Nach intensiver knapp zweistündiger Debatte hat der Gemeinderat am Dienstagabend bei zwei Enthaltungen der FW-Räte Dietmar Bitzenhofer und Arnold Holstein den Baubeschluss zur Sanierung des Markdorfer Rathauses gefällt. Mehrheitlich beschlossen wurden die auf Kosten von rund 250.000 Euro veranschlagte Interimsunterbringung der Verwaltung während der Sanierung in der Schlossscheuer, der Verzicht auf Fotovoltaik auf den schmalen Ost- und Westseiten des Daches sowie gegenüber dem Entwurfsvorschlag größere Fenster und eine Fassade aus Dämmklinkern anstelle einer Putzfassade.

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Kosten steigen auf knapp 6,2 Millionen

Gerhard Lieb und Sven Vandeven vom Architekturbüro Lieb (Freudenstadt) stellten zudem die Kostenberechnung für die Sanierung vor. Die beläuft sich auf Gesamtkosten in Höhe von 5,997 Millionen Euro, veranschlagt waren 5,9 Millionen. Durch die Dämmklinkerfassade und die größeren Fensterformate addieren sich weitere 179.700 Euro hinzu, sodass sich ein prognostizierter Gesamtbetrag von knapp 6,18 Millionen Euro ergibt. Laut Kämmerer Michael Lissner rechnet die Stadt mit einem Zuschuss aus dem Landessanierungsprogramm in Höhe von rund 50 Prozent, also knapp über 3 Millionen Euro.

So sieht die Fassade des 60er-Jahre-Baus aktuell aus. Das Gebäude soll nun eine Klinkerfassade und größere Fenster bekommen.
So sieht die Fassade des 60er-Jahre-Baus aktuell aus. Das Gebäude soll nun eine Klinkerfassade und größere Fenster bekommen. | Bild: Jörg Büsche

Kubatur bleibt unverändert

Das Rathaus wird in seinem äußeren Erscheinungsbild, der Kubatur, nahezu unverändert bleiben, bis auf das neue Fassadenmaterial und die größeren Fenster. Während Lieb die Klinkerfassade empfahl, da sie wertiger aussehe und haltbarer sei, hatte er für die kleineren Fenster, dann mit angeschrägten Leibungen für besseren Lichteinfall plädiert: Sie würden dem Gebäude einen harmonischeren Gesamteindruck verleihen.

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Rathaus bekommt einen Aufzug

Komplett erneuert und modernisiert wird die Gebäudetechnik und die Dämmung. Auch die Räume sollen neu zugeschnitten und geändert werden, dies wird aber zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die exakten Bedarfe ermittelt sind, entschieden. SPD-Rat Uwe Achilles hatte in der Sitzung diese Arbeitsplatzzahlen erneut nachdrücklich angemahnt. Einzige gravierende bauliche Änderung im Inneren: Das Rathaus wird aus Brandschutzgründen ein zweites Fluchttreppenhaus bekommen, außerdem einen Aufzug. Beide Elemente sollen an der westlichen Stirnseite eingebaut werden, neben dem Empfang am Eingang. Diese baulichen Veränderungen bedingen umfangreichere Arbeiten an der Statik des Gebäudes.

Stadtkämmerer Michael Lissner: „Mit der Rathaussanierung sind wir ins Landessanierungsprogramm aufgenommen.“
Stadtkämmerer Michael Lissner: „Mit der Rathaussanierung sind wir ins Landessanierungsprogramm aufgenommen.“ | Bild: Toni Ganter

Nach wie vor fehlt aber Fläche

In der Aussprache hakten die Stadträte intensiv zu zahlreichen Details nach. CDU-Rat Alfons Viellieber hätte sich noch einen Balkon, auch für repräsentative Anlässe, gewünscht. Auf den wird aber aus Kostengründen und wegen der von Lieb beschriebenen „altmodischen“ Optik verzichtet, was die Mehrheit im Gremium befürwortete. Unter anderem gaben UWG-Rat Joachim Mutschler und Bitzenhofer zu bedenken, dass bei nun geplanten rund 2160 Quadratmetern Gesamtnutzfläche nach wie vor knapp 300 Quadratmeter an Fläche für Arbeitsbereiche fehlen würden. In der August-Sitzung wurden dazu Pläne für Verwaltungsräume im Ex-Gasthof „Adler“ vorgestellt. Die stoßen allerdings noch auf Meinungsverschiedenheiten in einigen Fraktionen. Am Dienstagabend war der „Adler“ jedoch kein Thema.

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FW fordern wieder Gesamtkonzept

Bitzenhofer mahnte daher an, dass das, was nun beschlossen werde, auch Bestand haben müsse. Später wieder Dinge ändern zu müssen, sei nicht sinnvoll. „Nach der ganzen Misere mit dem Bischofschloss sollten wir jetzt Nägel mit Köpfen machen, also ein Gesamtkonzept.“ Ein solches für das gesamte Areal ums Rathaus würden die Freien Wähler vermissen, es sei aber dringend geboten.

Das war der ursprüngliche Entwurf des Büros Lieb aus dem Architektenwettbewerb vor fünf Jahren, der als bestplatzierte Arbeit gewertet wurde. Die Option für eine Bebauung unterhalb des Rathauses, an der B33, stellte Gerhard Lieb am Dienstagabend erneut als mögliche ergänzende Bebauung vor. Das Erdgeschoss mit der Stelzenfassade könnte ein Parkdeck sein.
Das war der ursprüngliche Entwurf des Büros Lieb aus dem Architektenwettbewerb vor fünf Jahren, der als bestplatzierte Arbeit gewertet wurde. Die Option für eine Bebauung unterhalb des Rathauses, an der B33, stellte Gerhard Lieb am Dienstagabend erneut als mögliche ergänzende Bebauung vor. Das Erdgeschoss mit der Stelzenfassade könnte ein Parkdeck sein. | Bild: Büro Lieb + Lieb

Schlossscheuer-Lösung infrage gestellt

Hitzig wurde es bei der Abstimmung nochmals um den Punkt Interimslösung in der Schlossscheuer. Als Bürgermeister Georg Riedmann bereits zur Abstimmung aufgerufen hatte, meldeten sich die Freien Wähler noch mal zu Wort. Sie hätten mit den Verantwortlichen mehrerer Unternehmen gesprochen, die aktuell Leerstände hätten, so Jens Neumann. Ihnen seien dabei deutlich günstigere Preise für die temporäre Vermietung von Räumen an die Verwaltung genannt worden als die Kosten, die im Rathaus für die Schlossscheuer angesetzt worden seien. Man bitte die Verwaltung, diese Option zu prüfen und den Beschluss zur Interimslösung nochmals zurückzustellen. Weil die FW allerdings versäumt hatten, diesen Antrag vor Ende der Aussprache zu stellen, kam der Punkt zur Abstimmung. Dort ging dann lediglich FDP-Rat Rolf Haas mit der Ablehnung durch die Freien Wähler mit. Bei der nächsten Befassung des Gemeinderates mit dem Thema soll es dann um die Details für das Raumkonzept gehen, voraussichtlich in der nächsten Sitzung Ende Oktober.

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