Markdorfer Aufreger dominierten die Hauptversammlung des FDP-Ortsverbandes Markdorf im Gasthaus Krone. Der wiedergewählte Vorsitzende Rolf Haas kritisierte die Planlosigkeit der Stadtverwaltung und warf ihr fehlendes Kostenbewusstsein und mangelnde Transparenz bei Entscheidungen vor. Beispiele dafür seien laut Haas die nach wie vor offene künftige Nutzung des Bischofsschlosses, die desolate Verkehrssituation in der Stadt und der nicht finanzierbare Um- und Ausbau der Jakob-Gretser-Grundschule.

Unter den kommunalpolitischen Themen bei der FDP-Versammlung spielte auch das Bischofsschloss eine zentrale Rolle. Die FDP würde sich hier einen offenen Ideenwettbewerb für die Bürgerschaft wünschen.
Unter den kommunalpolitischen Themen bei der FDP-Versammlung spielte auch das Bischofsschloss eine zentrale Rolle. Die FDP würde sich hier einen offenen Ideenwettbewerb für die Bürgerschaft wünschen. | Bild: Lea Pollini

Die von FDP-Kreisgeschäftsführer Stefan Zwick geleiteten Neuwahlen wurden angesichts dieses politischen Rundumschlags fast zur Nebensache, obschon es personelle Veränderungen gab. So übernahm Benedikt Hartel das Amt des Schatzmeisters von Helmut Lemp. Hartel gab dafür seinen stellvertretenden Vorsitz an Eva Nägler ab. Außerdem wurden zwei Beiräte gewählt. Lars Schneider und Gerhard Behrendt werden den neuen Vorstand in dieser Funktion unterstützen.

Strategien erforderliche

Die großen Themen der FDP Markdorf, das machte Haas klar, seien eine gesamtstädtische Entwicklungsstrategie, die den wirtschaftlichen Veränderungen und dem demografischen Wandel in gleicher Weise Rechnung trage, ebenso wie der Bürgerbeteiligung, dem Verkehr, der Wirtschaft und einer Finanzpolitik mit Augenmaß.

Jüngeren Markdorfern fehlt Plattform

Institutionalisierte Bürgerbeteiligung gebe es bisher erst in Ansätzen. Gerade für jüngere Markdorfer fehle eine Plattform. Das Rezept der FDP: Ein in Eigenregie auf den Weg gebrachter Prototyp einer „Bürger-App“, der bald zu Testzwecken zur Verfügung stehen soll. Generell bestehe zu wenig Bereitschaft, politische Beteiligung zuzulassen, so Haas. Die Stadt Markdorf verhandle beispielsweise hinter verschlossenen Türen mit Interessenten, anstelle einen offenen Ideenwettbewerb zur künftigen Nutzung des Bischofsschlosses anzustoßen.

Südumfahrung verschleppt

Auch in Sachen Verkehr zog Haas vom Leder. Die Südumfahrung K 7743 werde verschleppt und mit Gutachten torpediert, die die Situation in Markdorf verfälschten. Ähnlich kritisch äußerte er sich zum Bahnübergang in der Ensisheimer Straße. Obwohl die Stadt hier inzwischen eine abknickende Vorfahrtsstraße realisiert und die Ampelanlage außer Betrieb genommen habe, käme es an der Kreuzung täglich zu Beinahe-Unfällen. „Unter Umständen muss man hier wie in Neufrach eine Unterführung anstreben“, schlug Haas vor.

Neue Turnhalle ein „Luxusbau“

Kritisch beleuchtete er auch das Kostenbewusstsein der Stadt am Beispiel der Jakob-Gretser-Grundschule und des Spitalfonds. Trotz der Finanzmisere habe man aus der Anforderung zum Bau einer neuen Turnhalle den Plan für einen „Luxusbau“ entwickelt. In Bezug auf die Zukunft des Spitalfonds könne sich Haas die Kooperation mit anderen Trägern vorstellen, um künftig Kosten einzusparen. Bei diesen Themen äußerte sich Haas sehr engagiert. Eine für das kommende Jahr geplante Initiative „500 Bäume für Markdorf“, die die FDP mit Unterstützung eines Sponsors plant, wirkte hingegen eher noch wie Neuland für die Freien Demokraten.