Die Idee eines Aktionsbündnisses, drei Gemeindeverbindungsstraßen zwischen Kluftern, Bürgberg und Markdorf in Fahrradstraßen umzuwandeln, scheint auf einen Erfolg zuzusteuern. In dem Bündnis sind die Kreisverbände des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) sowie Bürger aus Kluftern, Markdorf, Immenstaad und Salem aktiv.

Verwaltungen haben sich bereits auf Pilotprojekt verständigt

Wie die Stadt Friedrichshafen in einer Mitteilung schreibt, haben sich die Verwaltungen des Landratsamts, dessen Verkehrsbehörde für den Markdorfer Teil zuständig ist, sowie Friedrichshafens und Markdorfs darauf verständigt, ab dem Frühjahr ein Pilotprojekt zu starten, das auf ein Jahr befristet ist. Was noch fehlt, ist die Zustimmung des Markdorfer Gemeinderats. Dort steht das Thema voraussichtlich in der Sitzung am 17. März auf die Tagesordnung.

Gemeinderat Markdorf diskutiert Thema vorraussichtlich am 17. März

Die verkehrsrechtliche Entscheidung liegt in Markdorf allein beim Landratsamt. Aber: „Die Verkehrsbehörde würde auf der Basis unseres guten Miteinanders eine solche Anordnung nicht ohne das Einvernehmen mit der Gemeinde treffen“, sagt Bürgermeister Georg Riedmann zum Hintergrund der angesetzten Diskussion im Gemeinderat. Schließlich gehe es um Gemeindestraßen: „Und ich halte die Einrichtung einer Fahrradstraße wegen der grundsätzlichen Bedeutung nicht für ein Geschäft der laufenden Verwaltung. Deswegen werden wir den Gemeinderat mit dem Thema befassen.“

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Kluftern unterstützt Pläne, will Straße aber für Verkehr offenhalten

In der Großen Kreisstadt Friedrichshafen entscheidet die eigene Verkehrsbehörde, Teil des Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung, erläutert Michael Nachbaur, Ortsvorsteher von Kluftern. Mitglieder des Ortschaftsrats von Kluftern waren bei der Aktionsgemeinschaft aktiv und der Ortschaftsrat insgesamt unterstützt das Anliegen. Wie Nachbaur sagt, sei es dem Gremium aber wichtig, dass die Gemeindeverbindungsstraße als Fahrradstraße weiterhin von Anwohnern, Landwirtschaft und Kraftfahrzeugen befahren werden darf.

Die Beschilderung an der Abzweigung nahe der Gemarkungsgrenze zeigt die Fahrmöglichkeiten über Gemeindeverbindungsstraßen westlich von Markdorf und Kluftern.
Die Beschilderung an der Abzweigung nahe der Gemarkungsgrenze zeigt die Fahrmöglichkeiten über Gemeindeverbindungsstraßen westlich von Markdorf und Kluftern. | Bild: Wex, Georg

Strecke Bürgberg-B 33 zunächst infrage gestellt

Riedmann berichtet, dass im Markdorfer Gemeinderat die Streckenführung diskutiert wird, wie sie vom Aktionsbündnis vorgeschlagen wurde. Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts, sagt, dass die Strecke Bürgberg-B 33 (bei Wirrensegel) sei zunächst infrage gestellt worden, aber weiter in der Diskussion sei. Einvernehmen gebe es bei der Strecke Kluftern-Bürgberg-Markdorf. „Diese Strecke liegt auf der Achse Friedrichshafen-Salem, die in der Radnetzkonzeption des Bodenseekreises als Hauptverbindung zweiter Ordnung definiert und dadurch von Bedeutung für das kreisweite Radwegenetz ist“, erläutert Schwarz.

