Die Cavalieri sind regelmäßig auf dem Mittelaltermarkt in Meersburg.

Ja, wir finden es wichtig, so unsere Partnerschaft zu zeigen und unsere Freunde vom Fanfarenzug zu treffen. Ich bin stolz darauf, dass unsere Flagge jetzt sogar bei euch am Rathaus hängt.

Höchstes Zeichen der Freundschaft: Die Fahne San Gimignanos hängt während des Besuches am Meersburger Rathaus.
Höchstes Zeichen der Freundschaft: Die Fahne San Gimignanos hängt während des Besuches am Meersburger Rathaus. | Bild: Uwe Petersen

Es waren auch dieses Mal wieder viele neue Teilnehmer dabei, unter anderem eine neue kleine Gruppe von Gauklern.

Ich versuche, dass möglichst viele von uns nach Meersburg kommen und Teil dieser Freundschaft werden. Die Gaukler sind eigentlich gar nicht aus San Gimignano; aber der eine ist Regisseur unseres Mittelalterfestes. Ich habe ihm klar gemacht, dass es wichtig ist, wenn er Meersburg einmal kennenlernt.

Es ist auffallend, dass immer sehr viele Kinder und Jugendliche mitmachen.

Diese vier Jüngsten dürfen schon mit den Großen mittrommeln und sind ein Zeichen der erfolgreichen Jugendarbeit der Cavalieri: (von links) Giada (11), Enrico Leone (10), Zachharia (11) und Filippo (11).
Diese vier Jüngsten dürfen schon mit den Großen mittrommeln und sind ein Zeichen der erfolgreichen Jugendarbeit der Cavalieri: (von links) Giada (11), Enrico Leone (10), Zachharia (11) und Filippo (11). | Bild: Uwe Petersen

Das sehe ich als meine größte Aufgabe an. Denn nur so haben wir später genug Nachwuchs, der den Verein und seine Ideen weiterträgt. Wir haben zum Beispiel ganz neu eine Gruppe von 18 jungen Trommlern zwischen zehn und zwölf Jahren.

Wie schaffen es die Cavalieri, die Jugendlichen anzusprechen? Fast alle Vereine, die ich kenne, haben große Nachwuchssorgen.

Ich versuche immer, gewisse Anführer zu begeistern. Wenn das klappt, bringen die meistens ihren ganzen Freundeskreis mit. Kürzlich hat ein einziger Junge 15 andere angezogen. Von denen sind zwar drei wieder abgesprungen, aber selbst wenn noch einmal drei abspringen, hat es sich gelohnt.

Wie hält man die bei der Stange?

Dafür ist viel Psychologie nötig. Man darf nicht immer nur "Nein" sagen. Und man muss mit den Jugendlichen zusammen Aktionen machen, die sie interessieren und an den Verein binden.

Auffallend sind auch die Bandieri, die Fahnenschwinger. Die sind alle jung.

Abgesehen von ihrem Trainer ist Alberto mit 22 Jahren der Älteste. Die anderen sind zwischen 14 und 20 Jahre alt. Es sind insgesamt 19, die meisten davon Mädchen.

Man merkt, dass es Ihnen viel Spaß macht. Trotzdem wollen Sie zum Jahresende aufhören?

Ich bin jetzt 53 Jahre alt und habe dann mehr als acht Jahre Vorstandsarbeit geleistet, davon über fünf als Präsident. Wir sind ein großer Verein mit vielen Veranstaltungen und Investitionen. Das ist sehr anstrengend. Da soll jetzt ein neuer Präsident mit neuen Ideen den Verein vorwärtsbringen. Als Trommler bleibe ich aber aktiv und werde als Freund Meersburgs sicher wieder kommen.

Diese sechs Gruppen der Cavalieri haben Meersburg besucht:

Inspiriert vom Fanfarenzug Meersburg

Kern der Cavalieri sind die Trommler, hier beim Einzug in die alte Burg.
Kern der Cavalieri sind die Trommler, hier beim Einzug in die alte Burg. | Bild: Uwe Petersen

Die Trommler und Fanfaren bilden die Hauptgruppe der Cavalieri und sind auch akustisch dominierend: Wenn sie durch die engen Gassen ihrer Heimatstadt oder Meersburgs ziehen, scheinen Straßen und Häuser zu beben. Die Trommler wurden erst 2001 gegründet. Bis dahin zog man mehr oder weniger ruhig durch die Straßen. Wohl inspiriert durch den Austausch mit dem Fanfarenzug Meersburg, kamen erst vor wenigen Jahren auch mehrere Fanfaren hinzu, die jetzt vor allem als Signal eingesetzt werden, etwa wenn bei den Ferie delle messi etwas verkündet werden soll.

