erläutert Dalmer dazu. „Der Betreiber muss selber entscheiden, in welchem Umfang er die Wasseraufsicht ausführt.“

Schwierigkeiten bei Personalsuche

In Meersburg folgt man der Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Der große Bereich, bestehend aus Kinderplanschbecken, Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken sowie Seeufer, muss regelmäßig durch qualifizierte Rettungsschwimmer beaufsichtigt werden. Genau bei der Bereitstellung dieser Fachkräfte liegt das Problem. Mindestvoraussetzung für den Rettungsschwimmer als Badeaufsicht ist das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen Silber. „Das Abzeichen ist nicht ohne“, sagt Dalmer und führt aus: „Neben körperlicher Fitness geht es hier auch um Verantwortung. Man muss Leben retten wollen.“

Sie freuen sich darauf, endlich wieder den ganzen Tag geöffnet zu haben. Von links: Rettungsschwimmer Maximilian Schmökel, Betriebsleiter Fabian Dalmer und Manuela Richter, stellvertretende kaufmännische Betriebsleiterin.
Sie freuen sich darauf, endlich wieder den ganzen Tag geöffnet zu haben. Von links: Rettungsschwimmer Maximilian Schmökel, Betriebsleiter Fabian Dalmer und Manuela Richter, stellvertretende kaufmännische Betriebsleiterin. | Bild: Lorna Komm

Die stellvertretende kaufmännische Betriebsleiterin, Manuela Richter, ergänzt: „Die Bewerber müssen Leidenschaft und Pflichtbewusstsein mitbringen.“ Dann erklärt sie die Schwierigkeiten bei der Personalsuche: „Wir haben seit Anfang des Jahres offensiv Bewerber gesucht. Für den Gesamtbetrieb haben wir über 100 Bewerbungsgespräche für die unterschiedlichen Arbeitsbereiche geführt.“ Dabei hätte man dann Interessierte dazu animiert, das Rettungsabzeichen zu machen. So hätten dann einige der nun eingestellten Kräfte den Rettungsschwimmer gerade frisch abgelegt.

Umdenken bei Bäderbetrieben erforderlich

Hier sieht Dalmer auch neue Wege für die Zukunft: „Ein Umdenken der Bäderbetriebe ist erforderlich.“ Aus Nichtschwimmern Rettungsschwimmer zu machen sollte eine zukünftige Aufgabe der Betriebe sein. Es ginge ja nicht nur um Meersburg. „In Deutschland gibt es 2500 offene Stellen für Fachangestellte für Bäderbetriebe„, teilt Dalmer mit. Viele Freibäder würden inzwischen erst spät in die Saison starten oder hätten reduzierte Öffnungszeiten. Der Fachkräftemangel mache sich seit etwa 2014 bemerkbar. „In den letzten Jahren hatten wir auch schon Probleme und konnten den Betrieb nur durch Überstunden und Urlaubsverzicht deckeln“, erklärt Richter und lobt die hohe Bereitschaft des ganzen Teams.

Unterschiedliche Reaktionen der Badegäste

Strengere Arbeitszeitgesetze erschweren den Betrieb zusätzlich. Der Betriebsleiter fügt an: „Auch die Öffnung ab 12 Uhr war nur durch viel Einsatz und Bereitschaft vom Team durchzusetzen.“ Ziel sei es gewesen, die best möglichen Öffnungszeiten für die Badegäste zu bieten. Das Strandbad sei für Bürger und Tourismus gleichsam wichtig. Die Reaktionen der Gäste auf die verkürzten Zeiten seien unterschiedlichst gewesen, reichten von Verständnis bis Kritik. Stammgast Hans Michael Meindl reagierte verständnisvoll. Kam er in den vergangenen Jahren schon morgens früh zum Schwimmen, so kommt er jetzt eben mittags. „Ich habe mich angepasst. Ich habe ja Zeit“, sagt er. Wichtig für ihn ist es lediglich, dass er sportlich seine Bahnen ziehen kann, bevor der große Badebetrieb losgeht.

Neue Wege bei der Mitarbeitergewinnung

Für die Zukunft sei man weiterhin bemüht, qualifiziertes Personal zu bekommen. Hierzu habe man vor zwei Jahren begonnen, selbst Fachkräfte auszubilden. „Der erste ist demnächst fertig und dann bieten wir wieder eine Ausbildungsstelle an“, sagt Richter. Auch bei Stellenanzeigen gehe man neue Wege und hätte gerade einen Imagefilm erstellt.