Belebung oder Neugestaltung – über diese beiden Begriffe diskutierten die Mitglieder des Technischen Ausschusses recht kontrovers in ihrer Sitzung am Dienstagabend. Am Ende einigte man sich auf die Sanierung des Ochsenplatzes.

Dort bekommt die Bauminsel um die Linde eine hölzerne Sitzauflage. Vom vorgeschlagenen mobilen Pflanzkübel wird zunächst abgesehen. Der Ausschuss will sich zuerst klar darüber werden, ob und wie mehr Einheitlichkeit bei der künftigen Innenstadtmöblierung – in Hinblick auf Material und Farbigkeit – erreicht werden kann. Installiert werden soll aber ein Spielgerät für Kinder, außerdem Bodeneinbau-Strahler, die die Pflanzen beleuchten.

Nach 40 Jahren ist die Ochsenlücke in die Jahre gekommen. Der Platz soll wie weitere Plätze in der Innenstadt attraktiver gestaltet werden, um den Wohlfühlfaktor und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
Nach 40 Jahren ist die Ochsenlücke in die Jahre gekommen. Der Platz soll wie weitere Plätze in der Innenstadt attraktiver gestaltet werden, um den Wohlfühlfaktor und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. | Bild: Jörg Büsche
Auch nicht-öffentliche Plätze wie dieser vor der Sparkasse sollen schöner werden.
Auch nicht-öffentliche Plätze wie dieser vor der Sparkasse sollen schöner werden. | Bild: Jörg Büsche

Diese Sanierung soll nur den Auftakt zur Schritt für Schritt fortgeführten Neu- beziehungsweise Umgestaltung der Kernstadt sein. Mehr Grün, mehr Erlebnis, mehr Atmosphäre, kurz: ein Mehr an Attraktivität sowie Lebensqualität für die Bürger sind die Ziele, die die Stadt anstrebt. Und nicht zuletzt will sich Markdorf als Wirtschaftsstandort stärken, mehr Kunden in die Geschäfte, aber auch in die Gastronomiebetriebe locken – so der Tenor bei der Diskussion.

Arnhold Holstein äußert massive Zweifel am Gelingen

„Schaffen wir das?“ war die Frage, die Arnold Holstein von den Freien Wählern in den Raum stellte. Zuvor hatte Planer Johannes Göpel von der Überlinger Freiraumwerkstadt dargelegt, wie sein Architekturbüro die Umgestaltung der Markdorfer Innenstadt vorstellt.

Arnold Holstein glaubt nicht daran, dass die Belebung der Innenstadt mit den vorstellten Maßnahmen gelingen wird.
Arnold Holstein glaubt nicht daran, dass die Belebung der Innenstadt mit den vorstellten Maßnahmen gelingen wird. | Bild: SK

Möblierung des öffentlichen Raums, zusätzliches Grün, Farbfelder auf den Rondell-Inseln der Verkehrskreise, Aufheben der klaren Fahrbahn-Fußweg-Trennung, Spielgeräte für Kinder – lauteten die Vorschläge, die der Planer gemacht hatte. Allesamt sind sie jedoch eher als mittelfristige Maßnahmen gedacht.

Denn zunächst wollte sich der Technische Ausschuss vor allem mit der Sanierung des Ochsenplatzes befassen. Ohne freilich dabei das Fernziel, die Neugestaltung der übrigen Innenstadt, aus dem Auge zu verlieren. Ebenso wenig wie den damit verfolgten Zweck: die Innenstadtbelebung.

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Sanierung des Ochsenplatzes soll 19 500 Euro kosten

Dass die Belebung gelingen können, daran hatte Arnold Holstein massive Zweifel.„Nicht mit diesen Maßnahmen!“ erklärte Holstein. Johannes Göpels Vorschläge bringen keine Belebung, nur Kosten. Die halten sich mit den für den Ochsenplatz veranschlagten 19 500 Euro zwar in durchaus überschaubarem Rahmen, räumte Holstein ein. Sinnlos ausgegeben, sei aber auch selbst diese Summe entschieden zu hoch.