Jonglieren mit zwei Fahnen klappt schon

Spektakulär sind die Auftritte der Fahnenschwinger, die hier in der Unterstadt die Zuschauer begeistern.
Spektakulär sind die Auftritte der Fahnenschwinger, die hier in der Unterstadt die Zuschauer begeistern. | Bild: Uwe Petersen

Die Fahnenschwinger sind vor fünf Jahren von Federico Francardelli in Zusammenarbeit mit dem Profi Michelangelo Capillo gegründet worden. Seither sind sie nicht nur als Gruppe angewachsen, sondern auch immer besser und sicherer im Umgang mit den Fahnen geworden. Vor allem die Mädchen haben in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht und überspielen inzwischen kleine Fehler mit großer Cleverness. Vom Können ihres Meisters, der gleichzeitig mit fünf Fahnen jongliert, sind sie noch ein Stück entfernt, aber mit zweien klappt es bereits.

Tanz in der Burggemächern als festes Ritual

Viel Applaus bekommen die Damen der Tanzgruppe für ihre Aufführungen. Auch auf dem Marktplatz sind die Zuschauer begeistert.
Viel Applaus bekommen die Damen der Tanzgruppe für ihre Aufführungen. Auch auf dem Marktplatz sind die Zuschauer begeistert. | Bild: Uwe Petersen

Die Tänzerinnen sind die vielleicht beständigste Gruppe. In Meersburg waren diesmal nur sechs vertreten; normalerweise tanzen sie zu zehnt oder zwölft. Mit ihren graziösen Schritten zu mittelalterlicher Musik ziehen sie die Blicke der Zuschauer auf sich, ob nun bezahlende Marktbesucher oder zufällige Passenten, und können sich jedes Mal über ehrlichen und großen Applaus freuen. Ein festes Ritual ist inzwischen ihr Tanz in den Gemächern der alten Burg: Als Dank für den Empfang, den Burgherrin Julia Naeßl-Doms seit Jahren für die Gäste gibt, zeigen sie ihr ihre Kunst.

Kostümträger schaffen Volumen und Würde

Die Kostümträger vertreten die mittelalterliche Gesellschaft und bereichern die Umzüge durch ihre farbenfrohe Kleidung.
Die Kostümträger vertreten die mittelalterliche Gesellschaft und bereichern die Umzüge durch ihre farbenfrohe Kleidung. | Bild: Uwe Petersen

Die Bürger sind reine Kostümträger und treten nur durch ihre Kleider in Erscheinung. Mit ihnen begannen die Auftritte der Cavalieri di Santa Fina und sie sind vor oder neben den Trommlern die zahlenmäßig größte Gruppe. Mit ihnen bekommen die Auftritte der Cavalieri nicht nur ein deutlich größeres Volumen, sondern auch eine gewisse Würde, die einige Aktive durch ihr ruhiges Dahinschreiten verbreiten. Viele ältere Mitglieder der Cavalieri sehen hier eine Möglichkeit, sich noch aktiv zu beteiligen. Für die Zuschauer ist die Vielfalt ihrer Kostüme beeindruckend.

Eigene Wettkämpfe für Bogenschützen und Reiter

Für drei Ritter war noch Platz im Bus nach Meersburg. Zu Hause in San Gimignano sind es deutlich mehr.
Für drei Ritter war noch Platz im Bus nach Meersburg. Zu Hause in San Gimignano sind es deutlich mehr. | Bild: Uwe Petersen

Die Kämpfer werden symbolisiert durch die Gruppe der Soldaten, der Bogenschützen und der Ritter. Im Mittelalter wogten die Machtkämpfe auch und gerade in der Toskana. In Meersburg marschieren die Kämpfer wie die Bürger einfach mit. Beim Simon-Weinzürn-Schauspiel treten die Soldaten kurz als Wache hervor. An den Ferie delle messi haben die Bogenschützen und die Reiter eigene Wettkämpfe, die darüber entscheiden, welcher Stadtteil für ein Jahr Stadtmeister ist. Dabei ist der Wettkampf der Reiter, die mit einer Lanze ein Ziel treffen müssen, der krönende Abschluss.

Nachahmeffekt für eine neue Gruppe der Cavalieri

Neu dabei sind die Gaukler. Sie beziehen das Publikum in ihren Schabernack mit ein.
Neu dabei sind die Gaukler. Sie beziehen das Publikum in ihren Schabernack mit ein. | Bild: Uwe Petersen

Die Gaukler sind zum ersten Mal dabei und relativ neu in San Gimignano. Sie treten dort mit verschiedenen Kunststücken auf, unter anderem Feuerschlucken, und führen seit einigen Jahren auch die Regie bei den Ferie delle messi. In Meersburg zeigten sie Jonglierkünste, kleinere Akrobatiknummern und Klamauk, bei dem auch das Publikum einbezogen wurde. Mittelfristig verspricht sich Präsident Federico Francardelli auch von den Gauklern einen Nachahmeffekt und damit vielleicht in Zukunft eine neue, junge Gruppe für die Cavalieri di Santa Fina.