Markdorf trauert um eine große Unternehmerpersönlichkeit: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verstarb Hans Schleicher, Gründer und Inhaber mehrerer Firmen, Erfinder des Intimus-Aktenvernichters und großzügiger Förderer der Markdorfer Vereine, im Alter von 83 Jahren. Schleicher war ein angesehener Unternehmer und ein Menschenfreund, der auch ein großes Herz für die heimische Fasnet hatte. Insbesondere seine Familie und seine Freunde waren der wichtigste Lebensmittelpunkt des Verstorbenen.

Mit dem Aktenvernichter auf den Erfolgsweg

Als junger Mann gründete Schleicher gemeinsam mit Albert Goldhammer 1965 die Firma Schleicher, das Unternehmen firmierte später unter dem Namen Schleicher International GmbH & Co. KG. Zusammen entwickelten und bauten sie Aktenvernichter, die weltweit versandt wurden. Aus dem Unternehmen zurückgezogen hatte sich Schleicher einige Jahre nach dem Gang an die Börse im Frühjahr 1994. Mittlerweile trägt das heutige US-Unternehmen den Namen Intimus International Group. Nach seinem Ausstieg engagierte sich Schleicher bei dem Mineralwasser-Hersteller Alpenwasser aus Oberstaufen. Dort hielt er mit zwei weiteren Familien die Mehrheit und brachte das Unternehmen später ebenfalls an die Börse.

Der junge Hans Schleicher, als er in den 50er-Jahren bei der Lauffer Metallwarenfabrik arbeitete.
Der junge Hans Schleicher, als er in den 50er-Jahren bei der Lauffer Metallwarenfabrik arbeitete. | Bild: Archiv Hans Schleicher/privat

Seine Erfahrung war gefragt

Sein Wissen und seine Erfahrungen waren in Markdorf stets gefragt, auch im Wirtschaftskreis der Unternehmer vor Ort, dem er bis zuletzt angehörte. "Er hat mich als Mensch und Unternehmer beeindruckt. Er hat aus dem Nichts mit viel Engagement, Fleiß und Risikobereitschaft ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut und ist dabei stets bodenständig geblieben", würdigt ihn Bürgermeister Georg Riedmann: "Wir sind freundschaftlich verbunden gewesen, ich werde seine Herzlichkeit und auch ihn selbst als Mensch sehr vermissen."

Hans Schleicher vor wenigen Wochen, mit seinem Aktenvernichter Intimus Simplex.
Hans Schleicher vor wenigen Wochen, mit seinem Aktenvernichter Intimus Simplex. | Bild: Georg Wex

Ex-Bürgermeister Gerber: "Ein Menschenfreund"

"Hans Schleicher war für mich ein guter Freund und Ratgeber, er hatte ein großes Charisma und war ein aufrichtiger und ehrlicher Menschenfreund", sagt auch Riedmanns Vorgänger, Ex-Bürgermeister Bernd Gerber. Das wichtigste Kapital einer Firma seien die Menschen, die dort arbeiten, habe Schleicher einst zu ihm gesagt. Und so habe er auch gelebt und die Menschen geachtet und respektvoll behandelt, ergänzt Gerber.

Leidenschaftlich verbunden war Schleicher auch dem Golfen und den gemeinsamen Reisen mit seiner Frau Renate, mit der er die Liebe zu Portugal teilte. Seit den Neunzigern verbrachten die Schleichers an der Algarve die Wintermonate. Vor allem aber war er ein Mensch, der stets an andere gedacht hat. So unterstützte er etliche Markdorfer Vereine. So war der heutige Markdorf-Cup des SC Markdorf lange Jahre als Intimus-Cup weit über die Region hinaus bekannt.

Den Narren ein Haus geschenkt

Der Historischen Narrenzunft schenkte er 1979 das Obertorhaus, das er ursprünglich für private Zwecke gekauft hatte. „Das Obertor schenke ich euch. Nur umbauen müsst ihr es selber“, hat Otto Gäng als damaliger Zunftmeister Schleichers Worte heute noch im Ohr. Auch seine Weggefährten in der Zunft sind von seinem plötzlichen Tod zutiefst betroffen, einige hatten noch kurz vor seinem Tod mit ihm Kontakt. „Ich bin fassungslos, ich war am Mittwochabend noch gemeinsam mit ihm zusammen“, berichtet Gäng. Schleicher war selbst vier Jahre Zunftmeister und wurde später zum Ehrenzunftmeister ernannt. Zehn Jahre lang habe er zudem die Zunft als Narrenvater präsentiert. Als der Obertorverein 2003 in die Stiftung „Obertor mit Scheublintisch" einging, übernahm er den stellvertretenden Vorsitz der Stiftung. Für sein Engagement zur Erhaltung und sein soziales Wirken wurde Schleicher die Landesehrennadel verliehen. Auch die aktuelle Zunftmeisterin Birgit Beck trauert um ihren Ehrenzunftmeister. „Er hat unserer Zunft mit der Überlassung des Obertors eine Heimat gegeben“, sagt sie. Im August habe Schleicher seine Freunde noch im Zunfthaus besucht. Er käme gerne dorthin, weil hier alle gleich seien, egal woher man komme und wer man sei, habe Schleicher beim letzten Treffen gesagt, berichtet Beck bewegt.

Bei der Dreikönigssitzung 2017 der Historischen Narrenzunft (von links): Otto Gäng, Harald Geng, Dietmar Bitzenhofer und Renate und Hans Schleicher.
Bei der Dreikönigssitzung 2017 der Historischen Narrenzunft (von links): Otto Gäng, Harald Geng, Dietmar Bitzenhofer und Renate und Hans Schleicher. | Bild: Andreas Lang

Familie und Freunde an erster Stelle

Seine Familie und seine Freunde gingen Schleicher über alles. Zu seinem 75. Geburtstag schrieb er seinen Lebensweg in dem Buch "Not macht erfinderisch" nieder und widmete es seiner Familie, Freunden und Wegbegleitern. Jeder, der ein Buch geschenkt bekam, fand dort auch eine handsignierte persönliche Widmung.