Bernd Glatthaar, ADFC: „Unsere Zahlen haben den Umschwung gebracht“

Der Markdorfer Frieder Staerke, Sprecher der VCD-Gruppe Bodenseekreis, berichtet, die Zählung des Aktionsbündnisses im Juni 2019 und die Argumente für die Fahrradstraßen seien unter anderem schon im Arbeitskreis Radverkehr in Markdorf thematisiert worden. Bernhard Glatthaar, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbands, ist sich sicher: „Unsere Zahlen haben den Umschwung gebracht.“ Die Pressestelle der Stadt Friedrichshafen teilt auf Nachfrage mit: „Selbstverständlich sind die Angaben in der Verkehrszählung in die Entscheidung eingeflossen.“

Städte zunächst zurückhaltend, beziehen aber Verkehrszählung ein

Im Oktober 2018 hatten sich beide Städte noch eher ablehnend zu der Idee einer Fahrradstraße gestellt – und damit die Verkehrszählung des Aktionsbündnisses ausgelöst. Die zählte Ende Juni 2019 mehr Radfahrer als Kraftfahrzeuge auf den Strecken, was eine Voraussetzung für eine Umwidmung in eine Fahrradstraße ist. Die Stadt Friedrichshafen meint dazu jetzt auf Nachfrage: „Mit der Ausweisung einer Fahrradstraße auf einer Gemeindeverbindungsstraße betreten wir, auch überregional gesehen, Neuland. Insofern von Sinneswandel zu sprechen, ist nicht sachgerecht, da im Vorfeld der Entscheidung zahlreiche rechtliche Fragen geklärt werden mussten. Zudem möchten wir hier im Schulterschluss mit dem Landratsamt und der Stadt Markdorf zu einer pragmatischen Lösung kommen, die sowohl die Belange des motorisierten Verkehrs aber auch des Radverkehrs berücksichtigt.“

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Stadt Markdorf wirbt dafür, „Versuch zu wagen“

Bürgermeister Georg Riedmann erklärt, dass sich die Stadt Markdorf damals der negativen Stellungnahme Friedrichshafens angeschlossen habe: „Jetzt haben wir dafür geworben, die tatsächlich bestehenden und begründbaren Bedenken zurückzustellen und den Versuch zu wagen.“ Grundlage für die aktuelle Haltung sei der Wunsch, neue Möglichkeiten zu schaffen und Erfahrungen mit dem Projekt Fahrradstraße zu sammeln.

Der Gemeinderat Markdorf wird auch über die vorgeschlagene Weiterführung der Fahrradstraße von Bürgberg an die B 33 östlich von Wirrensegel und Ittendorf diskutieren.
Der Gemeinderat Markdorf wird auch über die vorgeschlagene Weiterführung der Fahrradstraße von Bürgberg an die B 33 östlich von Wirrensegel und Ittendorf diskutieren. | Bild: Wex, Georg

Bei positiver Entwicklung soll das Projekt verlängert werden

Alle drei Verwaltungen bestätigen, dass das Pilotprojekt auf ein Jahr angelegt sei. Nach Auskunft von Robert Schwarz vom Landratsamt werde in der verkehrsrechtlichen Anordnung für die Fahrradstraße die zeitliche Befristung verfügt. Des Weiteren werde gleich festgelegt, unter welchen Voraussetzungen eine unbefristete oder befristete Verlängerung oder ein Rückbau erfolgt. Ob es eine offizielle Verkehrszählung geben wird, ist nicht klar. Die Entscheidung nach einem Jahr werden wieder die Verkehrsbehörden treffen, voraussichtlich unter Einbeziehung Markdorfs. „Wir erwarten durch die Ausweisung künftig eine noch stärkere Nutzung der Strecke durch den Radverkehr, insofern gehen wir davon aus, dass der Radverkehrsanteil weiter ansteigen wird“, heißt es aus dem Friedrichshafener Rathaus.

Bürgermeister Riedmann: „Erfahrungen für weitere denkbare Strecken in der Zukunft“

Riedmann meint: „Ich verstehe den Begriff Pilot hier so, dass das Projekt bei einer positiven Entwicklung unbefristet läuft. Die Pilotwirkung bezieht sich eher auf die Übertragbarkeit der gewonnenen Erfahrungen auf weitere denkbare Strecken in der Zukunft.“ Eine Idee gibt es auch für die Strecke Kluftern-Salem.

Bernhard Glatthaar vom ADFC-Kreisverband weist auch darauf hin, dass sich in den vergangenen Monaten die Haltung verändert habe und weitere Strecken geplant seien, wie in Tettnang die alte B 467 und die alte B 31 zwischen Oberdorf, Langenargen und Kressbronn. Es gebe eine Fahrradstraße seit Mai 2019 zwischen Hagnau und Kirchberg.