Stolz wirft die elfjährige Luisa als erste ihren Wahlzettel in die Wahlurne im Jugendraum der Trendsportanlage Markdorf ein. Für sie ist es das erste Mal, dass sie „wählen“ darf. Jugendreferent David Lemkamp hat ihr vorab den Wahlzettel erklärt. „Ich weiß ganz genau, wen ich wählen möchte, denn darüber haben wir zu Hause in der letzten Zeit viel gesprochen. Alles verstehe ich zwar noch nicht, aber mir ist wichtig, dass die Tiere in Deutschland besser geschützt werden. Und der Klimawandel muss gestoppt werden, damit es den Pinguinen und Eisbären wieder besser geht“, erzählt die Schülerin. Sie findet es auch gut, dass sie hier das Wählen schon einmal üben kann. „Meine Eltern haben mir erklärt, wie wichtig es ist, dass ich später mal wählen gehe und dass meine Stimme zählt“, so Luisa.

Der Auszubildende des städtischen Jugendreferats, Raffaele Mazzitelli (Mitte), beaufsichtigt den Wahlvorgang von Ylli Dobra (links) und Yazay Igci.
Der Auszubildende des städtischen Jugendreferats, Raffaele Mazzitelli (Mitte), beaufsichtigt den Wahlvorgang von Ylli Dobra (links) und Yazay Igci. | Bild: Sonja Ruess

Für Markdorf ist es das erste Mal, dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, ihre Stimme abzugeben. Das Konzept „U 18“ gibt es allerdings schon seit 1996. Neun Tage vor großen Wahlterminen wird ein „Wahllokal“ – in Markdorf der Jugendraum – für Kinder und Jugendliche eröffnet, um symbolisch zu wählen. Vor den U-18-Wahlen haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich vorab über die wichtigen Themen zu informieren. Die U 18-Koordinatoren helfen hierbei mit Material, Methoden und Tipps. Mitmachen können alle Minderjährigen, die sich in Deutschland aufhalten. Ausgezählt wird das Ergebnis über ein Online-Tool.

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Jugendreferent lobt das Konzept

Jugendreferent David Lemkamp ist voll überzeugt von dem Konzept: „Hier haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, gehört zu werden. Auch die, die keine deutsche Staatsbürgerschaft haben. Das Ergebnis zeigt, welche Meinungen die junge Generation vertritt, was den Jugendlichen wichtig ist und wird auch entsprechend von der Politik wahrgenommen.“

Die Stimmzettel sehen hierbei genauso aus wie bei der „echten“ Wahl und werden den jungen Wählern vorab noch einmal erklärt. Die Koordinatoren sind dabei absolut unpolitisch und beeinflussen die Meinung der Kinder und Jugendlichen in keiner Weise. „Wir haben versucht, den Ablauf der Wahl so realitätsnah wie möglich zu gestalten. Von der Stadt haben wir echte Wahlurnen und Wahlkabinen ausgeliehen“, erzählt der Jugendreferent.

Yazay Igci, Ylli Dobra und der Jugendbeauftragte Jan Münzer (von links) im Gespräch. Im Jugendraum haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich über den Wahlvorgang zu informieren.
Yazay Igci, Ylli Dobra und der Jugendbeauftragte Jan Münzer (von links) im Gespräch. Im Jugendraum haben die Jugendlichen die Möglichkeit, sich über den Wahlvorgang zu informieren. | Bild: Sonja Ruess

Der 17-jährige Yazay Igci hat über Freunde von der U-18-Wahl erfahren. Er findet es toll, dass er später mal Einfluss auf die Zukunft Deutschlands haben wird. „Ich kann bei der U-18-Wahl üben, damit ich später weiß, wie der Wahlvorgang ablaufen wird. Vorab habe ich mich schon ein bisschen über die Parteien und ihre Ziele informiert. Es ist toll, dass unsere Stimmen von der Politik gehört und als wichtig empfunden werden.“ Für Yazay liegt der Fokus auf einer Erhöhung des Mindestlohns. Auch eine steuerliche Entlastung für Familien ist dem siebzehnjährigen Jugendlichen sehr wichtig.

Sein Kumpel Ylli Dobra (15) wurde durch das Zepp über die Möglichkeit zur Jugendwahl aufmerksam gemacht. „Die Mitarbeiter vom Jugendtreff haben uns gut über die Parteien informiert und uns Infobroschüren gegeben. Mir ist wichtig, dass die nächste Regierung einen großen Einfluss auf den Klimawandel nehmen wird. Auch unsere Abläufe in der Schule wurden durch Corona sehr durcheinander geworfen und ich möchte, dass wir in Zukunft mehr digitale Unterstützung erhalten.“ Gemeinsam werfen die beiden Jugendlichen ihren Wahlzettel in die Urne, überwacht vom Auszubildenden Raffaele Mazzitelli. Man spürt, dass es völlig neues Terrain für die beiden Jugendlichen ist. Doch sie sind froh, dass ihre Stimme zählt.

Vor dem Jugendraum der Trendsportanlage Markdorf steht ein Aufsteller, der die Kinder und Jugendlichen auf ihre Wahlmöglichkeit aufmerksam macht.
Vor dem Jugendraum der Trendsportanlage Markdorf steht ein Aufsteller, der die Kinder und Jugendlichen auf ihre Wahlmöglichkeit aufmerksam macht. | Bild: Sonja Ruess

Auch in den Schulen wurden Flyer verteilt und Plakate aufgehängt, um die Kinder und Jugendlichen auf die U-18-Wahl in Markdorf aufmerksam zu machen. Am letzten „Wahltag“ nahm sogar eine Schulklasse gemeinsam daran teil.

Drei Parteien an der Spitze

So vergaben die Schüler ihre 51 Zweitstimmen: CDU 8, SPD 9, Grüne 9, FDP 9, AfD 2, Die Linke 3, Tierschutzpartei 1, Die Partei 2, ÖDP 1, die Basis 3, Bürgerbewegung 1, Team Todenhöfer 1, Volt 2 Stimmen.