Soll überarbeitet werden: der Platz zwischen Proma und Volksbank.
Soll überarbeitet werden: der Platz zwischen Proma und Volksbank. | Bild: Jörg Büsche

Aus Sicht des Stadtrats nützen weder frisch begrünte Fassaden, noch Spielgeräte, wenn niemand in die Stadt komme. Seiner Meinung nach fehlt es an einladender Gastronomie. Bei den Gaststätten, bei den Restaurants und Cafés brauche es neue Angebote. Das seien die Frequenzbringer, so Holstein und nannte als Beispiel Kressbronn. Hier hat Arnold Holstein beobachtet hat, wie ein kleines mobiles Café den Rathausplatz belebt habe. Mit „Aufhübschen“, so Holstein sei es nicht getan.

„Da ist das Scheitern vorprogrammiert.“
Arnold Holstein, FW-Stadtrat

Gestaltungskonzept mit wenig Aufwand und großem Effekt

Weit weniger unzufrieden zeigten sich andere Stadträte. „Grün ist nie langweilig“, wandte Alfons Viellieber (CDU) gegen den Monotonie-Vorwurf Holsteins ein. Viellieber gefällt, dass Göpels Vorschläge mit relativ geringem Aufwand mehr Aufenthaltsqualität an Ochsenplatz, später auch in der Ochsenlücke in Aussicht stellen. Joachim Mutschler (Umweltgruppe) gefielen sowohl die vorgeschlagenen Spielgeräte für Kinder als auch Fassadenbepflanzung. „Ans Thema städtisches Mikroklima müssen wir dringend ran“, erklärte Mutschler mit Blick auf weitere Hitze-Sommer.

Grün in der Stadt bessert das Mikroklima.
Grün in der Stadt bessert das Mikroklima. | Bild: Jörg Büsche
Vor dem Einkaufszentrum Proma könnten Kinderspielgeräte und Fassadengrün zu mehr Aufenthaltsqualität führen.
Vor dem Einkaufszentrum Proma könnten Kinderspielgeräte und Fassadengrün zu mehr Aufenthaltsqualität führen. | Bild: Jörg Büsche

Die Stadt sollte allerdings einen Fehler vermeiden, so Joachim Mutschler weiter: „Wir dürfen die Jugendlichen nicht vertreiben!“ Einen weiteren Vorschlag hieß Mutschler ebenfalls gut: Zwischen Volksbank und Latschebrunnen die Parkplätze zu beseitigen – und stattdessen die strikte Trennung von Fahrbahn und Fußweg aufzuweichen.

Grünanlagen müssen gepflegt werden

Uwe Achilles (SPD) warnte: „Wir dürfen die Eigentümer nicht zwangsbeglücken.“ Gewiss begegne die Hauptstraße vor allem in ihrem Westen als Grau-in-Grau-Zone. Gleichwohl, seien Grünfassaden teuer. Ebenso wie Grünanlagen, so Achilles. Die wollen die gepflegt sein. Das bedeute, sich in der Stadtgärtnerei nach den Kapazitäten zu erkundigen, eventuell weitere Personalkosten einzuplanen.

Langfristig soll in der Hauptstraße die klare Trennung von Fahrbahn und Fußwegen aufgehoben werden, so ein Vorschlag der Planer des Überlinger Architektenbüros Freiraumwerkstadt.
Langfristig soll in der Hauptstraße die klare Trennung von Fahrbahn und Fußwegen aufgehoben werden, so ein Vorschlag der Planer des Überlinger Architektenbüros Freiraumwerkstadt. | Bild: Jörg Büsche

Jens Neumann (FW) riet zum Dialog mit den Gastronomen, mit den Händlern, vor allem mit den Eigentümern „Die müssen wir alle ins Boot holen, ihnen erklären, was passiert.“ Vielleicht öffne die Aussicht auf mehr Lebensqualität in der Innenstadt den einen oder anderen Geldbeutel.

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