Die beiden machen es richtig: Sie stehen nicht weit vom Schaufenster der Buchhandlung entfernt – und reden. Es ist ein Hin und Her der Neuigkeiten. Karin Hölle und Melanie Joos stehen nur ein paar Schritte von den Plaudernden entfernt. Sie warten auf Passanten, die sich ansprechen lassen oder von sich aus die Initiative ergreifen. Sich erkundigen, weshalb hier in der Nähe der Latsche-Mädel-Bronzefiguren ein Zeltdach aufgebaut worden ist mit zwei Stühlen darunter.

„Wir wollen ins Gespräch kommen“

„Wir wollen ins Gespräch kommen“, erklärt Karin Hölle, psychologische Beraterin mit einer eigenen Praxis in Uhldingen-Mühlhofen. Und ihre Kollegin erläutert, warum. „Weil viele Menschen, vor allem die Jüngeren, inzwischen öfter in den sozialen Medien unterwegs sind als im direkten Kontakt mit Freunden und Bekannten, erklärt die Beraterin. Auf Facebook, Instagram und WhatsApp gehe ihrer Meinung nach etwas Wesentliches verloren, ergänzt Karin Hölle. Beim Wischen und Tippen fehle der Kontakt, „das in die Augen Schauen, das Erkennen von Gestik und Mimik, ja die unmittelbare Präsenz des Gegenübers, die auch immer eine Rolle spielt bei jeder Begegnung“, sagt Hölle. Die Folge sei eine gewisse Oberflächlichkeit.

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„Immer schnelllebigere Welt mit immer weniger Zeit“

Verteufeln, das betont Hölle ausdrücklich, wolle sie die sozialen Medien nicht – im Gegenteil. Nur dürfe in einer „immer schnelllebigeren Welt mit immer weniger Zeit für den Einzelnen nicht aus den Augen verloren werden“, wie wichtig es sei, Erfahrungen auszutauschen. Sich im direkten Kontakt, im Gespräch mit seinem Gegenüber zu orientieren und Orientierungshilfe zu geben. „Meet and Speak“, triff und sprich, heißt denn auch die Aktion, die eine Gruppe psychologischer Berater auf öffentlichen Plätzen, in Fußgängerzonen von einigen Städten am See anbietet. Der Auftakt war nun in Markdorf.

Schon einige interessante Gespräche geführt

„Wir haben schon einige interessante Gespräche geführt“, erklärt Karin Hölle. Bei einer Dame habe der Austausch sogar dazu geführt, dass sie ein Problem in neuem Licht sehen konnte. „Dass wir psychologische Berater sind“, erklärt Melanie Joos, „heißt nicht, dass wir Therapien anbieten.“ Dieses Aufgabenfeld beackern Psychologen oder Therapeuten. Das Anliegen von psychologischen Beratern sei niederschwelligerer Natur. „Was jemanden bewegt, das kann er bei uns ansprechen“, erläutert Karin Hölle. Die Berater helfen beim Einordnen – so wie gute Freunde, gute Bekannte. Nur können sie auch raten, wenn psychologischer Hilfe notwendig scheint – und dann jemanden empfehlen.

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